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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 22.7.2010)

                                             Ganz die Nina

    Traben: Der außergewöhnliche Werdegang des Benjamin Hagen

(H.Lingk)

BERLIN.  Benjamin Hagen gilt auf den deutschen Trabrennbahnen als Aufsteiger des Jahres – und das nicht erst seit seinem sensationellen zweiten Platz mit dem 688:10-Außenseiter U.S.Lane bei dem mit 30.000 Euro dotierten „Criterium der Vierjährigen“ am vergangenen Sonntag in München. Bei der großen Berliner Rennwoche rund um das 115. Deutsche Traber-Derby, die am Samstag beginnt, gehört der 38-Jährige zu den vielbeschäftigten Fahrern. Für das Medienhaus Bauer also Grund genug, nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch den interessanten familiären Hintergrund des Sulkyfahrers näher zu betrachten.



Sie haben eine sehr berühmte Schwester: Nina Hagen. Wie sah Ihr Verhältnis zueinander in der Kindheit aus? 

Nina ist ja 17 Jahre älter als ich und wir sind nicht zusammen aufgewachsen. Unser gemeinsamer Vater Hans war sicherlich kein Kind der Traurigkeit. Er war mit fünf verschiedenen Frauen verheiratet. Nina entstammt der vierten Ehe, ich der fünften. Als ich drei, vier Jahre alt war, begann ihr Ruhm. Nina wurde in der DDR – und wenig später auch im Westen – zur ganz großen Nummer.

Dann haben Sie sicherlich trotz des zarten Alters mächtig zur älteren Schwester aufgeschaut?

Denkste. Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Immer wenn Nina bei uns zuhause war, lag Ärger in der Luft und ich zoffte richtig los. Und das, obwohl sie sich mit mir unheimliche Mühe gab und mir ständig niedliche Geschenke und Spielzeugautos mitbrachte. Aber ich war einfach noch viel zu klein, um alles zu verstehen. Ich war total eifersüchtig und Nina war für mich ein rotes Tuch. Ich dachte ständig, dass sie mir den Vater wegnehmen will.

Wie schaut denn Ihr Verhältnis heute aus?

Völlig anders. Meine kindliche Eifersucht ist mit zunehmendem Alter echtem Respekt gewichen. Nicht jeder mag ein Fan von Nina sein – aber ich bin es. Sie hat mit ihrer großen Individualität damals in der DDR und nach der Emigration in den Westen einen ganz eigenen künstlerischen Stil geschaffen. Etwas, was vor ihr noch nicht da war. Sie fing bei Null an und ging quasi vom Hinterhof mitten ins Rampenlicht. Nina hat damals alles, was in ihr steckte, hundertprozentig gegeben. Sie hat für ihr Ziel gekämpft, bis das Blut kam. Das rechne ich ihr hoch an. Privat ist sie ein toller Typ und bei weitem nicht so schräg, wie manche Leute meinen.

Die Individualität scheinen Sie gemeinsam mit der Schwester vor allem von Ihrem Vater geerbt zu haben, der offenbar ein außergewöhnlicher Mensch gewesen ist. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man auf seine Vita schaut.

Ja, mein Vater war ein ganz besonderer Mensch und ich habe ihn wirklich sehr geliebt. Er war einer, der immer gegen den Strom geschwommen ist, wenn es sein musste - auch wenn es höchst unbequem war. Das hatte er wahrscheinlich schon von seinen eigenen Eltern her in sich, die 1942 von den Nazis aufgrund ihrer jüdischen Herkunft im KZ Sachsenhausen ermordet worden waren. Mein Vater wusste genau, auf welcher Seite er zu stehen hatte. Er wurde als aktiver Widerstandskämpfer verhaftet und saß bis 1945 im Todestrakt der Nazis im Gefängnis Berlin-Moabit. Das Ende des Krieges hat er nur durch ein Wunder erlebt.

Ihr Vater wurde zu einer berühmten Persönlichkeit in der DDR und war sogar der erste Nachkriegs-Bürgermeister des Berliner Bezirks Mitte.

Aber er fühlte sich trotzdem in erster Linie als Schriftsteller und Autor. Und politisch war er auch auf dem linken Auge nicht blind: Wegen seiner anhaltenden Kritik wurde er später aus der SED ausgeschlossen.

Die Umstände seines Todes im Jahr 1992 sind Ihnen besonders ergreifend in Erinnerung geblieben.

Mein Vater verstarb an einem Tag, der für mich eigentlich wunderschön werden sollte: Ich wurde nämlich zum besten Berliner Nachwuchsfahrer geehrt. Mein Vater befand sich zu diesem Zeitpunkt seit einigen Wochen im Krankenhaus, das Herz machte ihm schwer zu schaffen. Ich war sehr besorgt um ihn. Daher schlug ich ihm vor, lieber bei ihm zu bleiben. Doch er ließ es nicht zu und sagte: „Junge, ich bin so stolz auf Dich. Du musst nun unbedingt zur Championats-Ehrung gehen, ich komme hier schon klar.“ Also fuhr ich zur Rennbahn – ohne zu ahnen, dass es seine letzten Worte sein würden. Unmittelbar nach meiner Ehrung war er tot.

Auch wenn schwer fällt, angesichts solch trauriger Erinnerungen den Bezug zur Gegenwart zu erstellen: Ihr Vater würde heute sehr glücklich über Ihre Entwicklung sein. Sie gehören zur Top Ten der deutschen Trabrennfahrer und sind einer der begehrtesten Catchfahrer überhaupt. Obwohl Sie gegen Konkurrenten wie etwa den zweimaligen Weltmeister Heinz Wewering oft Außenseiter steuern, landen Ihre Pferde zu 57 Prozent im Geld. Hätten Sie jemals gedacht, so weit zu kommen?

Nein, überhaupt nicht. Eigentlich war meine Karriere sogar gleich nach der Lehrlingszeit wieder beendet. Mein damaliger Chef und Ausbilder, der Berliner Trainer Burkhard Sternberg, sagte zu mir: „Benny, ich habe leider zuwenig Pferde im Stall. Ich muss Dich entlassen.“ Doch der Zufall wollte es, dass am nächsten Tag eine große Jährlings-Auktion auf der Rennbahn stattfand. Der Clou: Für ihr Höchstgebot bekamen die noblen Gäste neben dem ersteigerten Traber noch eine Flasche Champagner dazu. Das war der entscheidende Punkt. Ein reicher Millionär kaufte nämlich gleich ein Dutzend Pferde und gab sie meinem Chef ins Training – eigentlich nur, weil seine Frau und seine Begleiter ständig Durst hatten. Noch am selben Abend bekam ich meinen Arbeitsvertrag zurück.

Aber nun im Ernst: Ich habe im Sport in den vergangenen zwanzig Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt. Das ist ein ewiges Auf und Ab – ich freue mich daher, dass es momentan so gut läuft. Ich danke den Rennstallbesitzern, dass sie mir ihr Vertrauen schenken.

Das war aber nicht immer so. Vor allem in Ihrer Anfangszeit als Trabrennfahrer galten Sie als exzentrischer Kerl, der sich gerne mit jedem angelegt hat – also ganz wie die Schwester Nina.

Na ja, man ändert sich eben. Mittlerweile bin ich zweifacher Familienvater geworden und habe gemeinsam mit meiner Frau Conny die Verantwortung für unsere Töchter Monique und Kim zu tragen. Da wird man zwangsläufig ruhiger.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 21.7.2010)

                          Das Derby: Mariendorfs große Rennwoche

(H.Lingk)

BERLIN.  Er ist ein abgebrühter Profi und für sein ausgekochtes taktisches Gespür bekannt. Der 35-jährige Sulkyfahrer Roland Hülskath (35) hat weit über 2.000 Rennen und den Titel des Europameisters gewonnen. Und dennoch wurden die Augen des Mönchengladbachers ganz feucht, als er im August letzten Jahres im Mariendorfer Winnercircle geehrt wurde – wenige Minuten, nachdem er beim Deutschen Traber-Derby mit dem Hengst Zar As gesiegt hatte. „Es ist nun mal der schönste Erfolg, den ein Trabrennfahrer erringen kann“, sagte Hülskath gerührt. „Da brauche ich mich für Tränen nicht zu schämen.“

Das Derby ist das Rennen der ganz großen Emotionen. Seit dem Himmelfahrtstag des Jahres 1895, als Jacob Müller mit dem Hengst Bambus die erste Austragung gewann, zieht sich die Dramatik um Sieg oder Niederlage wie ein roter Faden durch die Geschichte des Sulkysports. Nur ein einziges Mal – im Kriegsjahr 1945 – fiel das wichtigste deutsche Rennen aus. Wer diese Prüfung gewinnt, geht für immer in die Annalen des Trabersports ein.



Am 24. Juli beginnt die große Mariendorfer Rennwoche erneut. Und natürlich ist auch Roland Hülskath, der die aktuelle Saisonstatistik der Sulkyfahrer anführt, wieder mit seinen Pferden dabei. An den sechs Veranstaltungstagen, die am 1. August in das große Derby-Finale münden, werden rund 800.000 Euro Prämie an die Besitzer und Fahrer der schnellsten Traber verteilt. Nur die Allerbesten haben dann eine Chance, wenn Topleute wie der Weltmeister Heinz Wewering (13.000 Rennsiege) oder Helmut Biendl (7.000 Sulkytreffer) auf der Zielgeraden um jeden Zentimeter kämpfen.

Natürlich hat sich der Mariendorfer Vereins-Chef Ulrich Mommert (69) auch für die Zuschauer einiges einfallen lassen. Für die jüngeren Besucher bieten die Künstler des ufaCircus gleich am Eröffnungstag (24. Juli) Spiel und Spaß. Die gesamte Veranstaltungswoche ist mit Attraktionen wie dem großen BVG Club-Familienrenntag (25. Juli), dem traditionellen Feuerwerk (29. Juli) und einem prächtigen Hutwettbewerb (30. Juli) prall gefüllt.

Und nicht nur am Final-Wochenende (31. Juli / 1. August), bei dem es für die Sportler alleine um eine halbe Million Euro Preisgeld geht, kommt prickelnde Spannung auf: Denn bei diversen Gewinnaktionen kann jeder Zuschauer bis zu 1.000 Euro Bargeld oder sogar einen Opel Corsa Limited im Wert von 10.245 Euro gewinnen. Der Eintritt (unter 18 Jahre frei) beträgt an allen sechs Veranstaltungstagen jeweils 10 Euro und enthält bereits einen 4-Euro-Wettgutschein, um einmal den richtigen Tipp zu riskieren. Mit öffentlichen Verkehrsmittel erreicht man die Trabrennbahn am besten mit der U6 und den Buslinien M76 und 179.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 28. April 2010)

                                Der Weltmeister kommt

             Diamond-Way-Rennen am Sonntag mit Heinz Wewering 

(H.Lingk)

BERLIN:  Er hat die unglaubliche Anzahl von 16.316 Rennen und über 60 Millionen Euro Preisgeld gewonnen: Heinz Wewering ist der siegreichste Sulkyfahrer der Welt. Immer wenn der gebürtige Westfale nach Berlin kommt, räumt er ganz groß ab. Und das möchte Wewering natürlich auch am kommenden Wochenende tun – denn am Mai-Sonntag gibt es auf der Traberpiste in Mariendorf viel Geld für die Sportler zu verdienen. Beim Diamond-Way-Rennen, das nach einem der besten deutschen Pferde aller Zeiten benannt ist, geht es für die Teilnehmer um 10.000 Euro Prämie.




Doch das ist nicht die einzige Herausforderung für Heinz Wewering. Denn zusammen mit der aus Lichterfelde stammenden Buchhändlerin Manuela Wollschläger, die schon immer von einer rasanten Fahrt im Sulky geträumt hatte und für den gemeinsamen Start mit dem Weltmeister ausgelost wurde, besteigt der Spitzensportler ein europaweit einzigartiges Gefährt: Einen Doppelsulky, in dem zwei Personen Platz nehmen können. Ähnlich wie auf einem Tandem geht es dann für die Berlinerin und ihren prominenten Partner rund um die Mariendorfer Bahn – allerdings in einem Höllentempo hinter einem waschechten Rennpferd!

Die Veranstaltung (Beginn 13:30 Uhr), für die am Mai-Samstag um 9.09 Uhr auf Radio TEDDY 106,8 Familien-Freikarten ausgelost werden, bietet Spiel und Spaß für Jung und Alt. So können die Kinder nicht nur edle Rennpferde aus nächster Nähe betrachten, sondern auch ihr eigenes Geschick beim kostenlosen Ponyreiten ausprobieren. Der reguläre Entritt für Erwachse beträgt drei Euro, für Jugendliche bis 18 Jahre ist er ohnehin frei. Für ganz Hungrige gibt es außerdem einen großen Mai-Brunch mit erlesenen Speisen, der bereits ab 11 Uhr beginnt. Eine Platzreservierung (12,50 Euro) ist für die Speisegäste vorab unter der Rufnummer 030- 74006363 erforderlich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man die Trabrennbahn am besten mit der U6 (Endstation Alt-Mariendorf) und den Buslinien M76 und 179.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 31.3.2010)

                           Berlins Sulkyfahrer wollen die Revanche 

            Fritz-Brandt-Rennen am Karfreitag auf der Trabrennbahn

(H.Lingk) 

BERLIN.  Eine Winterruhe oder Verschnaufpause gibt es nicht – auf der Bahn in Mariendorf finden das ganze Jahr über Trabrennen statt. Selbst härteste Minusgrade, Eis und Schnee konnten die bunt gekleideten Sulkyfahrer und ihre edlen Rösser in den vergangenen Monaten nicht schrecken. Die Saison hat also längst begonnen. Und trotzdem ist die Mariendorfer Veranstaltung am Karfreitag (ab 13.30 Uhr) etwas ganz Besonderes – quasi der Startschuss für die großen kommenden sportlichen Höhepunkte.

Denn mit dem Fritz-Brandt-Rennen steht ein waschechter Trabrenn-Klassiker auf dem Programm. Eine Prüfung mit großer Tradition: Das mit 21.000 Euro dotierte Highlight wurde schon vor 77 Jahren das erste Mal ausgetragen und findet seitdem immer zu Ostern statt. Damit leitet dieses Rennen eine ganze Serie hochklassiger Mariendorfer Events ein, die mit der Derby-Woche vom 24. Juli bis zum 1. August ihren absoluten Höhepunkt findet.



Das Fritz-Brandt-Rennen lockt Jahr für Jahr europäische Spitzenfahrer wie etwa den Niederländer Fred Handelaar (53) nach Berlin. Der „fliegende Holländer“, der neben seiner Leidenschaft für die Pferde im Hauptberuf als Finanzexperte tätig ist, konnte das Rennen in der Saison 2009 mit dem Wallach Robby Andrup gewinnen. Gibt es am Karfreitag nun etwa wieder einen Auswärtssieg? Denn bei den letzten vier Auflagen des Klassikers gab es für die Berliner Fahrer kaum etwas zu holen. Einzig die Amazone Katharina Merz (35) landete im Sulky ihrer Traber Candle in the Wind und Metal Firecracker in den Jahren 2004 und 2005 einen Doppelschlag. Danach gingen die Spree-Athener, die jetzt „brandt-heiß“ auf die Revanche sind, stets leer aus.

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 29.1.2010)

                                      In der Höhle des Löwen

(H.Lingk) 

PARIS.  Der mit einer Million Euro dotierte Prix d’Amérique Marionnaud ist das bedeutendste und härteste Trabrennen der Welt. Schon seit 1920 wird der Klassiker alljährlich am letzten Januarsonntag auf der Pariser Bahn Vincennes ausgetragen – einer im östlichen Speckgürtel der französischen Metropole gelegenen Nobelpiste. Egal, ob eisige Temperaturen herrschen – wenn die 18 weltbesten Pferde auf die Zielgerade stürmen, steigt die Fieberkurve der 40.000 Zuschauer auf der Tribüne ins Unermessliche. Weltweit zittern sogar über 200 Millionen Menschen bei dem live in 80 Länder übertragenen Rennen mit.

Nach jahrelanger Abstinenz ist nun endlich wieder ein deutsches Pferd am Sonntag mit dabei. Der siebenjährige Hengst Russel November tritt als chancenreicher Außenseiter an. Im Sulky wird wie immer sein niederländischer Fahrer Hugo Langeweg sitzen. Das Medienhaus Bauer sprach mit dem 25-Jährigen über seine Chancen.




Sie wurden in der vergangenen Saison zum fünften Mal hintereinander niederländischer Trabrenn-Champion und unternehmen mit Ihrem deutschen Hengst Russel November bereits den zweiten Anlauf auf den Prix d’Amérique.

Ja, wir wollten eigentlich schon im vorletzten Jahr an den Start gehen. Zunächst sah auch alles danach aus. Doch dann verliefen die Generalproben für den Prix d’Amérique nicht wie gewünscht und Russel November hatte immer wieder mit Erkältungskrankheiten zu kämpfen. Wir haben dann unser Vorhaben kurz vor dem Tag X wieder abgebrochen.


Diese Entscheidung wird Ihnen und Ihrem Vater, der zwei Mal Europameister der Trabrennfahrer war, damals sicherlich nicht leichtgefallen sein. Schließlich hat man vielleicht nur einmal im Leben ein Pferd, das beim Amérique startberechtigt ist. 

Natürlich fiel es uns schwer. Aber es hätte einfach keinen Sinn gemacht. Der Prix d’Amérique ist das anspruchsvollste Rennen der Welt – besonders für die Pferde, die bis an ihre äußerste Grenze gehen müssen. Dort mit einem Traber zu starten, der gesundheitlich und konditionell nicht auf den Punkt genau auf Hundert ist, wäre der reinste Wahnsinn.


Danach verlief die Saison 2009 für Russel November allerdings großartig. Der Hengst gewann innerhalb weniger Monate 465.000 Euro Preisgeld und steht jetzt bei einer Gesamtbilanz von 1,2 Millionen Euro. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Russel ist ein absolut wunderbares Pferd. Er ist für mich und meine ganze Familie ein echter Freund geworden, eine richtige Persönlichkeit. Besonders wenn man zusammen auf Reisen geht, schweißt einen das regelrecht zusammen.


Und das haben Sie in der Vergangenheit oft genug getan. Russel November gewann das Deutsche Derby in Berlin, den Gran Premio Turilli in Rom und den mit 308.000 Euro dotierten Oslo Grand Prix. Aber ausgerechnet in Frankreich, wo der Hengst zu Beginn seiner Rennkarriere fünf Mal hintereinander nicht zu schlagen war, konnten Sie in der Vorbereitung auf den Prix d’Amerique 2010 kein Rennen gewinnen.

Das ist kein Grund zur Beunruhigung – im Gegenteil. Ich bin mit der körperlichen Verfassung meines Pferdes überaus zufrieden. Wir mussten zunächst einige Handicaps umschiffen. Durch den strengen Winter war es meinem Vater und mir kaum möglich, Russel November auf unserer Anlage in Schagerbrug 60 km nordwestlich von Amsterdam ordentlich zu trainieren. Wir sind daher schon vor drei Wochen in das wesentlich mildere Klima von Grosbois ausgewichen. Das ist ein riesengroßes Trabrennzentrum östlich von Paris. Wir finden dort ideale Bedingungen vor und haben Russel November Schritt für Schritt an seine Topform herangeführt. Bei seinem letzten Start vor 12 Tagen beim Prix de Belgique um 110.000 Euro Preisgeld war unser Hengst zwar nicht plaziert. Er ging nach vorsichtigem Start aber auf den letzten 500 m ein höllisches Tempo. Russel November spielte in diesem Rennen einen wirklich feinen Schlussakkord!


Die letzten Meter scheinen ohnehin seine Stärke zu sein. Bei Ihrem Sieg im Sommer in Oslo lagen Sie mit Ihrem Pferd an letzter Stelle, als es auf die Zielgerade ging. Und dann hat Russel November in unglaublicher Manier das Feld von hinten aufgerollt. Wird dieser Stil nun zur Taktik für den Prix d’Amérique werden?

Nein, überhaupt nicht. Am Sonntag treten die besten Pferde der Welt in Paris an. Fast jeder zweite der 18 Teilnehmer ist von seiner Gewinnsumme her ein vierbeiniger Euromillionär. In solch einem erlesenen Feld hat man nur eine Chance, wenn man sofort nach dem Start in der Spitzengruppe liegt. Ich muss mit Russel November gleich auf den ersten Metern unbedingt eine Position unter den ersten Acht erlangen – sonst wird es nichts.

 
Wen sehen Sie denn am Sonntag als Ihren Hauptgegner an?

Der französische Titelverteidiger Meaulnes du Corta ist für unseren Hengst ein ganz harter Brocken. Er wird Favorit werden. Aber sein Trainer Pierre Levesque kann auch nicht zaubern und ist ebenso wie wir auf einen idealen Rennverlauf angewiesen. Gefährlich ist außerdem der Hengst Paris Haufor. Ein ganz merkwürdiger Bursche – wenn der Braune die Spitze bekommt, rennt er alles in Grund und Boden. Wenn er aber eine Lage im Feld hat, ist er überhaupt nichts wert. Ein sehr schwieriges Pferd. Russel November ist damit verglichen viel unkomplizierter. Und das könnte am Ende unser Vorteil sein.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 6.1.2010)

                       „Das Publikum hier ist fantastisch“

    Traber-Champion Michael Nimczyk hat noch einen Koffer in Berlin

(H.Lingk) 

BERLIN.  Der alte ist der neue Champion: Der erst 23-jährige Michael Nimczyk holte sich zum zweiten Mal den Titel des erfolgreichsten Trabrennfahrers Deutschlands. 

Mit 166 Saisonsiegen setzte sich der in Willich am Niederrhein lebende Sportler hauchdünn gegen Roland Hülskath (Mönchengladbach / 163 Erfolge) durch. Den dritten Platz belegte Heinz Wewering (Hamburg), der für seine 118 Siege allerdings nur die Hälfte der Starts seiner Gegner benötigte und damit vom Schnitt her einsame Spitze ist.



Seinen Titel machte Michael Nimczyk, der als Teenager eigentlich Fußballer werden wollte und bei seinem Heimatverein Borussia Mönchengladbach sogar an einem Bundesliga-Sichtungslehrgang teilgenommen hatte, vor allem in Berlin perfekt. Denn die Derby-Bahn in Mariendorf wurde für den Sulkyfahrer zur zweiten Heimat. In der Saison 2009 fuhr Nimczyk den Gegnern auf Berlins Pferde-Avus 54 Mal auf und davon.

Absolut passend dazu: Als Siegeshymne für die Ehrungen im Mariendorfer Winner-Circle wählte der Sulkyfahrer den von Ralph Marie Siegel komponierten Oldie „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ aus. Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Bully Buhlan, der den Song als Erster in seinem Repertoire hatte, stehen also jedes Mal Pate, wenn Michael Nimczyk und seine Pferde als Sieger über die Ziellinie stürmen. Von der Hauptstadt ist der Sportler ohnehin total begeistert. Michael Nimczyk: „Das Publikum in der Hauptstadt ist einfach fantastisch – jeder Rennerfolg macht hier doppelt Spaß!“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 4.12.2009)

                                Mit blauem Schal und roter Mütze 

      Hertha BSC Nikolaus-Renntag wird ein Fest für die ganze Familie

(H.Lingk) 

BERLIN.  Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle ist vernichtend: Hertha BSC steht seit Wochen auf dem letzten Platz. Doch das Rennen um den Klassenerhalt ist noch längst nicht entschieden. Das möchte ein zweiter Berliner Sportverein am Wochenende mit einer großen Solidaritätsaktion unterstreichen. Denn während die Hertha-Mannschaft am Sonntag um 17.30 Uhr zum Auswärtsspiel in der Arena auf Schalke einläuft, findet zeitgleich auf der Trabrennbahn in Mariendorf der große Hertha BSC Nikolaus-Renntag statt – natürlich mit einer Live-Übertragung des wichtigen Spiels.



Die Mariendorfer Veranstaltung, bei der nicht nur spannende Trabrennen und dramatische Fußball-Action, sondern vor allem das Vergnügen für die gesamte Familie im Vordergrund steht, beginnt bereits um 13.30 Uhr. Weit über tausend Kinder und Jugendliche des Hertha Kids-Club werden dann die zwischen der Tempelhofer Kruckenbergstraße und dem Mariendorfer Damm gelegene Rennpiste erstürmen. Denn es gibt jede Menge Spaß: Einen großen Fun-Park, einen Soccer-Court, Torwände und Tischkicker sowie Ponyreiten und Stallführungen durch das Bahngelände. Sogar die Siegerehrungen der Trabrennen, bei denen auch das Hertha-Maskottchen Herthinho höchstpersönlich in den Sulky steigt, werden die Kinder selber vornehmen.

Zu dem großen Mariendorfer Renntag sind natürlich nicht nur die Hertha-Kids, sondern alle Berliner Familien eingeladen. Und es gibt einen guten Trick, um den sonst üblichen Eintritt von drei Euro pro Erwachsenen (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben ohnehin freien Zugang) zu sparen: Jeder Berliner, der mit einem Hertha-Trikot, Schal oder Cap oder sogar als Nikolaus verkleidet zur Veranstaltung kommt, erhält freien Eintritt. Denn natürlich wird am Nikolaustag eine frohe vorweihnachtliche Stimmung vorherrschen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man die Rennbahn am besten mit der U6 (Endstation Alt-Mariendorf) oder den Bussen M76 und 179.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 23.9.2009)

                                  Bronze für eine Berliner Amazone

Katharina Merz holt bei der EM der Trabrennfahrerinnen sensationell den dritten Platz

(H. Lingk)

KIEW.   In Berlin kann ihr schon seit Jahren keine Gegnerin das Wasser reichen: Auf den beiden Trabrennbahnen Mariendorf und Karlshorst ist Katharina Merz seit langem die erfolgreichste Sulkyfahrerin. Mit ihrer stolzen Bilanz von 211 Siegen bei 854 Starts lässt die 35-Jährige, die den Trabrennsport schon als Teenager ins Herz schloss, sogar die meisten männlichen Konkurrenten glatt abblitzen. Über 216.000 Euro Preisgeld haben die Pferde der Sportlerin, die in Köpenick aufwuchs, bisher erkämpft.

Am letzten Wochenende gelang Katharina Merz nun der ganz große Schlag: Bei der Europameisterschaft der Trabrennfahrerinnen, die auf der Bahn in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ausgetragen wurde, belegte die Berlinerin hinter der Russin Julia Kashkovskaya und der Schwedin Ingrid Bengtsson sensationell den dritten Platz. An dem Amazonen-Wettkampf nahmen Sportlerinnen aus 14 Nationen teil. Katharina Merz zur Berliner Woche: „Ich habe mich wahnsinnig über die Bronzemedaille gefreut! Es war eine riesige Ehre für mich, für Deutschland bei der Europameisterschaft anzutreten.“



Der besondere Clou: Bei den drei Wertungsläufen der Amazonen-EM durften die Sulkysportlerinnen nicht ihre eigenen Pferde steuern, sondern mussten sich hinter völlig unbekannte ukrainische Traber setzen. Nach einem sechsten Platz zum Auftakt gewann Katharina Merz den zweiten Lauf. Doch für das entscheidende Finale bekam die Sportlerin ausgerechnet den chancenlosesten Außenseiter im Feld zugelost. Die Amazone schmunzelnd: „Mein Pferd ging kaum einen Schritt Trab. Ich glaube, der Wallach hatte für den Rennsport ungefähr so viel Talent, wie ich für das Seiltanzen!“ Doch Berlins Sulky-Königin beherrschte den schwierigen Balance-Akt und brachte ihr Pferd fehlerlos um den Kurs.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 22.7.2009)

                                      Derby-Fieber in Mariendorf

           Am Sonntag beginnt Deutschlands größte Rennwoche

(H.Lingk) 

BERLIN.  „Meine Chancen sehen gut aus. Aber ein einziger taktischer Fehler oder eine Störung durch einen Gegner im Rennen und alles ist vorbei“, sagt Heinz Wewering. Der Mann muss es wirklich wissen. Denn mit 16.251 Sulkysiegen ist der 59-jährige Sportler der erfolgreichste Trabrennfahrer der Welt. Der gebürtige Westfale gehört zu den absoluten Stars der Derby-Woche, die am kommenden Sonntag in Mariendorf beginnt.

Ein ganzes Jahr lang haben alle Traberfans auf diesen Moment gewartet: Vom 26. Juli bis zum 2. August ist die Rennpiste am Mariendorfer Damm der Nabel des Pferdesports. Für die Sulkyfahrer und Gestütsbesitzer geht es um viel Geld: Über 700.000 Euro Prämie werden an die Sieger und Platzierten verteilt.



Die Rennwoche, an der prominente Gäste wie die  Schauspielerin Mariella Ahrens, der Box-Weltmeister Arthur Abraham und die ehemalige Tennis-Weltranglistenspielerin Anke Huber teilnehmen, startet am kommenden Sonntag mit dem großen BVG Club-Familienrenntag. Bereits ab 10 Uhr gibt es einen Frühschoppen, das erste Rennen wird um 13.10 Uhr ausgetragen. Neben den sportlichen Entscheidungen steht ein buntes Familienprogramm im Mittelpunkt. Der Kindercircus der ufaFabrik präsentiert den „starken Paule“ und einen fast echten Charlie Chaplin. Für die kleinen Besucher ist der Spaß auf den gigantischen Hüpfburgen, beim Kinderschminken oder beim Drehen der Glücksräder garantiert. Für die erwachsenen Gäste gibt es bei den zahlreichen Sonderverlosungen attraktive Preise wie z. B einen Citroen Airdream Advance im wert von 9.500 Euro zu gewinnen, ohne dass man ein Sport-Insider sein muss. Das in Berlin bestens bekannte „Damentanzorchester Salome“ sorgt für die musikalische Umrahmung. Der Clou: Die Nutzer eines BVG-Jahresabonnements haben am Sonntag mit einer Begleitperson freien Eintritt.

Und so sieht das Programm der gesamten Derby-Woche aus: Am Donnerstag (30. Juli) geht es ab 17.30 Uhr weiter. Am Freitag, dem 31. Juli (ab 17.30 Uhr) schließt sich ein großes Höhenfeuerwerk an den Abendrenntag an. Am Final-Wochenende, dem 1. und 2. August (jeweils ab 12.30 Uhr), geht es ums Ganze: um den Sieg beim renommierten Knauer-Rennen und dem 114. Deutschen Traber-Derby. Der Eintritt beträgt an allen Veranstaltungstagen 10 Euro. In diesem Preis sind bereits 4 Euro Wettgutscheine enthalten. Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Zutritt. Der Haupteingang der Trabrennbahn befindet sich in der Kruckenbergstraße, die man am besten mit der U-Bahnlinie 6 und den Buslinien M 76 und M 179 erreicht.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 24.6.2009)

                                 Das beste Ergebnis der Saison

             Okaleia und Nadir Zeuske sind Berlins Derby-Hoffnung

(H.Lingk)

BERLIN.  Nadir Zeuske lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Köpenick gleich neben der Kämmerer Heide und dem Müggelsee. Doch Nadir Zeuskes wahre Heimat sind die Berliner Trab- und Galopprennbahnen. Denn der 38-Jährige ist in allen Disziplinen des Pferdesports zuhause. Der Sportler startete seine Karriere als Berufsreiter auf der Galopp-rennbahn in Hoppegarten, wechselte dann zu den Trabern nach Mariendorf und Karlshorst. 145 Siege im Sulky und eine Preisgeldbilanz von fast 170.000 Euro sprangen seitdem heraus.



Am Buddenbrock-Renntag in Mariendorf gelang dem Berliner nun der ganz große Coup. Und das unter dramatischen Umständen. Denn wenige Tage vor der wichtigen Derby-Generalprobe musste sich der Trabertrainer einer schweren Operation unterziehen. Der Traum, seine pfeilschnelle Stute Okaleia in dem Rennklassiker an den Start zu bringen, schien wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Doch Nadir Zeuske gab nicht auf und lieferte seiner Frau Bettina vom Krankenbett aus alle notwendigen Instruktionen für die Vorbereitung auf das Rennen. Und die 29-Jährige machte als Trainerin tatsächlich ihr Meisterstück: Auf den Punkt topfit belegte Okaleia beim Buddenbrock-Stutenlauf mit dem Europameister Roland Hülskath im Sulky den zweiten Platz. Aus Berliner Sicht das beste Saisonergebnis überhaupt, das beim Derby am 2. August in Mariendorf noch gesteigert werden könnte.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 1.4.2009)

                                  Vorfreude auf den Sulky-König 

       Die Mariendorfer Pferde-Avus steht vor einer tollen Rennsaison

(H.Lingk)

BERLIN.  Als der 30-malige Fußballnationalspieler Mario Basler gemeinsam mit Anke Huber, die lange Zeit in der Top Ten der Tennisrangliste stand, einen Rennstall gründete, wurde das von den meisten Trab-Experten als reine Promilaune abgetan. Fünf Jahre ist dies her. Doch aktuell stellt sich die Situation geradezu sensationell dar. Denn die beiden Sportler leiten tatsächlich gemeinsam mit Baslers Schwager Roger Wittmann Deutschlands erfolgreichsten Rennstall: das Gestüt Catch-Glory. Weit über 400.000 Euro Preisgeld haben „Super-Marios“ Pferde alleine in der Saison 2008 verdient. Die falsch liegenden Experten haben inzwischen eine Kehrtwendung um 180 Grad vollzogen: Besonders den Catch-Glory-Hengst Igor Font, der schon drei Gruppe-Eins-Rennen und 618.000 Euro Prämie gewann, halten viele nun für das beste junge Pferd in Europa. 

Einen großen Anteil an diesem Erfolg hat ein Franzose. Denn für die Fahrten im Sulky ihrer Pferde konnten Basler und Huber einen wahren Champion verpflichten. Der 37-jährige Jean-Michel Bazire verfügt über eine Bilanz, die seine Konkurrenten vor Neid erblassen lässt. In den letzten zwölf Monaten erzielte Bazire mit seinen taktischen Geniestreichen über acht Millionen Euro Prämie und beherrschte das Geschehen auf allen bedeutenden Rennpisten. Nur in Berlin war der Fahrer noch nie am Start. Doch das soll nun anders werden. Roger Wittmann, der Sprecher des Gestüts Catch Glory: „Wir freuen uns sehr, dass Bazire eine definitive Zusage für die großen deutschen Rennen gegeben hat. Das betrifft natürlich auch zukünftige Starts in Berlin wie zum Beispiel beim Derby.“



Bis zu dem wichtigsten Mariendorfer Trabrennen am 2. August vergeht zwar noch ein wenig Zeit. Doch schon in den kommenden Tagen lohnt sich ein Besuch auf der an der Tempelhofer Kruckenbergstraße gelegenen Bahn gewaltig. Denn für das Osterwochenende hält der Rennvereinsboss Ulrich Mommert ein mächtiges Überraschungs-Ei parat: Am Karfreitag (Veranstaltungsbeginn 13 Uhr) geht es für die bunten Sulkygespanne beim Win-Race-Pokal um 24.000 Euro Preisgeld. Und am Ostermontag (ebenfalls ab 13 Uhr) steht das renommierte Fritz-Brandt-Rennen auf dem Programm. Dieser Klassiker ist mit 21.000 Euro dotiert. Dann wartet nicht nur auf die Rennstallbesitzer viel Geld: In den zahlreichen Sonderverlosungen können alle Zuschauer lukrative Prämien ergattern.

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 12.3.2009)

                   „Super-Igor“ verzückt nicht nur Roger Wittmann 

    Traben: Spielerberater findet sein Glück auch als Gestütsbesitzer

(H.Lingk)

CAGNES-SUR-MER.  Eigentlich kümmert er sich hauptberuflich vor allem um die Belange von Fußball-Profis. Doch vor einiger Zeit hat Spieler-Berater Roger Wittmann sein Herz für den Trabrennsport entdeckt. Und auch da macht er keine halben Sachen: Der Rennstall Catch Glory, den er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Anke Huber (Ex-Tennisstar) und seinem Schwager Mario Basler (Ex-Fußballstar) aufgebaut hat, feiert Erfolge in Serie. Nicht zuletzt dank eines Hengstes namens Igor Font, der kräftig für Schlagzeilen sorgt. 

Geboren wurde der Traber zwar in Italien. Doch die ersten Schritte auf dem Weg zu seiner erfolgreichen Rennkarriere erlernte der fünfjährige Hengst auf dem deutschen Gestüt Catch Glory in der Nähe von Straubing.  Der hübsche Braune avanciert zum neuen Star am europäischen Traberhimmel. Unlängst gewann er den Gran Premio E.N.C.A.T. in Mailand. Am Sonntag setzte der Igor Font ein weiteres Highlight, obwohl er diesmal knapp geschlagen wurde. 

Der Hengst startete in Cagnes-sur-Mer beim Grand Critérium de Vitesse um 200.000 Euro. Auf der direkt an der Cote d’Azur gelegenen französischen Nobelpiste wurde der Igor Font Zweiter und unterlag nur dem Amérique-Sieger Meaulnes du Corta. Das Besitzer-Trio Wittmann, Huber und Basler kassierte alleine für diesen Ehrenplatz 50.000 Euro Prämie. Insgesamt hat Igor Font bei seinen 23 Starts und 11 Siegen schon 618.000 Euro Preisgeld für den Rennstall Catch Glory verdient. Wir sprachen mit Roger Wittmann, dem strategischen Kopf des Gestüts.



Herr Wittmann, während seiner aktiven Zeit als Spieler bekam Ihr Schwager Mario Basler von den Fans und Medien den Spitznamen „Super-Mario“ verpasst. Eigentlich sollte man dieses Prädikat nun auf Ihren Hengst Igor Font übertragen. 

Roger Wittmann: „Das stimmt. Das Rennen am Sonntag war einfach großartig. Igor Font wurde nur von dem Traber-Giganten Meaulnes du Corta bezwungen. Und dies wohl auch nur, weil er auf der Zielgeraden erst spät eine freie Passage fand. Sonst wäre vielleicht sogar der Sieg drin gewesen!“
 

Ihr Traber ist seit Monaten nicht mehr zu bremsen und rennt sich regelrecht die Lunge aus dem Hals. Das konnte man von Ihrem Schwager Mario nie so richtig behaupten ... 

Roger Wittmann: „Na der Mario hatte in seiner Bundesligazeit eben ganz andere Qualitäten und war ein genialer Techniker. Aber es stimmt, wir hatten viele Diskussionen deswegen. Mario besaß immer eine völlig andere Auffassung vom Fußball als ich. Aber schließlich war er derjenige, der mit Mannschaften wie Bayern München und Werder Bremen auf dem Platz stand – und nicht ich.“


Nun lässt Basler andere für sich rennen – und das mit riesigem Erfolg! Ihr Gestüt verdiente alleine in der Saison 2008 über 400.000 Euro Preisgeld und ist zum international erfolgreichsten deutschen Rennstall geworden. Hätten Sie das jemals gedacht? 

Roger Wittmann: „Es war immer unser Ziel, ganz vorne mitzumischen. Also nie irgendeine hobbymäßige Spielerei. Dazu ist dieser Sport auch viel zu teuer. Da könnte man lieber gleich Geldscheine verbrennen. Ehrgeizige Ambitionen waren also von Anfang an da. Aber das alles so schnell geht, habe ich nicht geglaubt. Vor anderthalb Jahren kannte noch überhaupt niemand unseren Hengst Igor Font. Und jetzt tritt er plötzlich gegen die Weltspitze an. Das alles wirkt auf mich wie ein wunderschöner Traum. Für sein unglaubliches Kämpferherz hat sich Igor Font unseren ganzen Respekt verdient. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Pferd!“


In Deutschland kämpft der Trabrennsport ums wirtschaftliche Überleben und um die Zuschauergunst. Das ist in den europäischen Nachbarländern total anders. Dort ist Ihr Rennstall mittlerweile einem breiten Publikum bekannt. Die französischen Sportjournalisten deklarieren Ihren Hengst zum Wunderpferd. 

Roger Wittmann: „Das liegt neben seinen Leistungen auf der Rennpiste vor allem an der Wertschätzung, die unser Brauner von seinem ständigen Fahrer Jean-Michel Bazire erfährt. Der mehrmalige französische Sulky-Champion bezeichnet ihn als sein Trumpfass für den Grand Circuit – die weltweit wichtigste Rennserie. Bazire hält große Stücke auf unser Pferd. Das Urteil dieses Spitzenprofis, der alleine im letzten Jahr über acht Millionen Euro Preisgeld im Sulky herausfuhr, bleibt der Öffentlichkeit natürlich nicht verborgen.“
 

Der Franzose ist quasi der Schummi des Trabrennsports. Welche Aufgeben stehen für ihn und Ihren Hengst in den kommenden Monaten auf dem Programm? 

Roger Wittmann: „Eines unserer Ziele ist der Elitloppet in Stockholm am 31. Mai, das mit 500.000 Euro dotierte wichtigste Meilenrennen Europas. Danach soll der Hengst auch Starts in den USA bestreiten. Doch soweit sind wir noch lange nicht. Mit jeder neuen Aufgabe wird die Herausforderung für Igor Font härter. Er muss sich gewaltigen Gegnern stellen. Daher werden wir zunächst einmal die konkreten Resultate abwarten, ehe wir die nächsten Schritte planen. Voraussichtlich im Februar nächsten Jahres wird unser Hengst dann seine Rennkarriere beenden.“
 

Die Rennkarriere beenden? Sie scheint doch gerade erst für Ihren Traber angefangen zu haben ... 

Roger Wittmann: „Wir müssen auch an seine zweite Karriere denken. Ich glaube, dass Igor Font das Zeug dazu hat, ein herausragender Deckhengst zu werden. Wir können uns schon jetzt vor Anfragen und millionenschweren Angeboten kaum noch retten. Deswegen genießen wir jeden seiner verbleibenden Starts besonders intensiv.“
 

Sie nennen also den Februar 2010 als möglichen Rückzugstermin. Wenigstens ein kleiner Trost für die deutschen Traberfans. Denn kurz zuvor – im kommenden Januar – gibt es da wohl noch ein winziges Ereignis in Paris ... 

Roger Wittmann: „In der Tat – ein Start beim Prix d’Amérique in Paris – dem bedeutendsten Trabrennen der Welt um eine Million Euro – wäre unser absoluter Traum. Es macht zum jetzigen Zeitpunkt jedoch wenig Sinn, darüber nachzudenken. Dazu ist es noch zu früh. Aber die Art und Weise, wie sich Igor Font bisher in seinen Rennen verkauft hat, lässt uns auf die Erfüllung dieses Traums hoffen.“
 

Wie sehen Ihre Erwartungen für die Rennen in der Heimat aus? Wer wird denn die Pferde des Gestüts Catch Glory beim größten hiesigen Traber-Ereignis steuern, dem Deutschen Traber-Derby?

Roger Wittmann: „Natürlich Jean-Michel Bazire. Ich freue mich sehr, dass uns dieser absolute Weltklasse-Fahrer eine feste Zusage gegeben hat!“

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 23.1.2009)

                                 "Glückauf weiß, für wen er rennt"

Jeder Cent für kranke Kinder: Ein Wallach aus Waltrop sorgt für Aufsehen

(H.Lingk)

BERLIN.  „Wir Trabrennfahrer sind doch eigentlich alle völlig verrückt,“ sagt Peter Kwiet und lacht dabei. „Denn wir fahren unser ganzes Leben lang immer nur im Kreis herum.“ In der Tat: In seiner weit über fünf Jahrzehnte währenden sportlichen Laufbahn hat der Berliner mit den Pferden hunderttausende Runden um das Oval gedreht. Die Bahn in Mariendorf, auf der traditionell das Deutsche Traberderby ausgetragen wird, ist zur Heimat und zum Lebensmittelpunkt des 69-Jährigen geworden.

Dort hat er bereits 1955, als die meisten seiner heutigen Gegner nicht einmal geboren waren, sein erstes Rennen im Sulky der Stute Plurette gewonnen. Ganze 15 Jahre war Kwiet damals alt. 

Eine Bilderbuchkarriere schloss sich an: 4.355 Rennen hat Peter Kwiet bisher gewonnen. Darunter natürlich auch das Derby, sein schönster Erfolg. Mit dieser imponierenden Bilanz ist der Fahrer im rot-blauen Dress zur grauen Eminenz des Sulkysports geworden. Einer, der auch über das Geschehen im Rennen hinaus Verantwortung übernimmt.



Jetzt drehte der Altmeister eine Ehrenrunde der besonderen Art. Zusammen mit sechzig Bürgern aus ganz Deutschland wurde Peter Kwiet beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Horst Köhler im Schloss Bellevue für sein soziales Engagement ausgezeichnet.

Denn der Trabrennsportler hatte eine geniale Idee: Um kranken Kindern zu helfen, warb Kwiet bei Prominenten wie Günther Jauch und Johannes B. Kerner um Unterstützung. Zusammen mit den beiden TV-Moderatoren, der Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth, Ex-Rallye-Fahrerin Heidi Hetzer, der Radsport-Legende Otto Ziege und weiteren Sponsoren kaufte Kwiet den Traberwallach Glückauf. Der gemeinsame Gedanke: Jeder einzelne Cent vom Preisgeld, das dieses Pferd im Rennen verdient, geht an die Berliner Kinderklinik St. Joseph. 

Auf den schmucken Wallach war Peter Kwiet durch seine Freundschaft zu der Züchterfamilie Messmann aufmerksam geworden. Im April 2000 hatte der Traber in Waltrop auf dem Gestüt von Ursula Messmann das Licht der Welt erblickt. Kein Pferd mit einer berühmten Abstammung zwar – doch ein Vierbeiner, dem man dem Einsatzwillen schon an den Augen ablesen konnte.

Peter Kwiet: „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Und ich wusste natürlich auch, wie sehr sich die Familie Messmann auf ihrer Ranch in Waltrop um die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Pferde kümmert. Der Name Messmann steht von jeher für Qualität.“

Tatsächlich: Das Vorhaben gelang. Glückauf wurde auf der Berliner Rennpiste zum Star und erklärten Publikumsliebling. Über 26.000 Euro Prämie hat der Braune, der bei seinen ersten drei Lebensstarts noch von Heinz Wewering auf der Bahn in Recklinghausen gefahren wurde, mittlerweile für die Berliner Kinderklinik verdient. Geld, das dringend nötig ist, um den kleinen Patienten ihre schwersten Stunden im Krankenhaus ein wenig zu erleichtern.

Dass der Waltroper Traber Glückauf mit seinen tollen Leistungen diese Unterstützung für die Klinik ermöglicht, darauf ist Kwiet mächtig stolz: „Am liebsten hätte ich ihn zum Bundespräsidenten mitgenommen. Er hätte es verdient, denn unser Traber gibt immer alles. Keine Frage: Glückauf weiß ganz genau, für wen er rennt!“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 7.1.2009)

                                   „Totes Rennen“ in Mariendorf 

Amateure Andre Pögel und Katharina Merz teilen sich den Titel – Daniel Wagner bei den Profis vorne

(H.Lingk) 

BERLIN.  Dramatik pur bis zum letzten Rennen – das war das Motto des Berliner Sulkysports für das Jahr 2008. In der Tat: Die Mariendorfer Abschlussveranstaltung der ausklingenden Saison am 28. Dezember hätte kaum spannender verlaufen können. Beim Kampf um die Berliner Amateurmeisterschaft drehte der Titelverteidiger Andre Pögel (36) noch einmal richtig auf und machte den Rückstand auf seine Konkurrentin Katharina Merz (34) tatsächlich wett.

Mit dem Wallach Jazzman und der Stute Raena holte sich der in Baruth lebende Sportler in der allerletzten Sekunde zwei wichtige Siegpunkte und erzwang damit ein „Totes Rennen“ in der Gesamtjahres-Statistik. Beide Sulkyfahrer erzielten 2008 exakt 24 Treffer und werden sich den Titel nun teilen. Den dicksten Preisgeldhappen der Abschlussveranstaltung schnappte den beiden Dauerkonkurrenten allerdings ein anderer Gegner weg: Das mit 8.000 Euro dotierte Finale des Dezember-Pokals ging an Sebastian Gläser, dessen Stute Lady Ann auf der Zielgeraden auf und davon zog.

Bei den Profis ist der alte Titelträger auch der neue: Daniel Wagner (34) setzte sich in den vergangenen Wochen mit blitzsauberen taktischen Leistungen uneinholbar an die Spitze. Der Mann im blau-weißen Renndress fuhr in der Saison 2008 insgesamt 87 Siege heraus und konnte sein Vorjahresergebnis damit noch einmal um zehn Erfolge steigern. Eine Bilanz, die sich auch finanziell sehen lassen kann. Denn die von Daniel Wagner trainierten Pferde gewannen über 110.000 Euro Preisgeld.



Ein Resultat, auf das der Sportler gemeinsam mit seiner Ehefrau Linda mächtig stolz sein darf. „Ich bin ihr und dem gesamten Stallteam unheimlich dankbar“, sagt der Berliner und schmunzelt dabei. „Linda hat es nicht immer einfach mit mir. Wenn es sportlich auf der Rennpiste nicht so gut läuft, nörgle ich an allem herum.“ Doch das kann 2008 nicht sehr oft der Fall gewesen sein, denn auf den Bahnen in Mariendorf und Karlshorst lief für Wagner und sein Team alles rund.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 17.9.2008)

                                           Goodbye Chinas As

                         Berlins bester Traber geht in Pferderente

(H.Lingk)

BERLIN.  Als die schnellsten europäischen Sulkygespanne am Wochenende in Mariendorf bei der Breeders Crown um 300.000 Euro Preisgeld kämpften, da war Berlins bester Traber nicht mit dabei. Der Wallach Chinas As, der bei seinen 68 Starts insgesamt 425.000 Euro Prämie für seine Besitzerfamilie Hahn aus dem Tempelhofer Ankogelweg erkämpfte, wird nie wieder ein Rennen laufen. 

Jahrelang war Chinas As eine Klasse für sich. In Mariendorf kannte der Traber   keinen Gegner. Und auch bei seinen Starts auf den französischen und schwedischen Pisten diktierte der Fuchswallach den vierbeinigen Konkurrenten klar das Tempo und das Renngeschehen. Doch langsam wurden „dem Roten“, wie ihn Andreas Hahn, der Landesinnungsmeister der Berliner Dachdecker, und seine Gattin Angela liebevoll nennen, die Beine schwer. Mit seinem für ein Rennpferd stolzen Alter von zehn Jahren war nun der Zeitpunkt gekommen, den anderen Trabern das Siegen zu überlassen.



Doch bevor Chinas As nun in die wohlverdiente Pferde-Rente geht, hatte der Fuchswallach einen letzten großen Auftritt: Am Sonntag wurde der Edeltraber im Mariendorfer Winner-Circle noch einmal feierlich vor großem Publikum geehrt. „Den herzlichen Beifall der Zuschauer hat sich der Rote wirklich verdient“, sagt seine Betreuerin Katharina Merz (34) gerührt. „Denn Berlin verabschiedet sich von einem echten Ausnahmepferd!“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 10.9.2008)

                              „FC Bayern“ trabt in Mariendorf an

   Bei der Breeders Crown kämpft die Elite um 300.000 Euro Preisgeld

(H.Lingk) 

BERLIN.  Die Breeders Crown, die Krone der Züchter: Neben dem Derby ist diese weltweit ausgetragene Rennserie zum Inbegriff des Trabersports höchster Güte geworden. Am Freitag (Veranstaltungsbeginn 18 Uhr) und am Sonntag (ab 13 Uhr) ist es auf der Piste am Mariendorfer Damm wieder soweit. In rund 25 Prüfungen treten die prominentesten europäischen Sulkyfahrer mit ihren besten Pferden gegeneinander an. Für die Profis wird das alles andere als ein Zuckerschlecken, denn über 300.000 Euro Dotation stehen dabei auf dem Spiel. Im absoluten Mittelpunkt: Die nach dem Geschlecht der Traber, also nach Stuten bzw. Hengsten und Wallachen aufgeteilten Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Pferde. Inklusive der 20-prozentigen Prämie, die der erfolgreiche Züchter erhält, sind alleine diese beiden Rennen mit jeweils 95.000 Euro dotiert. 

Natürlich tritt bei diesem hochkarätigen Event auch der „FC Bayern“ des deutschen Trabrennsports an: Die bayrischen Brüder Gerd Biendl (50) und Helmut Biendl (52) gehören seit Jahren zu der nationalen Fahrerelite. Mal liegt der eine, mal der andere die entscheidenden Zentimeter vorn. Zusammen gerechnet kommen beide auf 10.000 Siege im Sulky – doch sobald das Startauto anrollt, ist es mit der familiären Verbundenheit vorbei. Denn im Rennen werden die Brüder, die ihre Traber getrennt voneinander in München bzw. Straubing trainieren, zu erbitterten Gegnern und schenken sich nichts. In den letzten Monaten fuhr der zwei Jahre jüngere Gerd dabei meist einen kleinen Vorteil heraus. Am Mariendorfer Wochenende scheint es an dem Routinier ebenfalls kein Vorbeikommen zu geben. Denn mit dem Hengst Gustav Diamant, der in der letzten Saison einen sensationellen Bahnrekord auf der Tempelhofer Piste erzielte, hat der Münchner ein Trumpfass zur Hand.



Für einen weiteren Bayern wird die Breeders Crown zum Happy End: Maximilian Berger, eines der hoffnungsvollsten Nachwuchstalente, hatte sich Ende Juli beim Auftakt der Mariendorfer Derbywoche schwer verletzt. Der 20-Jährige war von seinem auskeilenden Pferd brutal am Kopf getroffen worden. Bei dem schlimmen Unfall wurde sein Augenbrauenknochen zertrümmert. Der Vater Heinrich Berger, selber Trabrennfahrer: „Als ich ihn aus dem Sulky stürzen sah, dachte ich, er wäre tot.“ Doch Maxi Berger hatte Glück im Unglück: Die Hufe des Pferdes verfehlten seine Augen um zwei Zentimeter. Nach der überstandenen Gesichtsoperation im Benjamin-Franklin-Klinikum blieben keinerlei Schäden zurück. Der Sulkysportler sieht wieder aus wie zuvor – und will dem Publikum beweisen, dass er auch von seinem Können nichts verlernt hat. Beim Kampf um die Breeders Crown tritt der Sulkyfahrer mit der Stute Salvedonna an.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 23.7.2008)

                                    Derby-Zauber in Mariendorf

           Am Sonntag beginnt die wichtigste Rennwoche des Jahres

(H.Lingk) 

Das Derby: Dieser Begriff ist im Pferdesport ein magisches Wort. Auf den zahlreichen deutschen Traber- und Galopperbahnen werden fast täglich Rennen ausgetragen – doch keine dieser Prüfungen besitzt auch nur annähernd den Stellenwert der Veranstaltung, die an diesem Wochenende in Mariendorf beginnt. Auf Berlins Traber-Avus an der Tempelhofer Kruckenbergstraße herrscht vom 27. Juli bis zum 3. August nur noch eines: das Wettfieber! Wer ist der Schnellste? Wer wird das wichtigste deutsche Sulkyrennen noch auf der Bahn in Weißensee – wurde der Klassiker zum ersten Mal ausgetragen. Die europäischen Wurzeln dieses Highlights reichen sogar weiter zurück. Am 4. Mai 1780 ließ Edward Smith Stanley, der völlig von Pferden besessene 12. Earl of Derby, seinen besten Hengst gegen hochkarätige Gegner antreten. Der englische Adlige wurde zum Namensgeber des Rennens. 

Seitdem hat vor allem ein Mann Sportgeschichte geschrieben: Heinz Wewering (58) gewann das Derby schon sieben Mal. Auch in diesem Jahr besitzt der Westfale, der bisher in seiner unvergleichlichen Karriere weit über 16 000 Siege erzielte und damit der erfolgreichste Sulkyfahrer aller Zeiten ist, eine erste Chance. Mit den vorzüglichen Pferden aus dem Stall von Marion Jauß könnte der 29-malige Deutsche Meister dem Mariendorfer Meeting erneut seinen Stempel aufdrücken. Ein lohnender Job, denn es geht um viel Geld: An den fünf Veranstaltungstagen werden 700 000 Euro Prämie verteilt. Den Löwenanteil dieser Summe macht das mit 400 000 Euro dotierte Derbyfinale am 3. August aus.



Der Mariendorfer Geschäftsführer Uwe Krop: „Die Derbywoche besitzt ein unbeschreibliches Flair. Man muss einfach dabei sein! Der Nervenkitzel ist nicht nur etwas für Rennsport-Insider, sondern wir garantieren Spaß und Spannung für die ganze Familie!“ Schon der Auftakt am kommenden Sonntag (Rennbeginn 13 Uhr) verspricht einiges. Denn der Sponsor, die Schultheiss-Brauererei, lockt mit einem großen Kinderprogramm und einem Skoda Fabia als Hauptpreis in der Sonderverlosung. Am 31. Juli und am 1. August geht es ab 17 Uhr weiter. Am 2. und am 3. August starten die Rennen um 13 Uhr. Der Eintritt beträgt fünf bis sieben Euro und ist für Kinder bis 14 Jahre frei. Außerdem halten alle Berliner Zeitungshändler kostenlose Karten für die Derbywoche bereit. Wer es live erleben will: Der Haupteingang der Mariendorfer Bahn befindet sich an der Kruckenbergstraße, die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit der U6 (Endstation Alt-Mariendorf) und der Buslinie M76 erreicht.
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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 30.6.2008)

               Glückspilz Mario Basler: Sensationeller Erfolg in Rom

(H.Lingk) 

ROM. Als Co-Trainer des TuS Koblenz musste er mit seiner Mannschaft in der letzten Saison hart um den Klassenerhalt kämpfen. Doch als Pferdebesitzer ist Mario Basler derzeit ein Hans im Glück. Die Siegesserie auf höchster europäischer Ebene, die für Basler und seinen Trabrennstall Catch Glory vor acht Wochen mit dem Triumph beim Gran Premio in Mailand begann, geht weiter. Am späten Samstagabend gelang Basler und seinen Partnern, der Ex-Tennisspielerin Anke Huber und ihrem Lebensgefährten Roger Wittmann, erneut ein großartiger Erfolg. Auf der Bahn in Tor di Valle am Stadtrand von Rom gewann der Hengst Igor Font für den Rennstall Catch Glory den mit den mit 300.000 Euro dotierten Gran Premio Tino Triossi.



In diesem Rennen der Europagruppe Eins gingen die besten vierjährigen Traber an den Start. Baslers Hengst Igor Font, der zuvor bei seinem Sieg in Mailand bereits einen Weltrekord für diese Altersklasse aufgestellt hatte, übernahm nach einer halben Runde die Führung und war fortan hoch überlegen. Mit drei Längen Vorsprung fertigte Igor Font seine zwölf Gegner in der Kilometerzeit von 1:14,1 Minuten überlegen ab. Mit seiner Gewinnbilanz von fast 400.000 Euro gilt der Stallcrack Igor Font nun als bestes junges Pferd des Kontinents. Mario Basler: „Der Hengst ist ein Wunder auf vier Beinen. Auf unserem Gestüt ist der Braune verspielt wie ein kleiner Junge. Doch im Rennen wird er zur Rakete!“

Im Düsenjet-Tempo zog am Wochenende auch Igor Fonts Fahrer, der französische Sulkychampion Jean-Michel Bazire, sein Pensum durch. Der 37-Jährige ging innerhalb von nur 24 Stunden in drei verschiedenen Ländern an den Start. Am Samstag hatte der zweimalige Prix-d’Amérique-Sieger noch um 16 Uhr in Paris den mit 110.000 Euro dotierten Prix de Washington gewonnen. Nur sechs Stunden später fuhr er dann in Rom mit Mario Baslers Hengst als Sieger über die Ziellinie. Nach einer kurzen Schlafpause ging es für Bazire gleich darauf am Sonntag auf der Rennpiste im norwegischen Forus weiter. Der Franzose ist aktuell der beste Trabrennfahrer der Welt. Anke Huber sagt begeistert: „Wir sind stolz, dass dieser Mann in den Sulky unserer Pferde steigt!“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 30.4.2008)

                                         Kräftemessen im Sulky

            Maisause an Himmelfahrt im Pferdesportpark Karlshorst

                               Viele Spitzensportler sind am Start

(H.Lingk)

BERLIN.  Lange Jahre stand es nicht gut um die Traberpiste in Lichtenberg: Sinkende Rennpreise und schwindende Zuschauerzahlen sorgten für einen klaren Abwärtstrend. Die finanzielle Misere war so dramatisch , dass 2003 sogar die komplette Schließung der Bahn drohte. Doch seit einiger Zeit bewegt sich die 1894 eröffnete Sportstätte wieder in ruhigem wirtschaftlichen Gewässer. Unter der Regie des Vereinspräsidenten Lutz Ahrens wurden die Tribünen und kulinarischen Einrichtungen komplett renoviert und mit dem neuen Anstrich zog auch neues Leben ein.

Am Donnerstag, dem 1. Mai., wird nun der erste große Saisonhöhepunkt auf der direkt an der Treskowallee neben dem S-Bahnhof Karlshorst gelegenen Rennbahn ausgetragen. Unter dem Motto „Pfingstsause im Pferdesportpark“ geht es für die Sulkyfahrer und ihre Traber beim PSP-Amateur-Championat 2008 um 18 000 Euro Preisgeld. Diese hohe Dotation lockt natürlich alle Könner des Metiers nach Karlshorst und ein glasklarer Favorit ist unter den Teilnehmern kaum auszumachen.

Für die Zuschauer wird der richtige Tipp an der Totokasse also zur harten Nuss. Eine wichtige Bank für den Wetterfolg könnte allerdings der Sulkyfahrer Andre Pögel sein. Mit seinen konstanten Leistungen holte sich der 36-Jährige bereits vier Mal den Berliner Titel. Ende März gelang Andre Pögel sogar sein Meisterstück:  Bei der Europameisterschaft in Belgien fuhr der gebürtige Baruther die Bronzemedaille heraus.



Wer Andre Pögel und die anderen Spitzenfahrer einmal richtig in Aktion erleben möchte, hat am Feiertag dazu die Gelegenheit. Vom Begleitfahrzeug aus – also nur wenige Meter vom Geschehen entfernt – können interessierte Zuschauer die spannenden Finishkämpfe hautnah verfolgen. Oder man schreitet selber zur sportlichen Tat: Zum Beispiel beim Hufeisenwerfen oder dem beliebten Torwandschießen. Frühe Gäste können den großen Familienrenntag bereits ab 12 Uhr im Biergarten der Bahn bei einer Portion Spanferkel mit Krautsalat für fünf Euro oder dem großen Tortenbuffet genießen. Der Start zum ersten Rennen erfolgt dann gegen 14 Uhr.

Etwas Besonderes hat sich der Rennverein für die Kinder ausgedacht: Beim Ponyreiten oder dem Toben auf einer gigantischen Hüpfburg ist der Spaß für die Kids garantiert. Für einen vergnügten Nachmittag steht zudem der große Karlshorster Spielebus – ein ausrangierter BVG-Doppeldecker, der zum Kinderparadies umfunktioniert wurde – zur Verfügung. Dort  können sich die Kleinen auch kostenlos schminken. Und für die Großen gelten am 1 Mai auf der gesamten Bahn ebenfalls zivile Preise. Das beginnt schon beim Eintritt, der nur zwei Euro pro Person bzw. fünf Euro für ein gesamtes Familienticket beträgt.

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Passauer Neue Presse (Ausgabe vom 25.4.2008)

                    Super-Mario: Seine Pferde haben einen Masseur

Nach seiner Profi-Karriere als Fußballer etabliert sich Ex-Bayern-Star Basler als erfolgreicher Rennstallbesitzer  -  20 Pferde stehen nahe Straubing

(H.Lingk)

MENGKOFEN.  Dass Mario Basler eines Tages in einem richtigen Sulky sitzen würde, hielt der ehemalige Bayern-Star selber eigentlich nie für möglich. Die Leidenschaft für schnelle Rennpferde hatte der 30-malige Fußball-Nationalspieler zwar schon vor etlicher Zeit von seinem Schwager und Manager Roger Wittmann geerbt. Doch bis zur ersten Trainingsstunde im Sulky war der Weg trotzdem weit. Roger Wittmann kann sich noch genau daran erinnern: „Ich wollte Mario davon überzeugen, bei einem Promirennen zugunsten von UNICEF anzutreten. Doch er hielt davon überhaupt nichts und sagte nur zu mir: Ich glaube, jetzt bist Du endgültig durchgedreht!“ 

Es kostete Wittmann einige Überredungsarbeit und vor allem das eine oder andere Bierchen, um seinen Schwager die erste Fahrt auf der schnellen Sandpiste schmackhaft zu machen. Doch als Mario Basler dann tatsächlich die Traberleine in die Hand nahm, war der Bann sofort gebrochen. „Es war ein absolut irres Gefühl und eine echte Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 39-jährige Fußballer, der aktuell als Co-Trainer von Uwe Rapolder beim TuS Koblenz tätig ist, im Rückblick. „Es ist ein totaler Genuss, wenn du die wahnsinnige Kraft und Energie der Traber spürst und sie dich im Höllentempo um die Bahn ziehen. Und vor allem die Bereitschaft und der Wille, der von den Rennpferden ausgeht, ist gewaltig. Das sind nicht nur irgendwelche Vierbeiner, sondern sie sind echte Leistungssportler!“ 

Seit knapp vier Jahren ist aus Baslers Hochachtung vor den Trabern weit mehr als nur das anfängliche Hobby geworden: Gemeinsam mit Roger Wittmann und dessen Lebensgefährtin Anke Huber, die neben Steffi Graf lange Zeit die zweite herausragende deutsche Tennisspielerin war, hat Basler 2004 den Rennstall Catch Glory gegründet. Das Gestüt am Reifberg – rund 20 Kilometer von Straubing entfernt im Aitrachtal gelegen – wurde von den etablierten Konkurrenten zunächst müde belächelt und als Promilaune abgetan. Doch das war eine krasse Fehleinschätzung. Denn vor allem im letzten Jahr hat der Rennstall Catch Glory großartige internationale Erfolge erzielt. Die Pferde des prominenten Besitzer-Trios liefen auf den europäischen Bahnen von Sieg zu Sieg: Über 300 000 Euro Preisgeld kamen alleine in der Saison 2007 für Baslers Rennstall zusammen.



Hinter diesem Erfolg steckt eine ausgeklügelte Struktur: Die Kraft und Kondition tanken die Catch-Glory-Traber zunächst auf der 1600 Meter langen Trainingsbahn und den vielen Waldwegen rund um den Rennstall. Dort werden die Pferde von Alfred Winzig – einem erfahrenen Mann, der schon viele Sulky-Klassiker gewann – und seinem Assistenten Fritz Häusler betreut. Doch das ist nur ein Teil des taktischen Systems, das vor allem von Roger Wittmann, dem strategischen Kopf des Rennstalls, entwickelt wurde. Für die jeweiligen Starts auf den internationalen Rennpisten vertraut der Spielerberater nämlich gemeinsam mit Basler, der die Fahrleine in den wichtigen Rennen natürlich nicht selber in die Hand nimmt, und Anke Huber nur auf die besten europäischen Sulky-Profis. 

Darunter sind viele Landesmeister: Angefangen vom französischen Weltrekordler Jean-Michel Bazire über den italienischen Derby-Sieger Enrico Bellei bis hin zum finnischen Europameister Jorma Kontio: Die Liste der Topfahrer, die im Sulky der Catch-Glory-Pferde sitzen, ist lang. Und natürlich sind die Gagen der weltbesten Profis nicht gerade gering. Für ihre zwanzig Traber leisten sich Basler, Huber und Wittmann ohnehin einen gewaltigen Aufwand: Der Rennstall beschäftigt extra einen eigenen Physiotherapeuten und die Transporter des Gestüts legen jährlich über 200 000 Kilometer zurück. Doch das Resultat dieser Bemühungen gibt Baslers Team Recht. Mit dem siebenjährigen Hengst Early Maker, der schon über 250 000 Euro Preisgeld erkämpfte, und seinem drei Jahre jüngeren Boxennachbarn Igor Font, der auf 180 000 Euro Gewinnsumme kommt, hat das Erfolgskonzept zwei internationale Vierbeiner-Stars geformt.

Insbesondere der Hengst Igor Font gilt als großer Hoffnungsträger. Der Braune bestritt bisher zwölf Starts, von denen er genau die Hälfte gewann. Seine junge Rennkarriere wurde im letzten Herbst mit dem dritten Platz beim italienischen Derby gekrönt. In dieser Saison werden vom Traber weitere Spitzenleistungen erwartet. Für das Jahresdebüt hat sich Igor Font allerdings eine Aufgabe ausgesucht, die nicht schwerer sein kann. Am kommenden Freitag, dem italienischen Nationalfeiertag, tritt der Hengst in Mailand gegen die besten internationalen Pferde im Gran Premio d’Europa um 300 000 Euro Prämie an. Mario Basler: „Wir rechnen nicht dem Sieg, denn unser Hengst musste das tägliche Training vor vier Wochen aufgrund einer fiebrigen Erkältung kurz unterbrechen. Es fehlt also noch Kondition.“ Doch dann schmunzelt der Fußballprofi: „Aber wer weiß, beim Pferderennen ist alles möglich. Und Igor Font ist hart im Nehmen, ein echter Ur-Bayer! Der steckt die Probleme ganz einfach weg.“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 19.3.2008)

                                Start in die Berliner Traber-Saison 

            Ostermontag zum Fritz-Brandt-Rennen nach Mariendorf

(H.Lingk) 

BERLIN.  Es ist quasi der Startschuss für die Berliner Traber-Saison: Ostermontag ab 13 Uhr wird auf der Sulkypiste am Mariendorfer Damm das Fritz-Brandt-Rennen entschieden. 

Der Sieg beim „Brandt“ gehört zu den begehrtesten Auszeichnungen, die ein Trabrennfahrer erringen kann. In den letzten Jahren stand der Klassiker ganz im Zeichen einer Berlinerin. Katharina Merz gewann als erste Frau das Rennen, das lange Zeit nur von Männern beherrscht wurde, gleich zwei Mal hintereinander. Die Bilanz der gebürtigen Köpenickerin ist imposant: Vier Mal war die Amazone bisher beim Brandt-Finale dabei und neben ihren beiden Siegen holte sich Katharina Merz jeweils einen zweiten und dritten Platz. 

Doch am Ostermontag wird es für die 33-Jährige, die für das wettende Publikum stets eine feste Bank ist, verdammt schwer. Denn auf ihre vierbeinigen Cracks wie Florino Elgin oder Metal Firecracker muss die Fahrerin mit der lockigen Struwwelpeter-Mähne verzichten. Mit dem Wallach Fierce Adulator steuert sie stattdessen nur einen Außenseiter. 

Zudem trifft Katharina Merz auf starke Konkurrenten. Dieses Prädikat gilt besonders für Sarah Kube. Die 23-jährige Amazone fährt ihren Gegnern auf den beiden Berliner Rennpisten in Mariendorf und Karlshorst schon seit Monaten auf und davon.



Dass die Tempelhoferin über ein goldrichtiges Händchen und ein genaues Gespür für die Pferde verfügt, ist nicht verwunderlich. Sarah Kube wuchs direkt neben der Mariendorfer Rennbahn auf. Das elterliche Zuhause steht nur wenige Meter von der Derbytribüne entfernt. Mit diesem Hintergrund ließ ihre Liebe zu den Trabern natürlich nicht lange auf sich warten. Schon im Vorschulalter kletterte Sarah Kube immer wieder heimlich über den Rennbahnzaun, um die Pferde zu streicheln.

Dass der Fahrerin, die man als Entdeckung der Saison bezeichnen darf, gleich auf Anhieb der große Treffer im Fritz-Brandt-Rennen gelingt, ist rein von der Papierform ihres Trabers her zwar nicht zu erwarten. Denn der Hengst mit dem Namen Agassi, auf den Sarah vertraut, ist eher ein Platz- als ein Siegpferd. Doch gerade mit Außenseitern hat die Tempelhoferin die Zuschauer immer wieder überrascht.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 9.1.2008)

                                            Titel zurückerobert

                  Daniel Wagner ist Berlins neuer Traber-Champion

(H.Lingk) 

BERLIN.  Die beiden letzten Renntage des Jahres in Mariendorf und Karlshorst hatten nur noch statischen Wert. Berlins neuer Sulky-Champion stand schon lange vor dem offiziellen Abschluss der Saison 2007 fest: Mit 76 Siegen auf den beiden Traber-Pisten holte sich Daniel Wagner den Titel, den er 2006 an den Trainer Heiner Christiansen verloren hatte, umgehend wieder zurück. 

Besonders in der zweiten Saisonhälfte war er von den Konkurrenten nicht zu bremsen. Dabei sah es für den Sportler anfangs gar nicht gut aus. Ihm drohte ein böser Karriereknick: Nachdem Wagner vor einiger Zeit die  Zusammenarbeit mit der prominenten Berliner Besitzerfamilie Freyer aufgekündigt hatte, standen seine Pferdeboxen monatelang leer und der 33-Jährige musste noch einmal ganz von vorn anfangen.



Doch gemeinsam mit seiner Frau Linda, die im Stall mitarbeitet, riss der Sulkyfahrer, der sein Handwerk bei der Mariendorfer Traber-Legende Gottlieb Jauß gelernt hatte, das Eisen aus dem Feuer. „Ohne meine Frau und meine Mitarbeiter hätte ich nie eine Chance auf den Titelgewinn gehabt“, sagt Wagner dankbar. Sein größter Stolz: der Hengst Xari Goal RS, mit dem er gemeinsam bereits 18 Siege erzielte. Erfolge, die sich auch finanziell gesehen überaus lohnen. Denn Ulrich Mommert, der Vorsitzende des Mariendorfer Rennvereins, überraschte die Sulkysportler am Jahresende mit einer freudigen Nachricht: Auf der traditionsreichen Derbybahn werden die Rennpreise dauerhaft erhöht.

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 3.1.2008)

                                       Mario, der Pferdeflüsterer 

Ex-Nationalkicker Mario Basler verdient mit seinem Hobby Trabrennsport auch noch Geld 

(H.Lingk) 

AITRACHTAL. Das nennt man wohl ein ungewöhnliches Mixed: Vor drei Jahren gründeten Mario Basler und Anke Huber den Rennstall Catch Glory. Die Leidenschaft für schnelle Traber teilten der Ex-Nationalkicker und die neben Steffi Graf zweite herausragende deutsche Tennisspielerin schon länger. 

Doch was zunächst als Freizeitvergnügen gedacht war, entwickelte sich unter der Regie von Baslers Schwager und Spielerberater Roger Wittmann, der aktuell unter anderem acht Kicker beim FC Schalke 04 unter Vertrag hat und gleichzeitig Lebensgefährte von Anke Huber ist, schnell zu einer Erfolgsgeschichte. Der Name wurde zum Motto: Alleine in dieser Saison haben die Traber des Rennstalls Catch Glory rund 350 000 Euro Prämie verdient.

„Es ein wahnsinniges Gefühl, ein Rennen zu fahren“, beschreibt Mario Basler die Freude, die er im Sulky empfindet. „Das Höllentempo auf der Sandpiste macht irre Spaß!“ Wobei die eigenen Starts für den 39-jährigen, der momentan als Assistent von Uwe Rapolder beim TuS Koblenz in der Zweiten Bundesliga das Trainerhandwerk lernt, eher die klare Ausnahme bleiben. Denn die Fahrten mit den Pferden überlässt Basler im Regelfall natürlich richtigen Sulkyprofis. Und das nicht nur auf den deutschen Bahnen: Die Traber des Stalls Catch Glory gehen mittlerweile regelmäßig in Italien und Frankreich an den Start.



Das besondere Augenmerk wird dabei auf die Vorbereitung gelegt. Die Voraussetzungen auf dem Gestüt sind dafür ideal: Am Reifberg – rund 20 Kilometer von Straubing entfernt im bayrischen Aitrachtal gelegen – genießen Baslers Traber optimale Trainingsbedingungen. Die nötige Kraft und die Kondition tanken die Vierbeiner zunächst auf der 1600 Meter langen Geraden und den vielen Waldwegen rund um den Rennstall. Dort werden die edlen Traber von Alfred Winzig – einem erfahrenen Profi, der schon viele Sulky-Klassiker gewann – und seinem Co-Trainer Fritz Häusler betreut. 

Doch das ist nur ein Teil des Erfolgskonzepts. Für die jeweiligen Starts auf den internationalen Rennpisten vertraut die Catch-Glory-Mannschaft nämlich nur auf die besten Fahrer. Im Regelfall sind das sogar die Landesmeister: Angefangen vom französischen Weltrekordler Jean-Michel Bazire über den italienischen Derby-Sieger Enrico Bellei bis hin zum finnischen Europameister Jorma Kontio saß in diesem Jahr jeder im Sulky der Basler-Pferde, der im Trabersport Rang und Namen hat. So etwas hat es in Deutschland, wo meist nur ein einziger Trainer das Pferd rundum betreut, noch nicht gegeben. 

Dieses neue System ist für Mario Basler und sein Team allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden: Für seine 20 Traber leistet er sich sogar einen eigenen Physiotherapeuten, und die Transporter des Gestüts legen jährlich über 200 000 Kilometer zurück. Doch die konsequente Planung zahlt sich aus und hat sogar einen richtigen Star produziert: den Hengst Early Maker. Über 250 000 Euro Rennprämie hat der bildhübsche Braune bisher für seine Besitzer verdient, und wenn Basler über ihn spricht, gerät er ins Schwärmen: „Early Maker hat einen einzigartigen Charakter. Er musste in seinem jungen Leben schon mehrmals Krankheiten und Verletzungen überstehen. Widrigkeiten, die für jedes andere Pferde sicherlich das Ende der Rennlaufbahn bedeutet hätten – doch der Hengst hat eine unglaubliche Moral und er ist jedes Mal sogar noch stärker zurückgekehrt.“

Diese mentale Kraft wird Early Maker nun erneut beweisen müssen. Denn unmittelbar nach seiner unerklärlich schwachen Leistung beim Gelsenkirchener Zirkel-Finale um 75 000 Euro wurde der Hengst zur gründlichen Untersuchung in die Tierklinik Domäne Karthaus in Dülmen gebracht. Der Chefarzt Dr. Victor Baltus: „Early Maker leidet an einem Karpaltunnel-Syndrom, einer Beeinträchtigung des vorderen Fußgelenks.“ Die Konsequenz: Es droht eine monatelange Rennpause. Doch der bittere Ausfall ist für das Catch-Glory-Team absolut zweitrangig. Anke Huber: „Der Hengst ist für uns ein richtiges Familienmitglied und nur dass er gesund wird, ist wichtig.“ Und Roger Wittmann ergänzt: „Jede schlechte Nachricht hat auch eine gute Seite: Jetzt ist Early Maker mal nicht auf den europäischen Rennpisten unterwegs, sondern endlich einmal wieder bei uns zuhause.“

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 26.7.2007)

             Wenn er den Sulky sieht, ist Sea Cove nicht zu bändigen 

    Der 21-jährige Hengst präsentiert sich noch einmal dem Publikum

(H.Lingk) 

BERLIN.  Sport, Spaß und Spannung: Ab Sonntag geht es auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf sieben Tage lang um das große Geld. 

Bei der Derbywoche (29. Juli bis 5. August) wird etwa eine Million Euro Prämie an die schnellsten Sulkygespanne verteilt. Doch ausgerechnet der größte Vierbeiner-Star des gesamten Meetings wird kein einziges Rennen laufen. Denn für den 21-jährigen Wunderhengst Sea Cove ist die Traberkarriere aus Altersgründen eigentlich schon lange beendet. 

Doch am Derby-Samstag (4. August) kehrt eines der besten Pferde aller Zeiten noch einmal in den Mariendorfer Winner-Circle zurück, um sich dem Publikum zu präsentieren. Über 2,3 Mio. Euro Preisgeld hat Sea Cove auf den europäischen Rennpisten verdient.



Ein Hengst mit einer unglaublichen Bilanz: Von seinen 111 Starts gewann der Braune für die Farben des Hamburger Rennstalls Cicero insgesamt 54 hoch dotierte Prüfungen. Auf der Bahn in Gelsenkirchen gab er bei seinen beiden überlegenen Erfolgen im Elite-Rennen in den Jahren 1992 und 1993 eindrucksvoll die Visitenkarte ab. In Berlin stürmte der Hengst 1994 im renommierten Matadoren-Klassiker als Sieger über die Ziellinie und machte im gleichen Jahr mit dem belgischen Sulkyprofi Jos Verbeeck die Sensation perfekt: Mit einer Wahnsinnstat gelang dem „Hexer“ Verbeeck der Sieg im Pariser Prix d’Amérique, dem wichtigsten Rennen der Welt. 

Diese Millionen-Prüfung war mit Sicherheit der verrückteste Traber-Krimi der gesamten Rennsportgeschichte und der Triumph in Paris formte den Fahrer und sein Pferd über Nacht zur Legende. Denn Jos Verbeeck hatte im Prix d’Amérique eine geradezu mörderische Taktik eingeschlagen, über die 40 000 Zuschauer vor Ort und ein Millionenpublikum an den TV-Schirmen ungläubig den Kopf schüttelten. 

Verbeeck tat genau das, was man nach den Regeln des Sulkysports unbedingt vermeiden muss: Der Belgier trieb seinen Hengst wie einen Hasen in der Leichtathletik weit vor den Konkurrenten über den Kurs. Doch was anfangs wie blanker Irrsinn erschien, entwickelte sich schlagartig zum Geniestreich. Denn Verbeeck hatte sein Pferd goldrichtig eingeschätzt. Als Sea Cove aus dem Schlussbogen heraus auf die Zielgerade stürmte, wurden die Beine des Trabers zwar mit jedem Schritt müder – doch sein eiserner Wille rettete ihn Zentimeter vor den Gegnern hauchdünn über die Linie. 

Dieses Kämpferherz besitzt der Wunderhengst auch heute noch und genau das macht dem Berliner Rennvereins-Chef Ulrich Mommert ein wenig Sorgen. Denn keiner kennt das Pferd besser als er. Auf seinem Gestüt im schleswig-holsteinischen Ort Brammerau kümmert sich der 66-Jährige zusammen mit seiner Frau Karin (43) seit langem um den Amérique-Sieger, der das rennbahnfreie Leben auf den Koppeln der noblen Anlage in vollen Zügen genießt. 

Doch wenn Sea Cove einen Sulky sieht, dann richtet sich sein muskulöser Körper auf und er spitzt die Ohren. Dann ist der Traber-Held nicht mehr zu bändigen. „Das wird nicht leicht mit seinem Auftritt bei der Derbywoche.“, schmunzelt der Rennvereins-Boss und erklärt: „Sea Cove hat soviel Temperament im Blut, dass wir die Piste besonders sichern müssen. Sonst springt er uns mitten zwischen die Zuschauer!“

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Berliner Woche (Ausgabe vom 11.7.2007)

                 Mariendorf: Start frei für das große Derby-Orakel

Am Sonntag findet die Generalprobe für Deutschlands wichtigstes Trabrennen statt

(H.Lingk) 

BERLIN.  Ja wo laufen sie denn??? Natürlich in Mariendorf: Die Trabrennbahn im Herzen Tempelhofs hat eine große Tradition. Seit dem Jahr 1913 werden dort Sulky-Wettkämpfe ausgetragen. Am Sonntag (Veranstaltungsbeginn 13.30 Uhr) steht auf dem Oval an der Kruckenbergstraße ein Ereignis im Mittelpunkt, das über eine noch längere Historie verfügt. 

Denn das hoch dotierte Buddenbrock-Rennen hat bereits einige Jahre zuvor Traber-Geschichte geschrieben. Bei der Erstaustragung dieses Klassikers im Jahr 1901 – damals noch auf der Rennpiste im Berliner Bezirk Westend – stürmte eine bildhübsche Pferdedame als Siegerin über die Ziellinie, die sich kurz darauf auch im Derby als unschlagbar erwies und von Sieg zu Sieg trabte: die Stute Emilia. Wilhelm Mössinger, der Besitzer dieses Wundergeschöpfs, hatte es mit der massenhaften Produktion eher wirkungsloser Abführpillen zu beträchtlichem Reichtum gebracht sein ganzes Kapital im Anschluss in die Pferdezucht gesteckt. Eine Investition, die sich als überaus gewinnbringend erwies.



Seit dieser Zeit ist das Buddenbrock-Rennen zu einem Markenzeichen geworden: Wer hier die Nase – oder besser die Pferdenüstern – vorne hat, besitzt auch im Derby, das am 5. August in Mariendorf ausgetragen wird, die allererste Chance. Drei Hengste melden in diesem Jahrgang besondere Ambitionen an: Die in Bayern trainierten Traber Titus B und Odessa Santana sowie ihr Gegenspieler Why Not As, der für die Farben der in Berlin geborenen Amazonen-Rekordlerin Marion Jauß läuft. Diese drei konnten bisher mächtig glänzen und standen deutlich über ihren Konkurrenten. Dass die Leistungskonstanz der Favoriten am Sonntag urplötzlich endet, ist kaum zu erwarten.

Auf der Rennpiste sollte also alles formgemäß ablaufen. Völlig überraschend und für alle Beteiligten unerwartet kam jedoch die Ankündigung, mit der Mariendorfs Rennvereinspräsident Ulrich Mommert (66) vor wenigen Tagen an die Öffentlichkeit ging: „Wir werden die Rennpreise in Mariendorf ab August drastisch erhöhen und damit dem Sport neue Impulse verleihen!“ Der nüchterne Hintergrund dieser außergewöhnlichen Maßnahme: In den vergangenen Monaten waren viele deutsche Sulkysportler ins europäische Ausland abgewandert, weil dort mit den Pferden viel mehr Geld zu verdienen ist. Traber-Boss Mommert will diese negative Tendenz nun mit geballter Energie und dem Einsatz privater finanzieller Mittel durchbrechen. Für die Berliner Sulkysportler ein geradezu märchenhafter Entschluss, denn die Rennpreise werden zukünftig mehr als verdoppelt.

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 21.3.2007)

                                   Immer, wenn es ernst wird ...

Der in Waltrop gezogene Wallach Glückauf ist stur - doch wenn er für kranke Kinder an den Start geht, siegt er

(H.Lingk)

BERLIN. Seit fünfzig Jahren dreht Peter Kwiet Tag für Tag seine Runden im Sulky um die Bahn. „Diese Traberleute sind doch völlig verrückt“, sagt er mit einem dicken Schmunzeln im Gesicht. „Sie fahren ihr ganzes Leben lang immer nur im Kreis herum.“ 

Ein mächtiges Understatement, denn der 67-Jährige kann eine großartige Karrierebilanz vorlegen: Kwiet war zwölf Mal Berliner Sulky-Champion. Bereits 1968 gewann er mit dem Hengst Manzanares sensationell das Derby. Insgesamt stehen fast 4 500 Siege in der Statistik des Routiniers, doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht. 

Hunderte von Trabern hat Peter Kwiet über die Jahrzehnte gerechnet trainiert – hochtalentierte Vierbeiner und Pferde mit geringem Können. Manche flogen schnell wie der Blitz über die Sandpiste und waren in ihrem Temperament kaum zu bändigen, andere gaben schon nach ein paar Metern auf. 

Seit drei Jahren steht ein Traber in Kwiets Stall, der zweifellos zu der erstgenannten Kategorie der Könner gehört: der Wallach Glückauf. Sein Name ist mittlerweile zum Motto geworden, denn im Rennen hat Glückauf bisher tatsächlich immer Glück. 45 Mal ging der Traber bisher an den Start und das mit beeindruckendem Erfolg: 22 Mal zeigte er den vierbeinigen Gegnern überlegen die Hufeisen und an Einsatzwillen und Leistungskonstanz ist der hübsche Braune ohnehin nicht zu überbieten.



Denn Glückauf lief nur ein einziges Mal – damals war er im Rennen von einem Gegner behindert worden – nicht ins Geld. Im Training ist er trotzdem ein Starrkopf, da kann auch Peter Kwiet nichts bewegen: „Wenn er nicht will, dann geht gar nichts.“ 

Doch immer wenn es ernst wird, dann will Glückauf – so als wüsste er, für wen er läuft. Denn Glückauf rennt nicht für die Konten seiner Besitzer, sondern er läuft für einen guten Zweck. Jeder Euro, den der Traber mit seinen Siegen und Platzierungen verdient, kommt der Berliner Kinderklinik St. Joseph zugute. Rund 15 000 Euro hat Glückauf, der zu Beginn seiner Rennkarriere die ersten drei Einsätze mit Heinz Wewering im Sulky bestritt und damals – noch auf der Sandpiste in Recklinghausen – bereits seine Klasse andeutete, für diese Institution schon verdient. 

Ein Umstand, der besonders seine Züchterin Ursula Messmann aus Waltrop stolz macht, auch wenn sie die Berliner Rennen nur aus der Ferne verfolgen kann. Denn dieses Geld hat geholfen, den zum Teil schwerkranken Kindern ein wenig Freude in den tristen Krankenhausalltag zu zaubern. 

Für die kleinen Patienten, die jede Zuwendung so nötig haben, wurde vor allem Spielzeug angeschafft. Außerdem wird das von Glückauf erkämpfte Preisgeld durch großzügige Spenden weiter aufgestockt. Um dies möglich zu machen, wurde das Projekt Stall Charity gegründet, die offizielle Besitzergemeinschaft von Glückauf. 

Rund 20 Personen gehören diesem Kreis an. Neben den TV-Moderatoren Günther Jauch und Johannes B. Kerner sind auch die Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth und Christian Ahlmann, der Europameister der Springreiter aus Marl, mit dabei. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

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Berliner Woche (Ausgabe vom 4.10.2006)

                                     EM-Krimi um Sulky-Königin

      Katharina Merz verpasst in Budapest nur knapp den Gesamtsieg

(H.Lingk)

BUDAPEST.  Sie hatte alles gegeben – doch zum Schluss stand sie mit leeren Händen da. Bei der Europameisterschaft der Trabrennfahrerinnen in Budapest verfehlte Mariendorfs Sulky-Championesse Katharina Merz den Gesamtsieg nur um Millimeter und belegte in der Endabrechnung den vierten Rang. Gegen ihre Konkurrentinnen aus 13 Nationen fehlten der 32-jährigen Berlinerin lächerliche vier Wertungspunkte zum totalen Triumph, der stattdessen an die Russin Julia Kashkovskaya ging. Den zweiten Platz holte sich die Tschechin Alena Cemusova vor der Österreicherin Gundula Bauer. 

Für Katharina Merz, die in der Saison 2005 mit 61 Siegen und 58 Platzierungen bei 145 Starts den besten Gesamtschnitt aller deutschen Trabrennfahrer abgeliefert hatte, nahm die Europameisterschaft in der ungarischen Hauptstadt einen geradezu tragischen Verlauf. Denn die in Köpenick aufgewachsene Sportlerin hatte in vier der insgesamt fünf Wertungsläufe, bei denen die jeweiligen Pferde den Amazonen nach dem Zufallsprinzip zugelost wurden, absolut überzeugt.. Obwohl ihre Traber von der Papierform her chancenlos waren, hatte Katharina Merz ihre vierbeinigen Schützlinge ausnahmslos auf vordere Ränge gesteuert und mit der Außenseiter-Stute Zür sogar sensationell den zweiten Wertungslauf der EM gewonnen.



Doch ausgerechnet die einzige wirkliche Favoritenfahrt wurde der Amazone zum Verhängnis! Mit der Stute Hanna übernahm die Berlinerin zwar sofort das Kommando und das Gespann stürmte mit souveräner Führung um die letzte Kurve. Doch als die Schwedin Linda Hoijer, die sich eigentlich schon mit der Niederlage abgefunden hatte, noch einmal einen halbherzigen Schlussangriff auf das führende Gespann unternahm, reagierte das Pferd der Mariendorfer Meisterin urplötzlich mit einem Fehler und wurde aufgrund der nach dem Regelwerk verbotenen Galoppade mit dem Sieg vor Augen disqualifiziert.

Katharina Merz: „Schade! Schon ein achter Platz in diesem Lauf hätte für den Gesamtsieg bei der EM gereicht. Mein Pferd hatte noch alle Reserven. So eine Chance kommt nicht wieder.“ Als moralische Siegerin darf sich die Berlinerin wohl trotzdem fühlen. Dies bescheinigt Irmgard Keller-Müller, die Vorsitzende des deutschen Amazonen-Verbandes Ladytrab. Die Journalistin aus Willich begleitet den Sulkysport seit langem und hat bereits die ersten internationalen Wettbewerbe der besten europäischen Sulkyfahrerinnen in den siebziger Jahren mitorganisiert. Sie sagt: „In der ganzen EM-Geschichte habe ich so einen Rennkrimi wie in Budapest noch nicht erlebt. Bis zum letzten Lauf lag das gesamte Teilnehmerfeld dicht beieinander. Katharina Merz hat den deutschen Sulkysport großartig verkauft!“

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Recklinghäuser Zeitung (Ausgabe vom 27.9.2006)

                                   Gespür für Pferde liegt im Blut

Katharina Merz ist die deutsche Hoffnung bei der Europameisterschaft in Budapest

(H.Lingk)

BUDAPEST.  Glanzlichter und positive Entwicklungen genießen im deutschen Trabersport aktuell einen absoluten Seltenheitswert. Die Bahnen dümpeln wirtschaftlich vor sich hin - nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit. Der Wettstreit der schnellen Pferde und der bunt gekleideten Sulkyfahrer ist für die Rennvereine kaum noch finanzierbar. Denn die Veranstaltungen leben vom Umsatz an ihren Totokassen – und dieser Geldfluss ist schmal geworden. Während bis Mitte der neunziger Jahre noch durchschnittlich 200 Millionen Euro pro Saison an den Wettkassen der Bahnen gesetzt wurden, waren es 2005 nur noch 65 Millionen.

Ein Desaster, das hausgemacht ist. Während der Trabrennsport in Ländern wie Frankreich, Schweden und Italien professionell vermarktet wird und seine wirtschaftliche Bedeutung parallel zum öffentlichen Interesse stetig wächst, ist er in Deutschland zum Betätigungsfeld ehrenamtlicher Hobbyfunktionäre degradiert. Außer gebetsmühlenartig wiederholten Lippenbekenntnissen für eine bessere Zukunft ist seit Jahren kaum etwas passiert. 

Ganz anders sieht es bei den rein sportlichen Leistungen aus. Ein krasser Gegensatz: Denn deutsche Traber werden von Tag zu Tag schneller und auf den Sandpisten überzeugen Sulkyfahrer wie Heinz Wewering – mit 16 015 Siegen im Sulky der erfolgreichste Rennfahrer der Welt – oder eine Rita Drees mit ihren unvergleichlichen taktischen Fähigkeiten dauerhaft. Auch in Berlin, der  Austragungsstätte des Traber-Derbys, sind viele erstklassige Fahrer dazugekommen.

Dies gilt vor allem für Katharina Merz. Den Sulkysport lernte die Amazone kurz nach der Wende kennen. Für die heute 32-Jährige war der Weg von der elterlichen Wohnung im östlichen Stadtteil Köpenick bis zur Trabrennbahn in Karlshorst räumlich gesehen nicht allzu weit. Trotzdem war zunächst eine Barriere zu überwinden. Denn die damalige Schülerin interessierte sich eigentlich nur das Reiten. „Doch als mich eine Freundin das erste Mal zur Rennbahn mitgenommen hatte und ich im Stall des Berliner Champions Manfred Zwiener diese ganz besondere Atmosphäre schnuppern konnte, war es sofort um mich geschehen“, blickt die Amazone zurück. Das entsprechende Pferd war schnell gefunden: der Wallach Markus, mit dem Katharina wenig später ihr erstes Rennen gewann.



Mittlerweile sind es 142 Erfolge geworden und seitdem die Berlinerin die Traber endgültig in ihren Lebensmittelpunkt gestellt hat, geht es immer zügiger voran. In der letzten Saison verblüffte Katharina Merz mit einem bundesweit einmaligen Schnitt: Bei 145 Starts gelangen ihr 61 Siege und 58 Platzierungen. Die überragende Qualität dieser sportlichen Leistung sicherte ihr zugleich die Teilnahmeberechtigung an der Amazonen-Europameisterschaft, die von Mittwoch bis Samstag auf der Trabrennbahn in Budapest ausgetragen wird. In den insgesamt fünf Wertungsläufen der EM tritt Katharina Merz gegen Konkurrentinnen aus 13 Nationen an. „Ich traue ihr die Überraschung zu“, sagt Heinz Wewering, der bei den Männern selber vier Mal Europameister werden konnte und begründet seine Einschätzung so: „Katharina hat das Gespür für die Pferde im Blut. Sie verfügt über eiserne Nerven und ist taktisch clever wie ein alter Fuchs.“

Die so Gelobte drückt sich zurückhaltender aus: „Die Sicherheit der Pferde und Fahrerinnen hat absoluten Vorrang – das stelle ich über meinen persönlichen Ehrgeiz.“ Mit dieser Haltung und Rücksichtnahme steht Katharina Merz stellvertretend für viele Frauen im Trabrennsport. Denn die große emotionale Bindung zum Pferd ist der entscheidende Punkt, den fast alle Amazonen als gemeinsamen Nenner haben. Katharina Merz ist dafür der beste Beweis. Viele Jahre nach dem gemeinsamen Sieg lebt ihr Wallach Markus, der längst seine Rennlaufbahn beendet hat, noch immer an seinem gewohnten Platz und wirdvon seiner Besitzerin geliebt wie am ersten Tag.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 21.5.2006)

                                  Nur im Sulky stimmt das Geld

(H.Lingk)

BERLIN.  Wenn der Mariendorfer Geschäftsführer Uwe Krop die rekordverdächtigen Umsatzzahlen mancher europäischen Rennbahnen studiert, kann er ein Seufzen kaum unterdrücken. „Das Produkt Trabrennsport ist gut, wir brauchen nur auf den weltweiten Markt zu schauen“, sagt der gebürtige Hamburger. Vor neun Monaten übernahm er die Aufgabe, die wirtschaftlich gefährdete Berliner Derbybahn zu sanieren. Das ist nicht einfach, denn die Kassen des Vereins sind leer. Um rund 300 000 Euro wurden die Kosten bei den Mitarbeitern gesenkt und viele Entlassungen ausgesprochen. Doch mit der übrig gebliebenen Rumpfmannschaft lässt sich ein effektives Marketing kaum noch betreiben, auch in dieser Saison sind in Mariendorf Verluste im sechsstelligen Bereich zu erwarten.



Das sportliche Programm in Mariendorf steht dazu in einem krassen Gegensatz: Es ist vollgepackt mit Höhepunkten. Der Zirkel für die fünf- und sechsjährigen Traber, ein mit 45 000 Euro dotiertes Rennen der Europa-Gruppe II, macht heute den Auftakt. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter: die Breeders Crown im Juni, die Europameisterschaft der Trabrennfahrer im Juli und die Derbywoche im August. Doch die zu gewinnenden immensen Preisgelder lassen sich nur über entsprechende Einnahmen an den Wettkassen finanzieren. In ihrem Kerngeschäft sind die deutschen Rennvereine aber mittlerweile Verlierer. Sie haben den Wandel im Wettverhalten ihrer eigenen Kundschaft zu spät begriffen. Trotz der bestehenden Rechtsunsicherheiten wird der Großteil der Umsätze über externe Sportwettenanbieter und Buchmacher gemacht – vor allem im Internet. Für die Rennvereine fallen dabei bestenfalls geringe Provisionen ab.

Die 26 Starter, die heute in den drei Vorläufen und dem Finale des Zirkelrennens antreten, wird dies kaum stören, denn es geht ihnen ums eigene Geld. Die Mariendorfer Zuschauer, denen ein zusätzlicher Jackpot in Höhe von 20 000 Euro winkt, werden sich vor allem an den klangvollen Namen der europäischen Spitzenfahrer orientieren. An einem Heinz Wewering etwa, der mit unglaublichen 15 934 Siegen im Sulky der erfolgreichste Trabrennfahrer der Welt ist.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 30.12.2005)

         Wagner und Merz beenden das Jahr als neue Sulky-Meister

(H.Lingk)

BERLIN.  Für Daniel Wagner ist „ein Jugendtraum wahr geworden“. Als neuer Berliner Meister der Sulkyprofis beendet er das Rennjahr heute auf der Trabrennbahn Karlshorst (Rennbeginn 18 Uhr). Der 31-Jährige übernimmt den Titel von Michael Hönemann, der zehn Mal Meister war und nun in Österreich und Tschechien mit wechselhaftem Erfolg antritt. Bei den Amateuren zog die Amazone Katharina Merz an Andre Pögel vorbei, dem nach vier Meisterschaften in Folge nur Rang zwei blieb.

Das Berliner Sulky-Championat gewann Wagner souverän, der Kampf um das Mariendorfer Bahnchampionat am Montag hingegen war dramatisch: Mit einem Vorteil von zwei Siegen setzte er sich knapp gegen den Routinier Peter Kwiet durch. Damit ist Wagner nicht nur in der Gesamtrechnung, sondern auch auf jeder der beiden Berliner Bahnen der beste Profi. „Wenn Kwiet in Mariendorf noch vorbeigezogen wäre, hätte ich das als echten Makel empfunden. Dann wäre meine Freude nur noch halb so groß“, sagt er.



Katharina Merz führte bei den Amateuren über die gesamte Saison deutlich. Ihre Siegquote von 42,7 Prozent ist bundesweit einmalig. Mit Metal Firecracker gewann sie das Fritz-Brandt-Rennen, den wichtigsten Berliner Amateurklassiker. Vor drei Wochen gelang ihr beim ersten Start mit der Stute Agella, die zwei Jahre lang kein einziges Rennen mehr gewonnen hatte, sofort ein Sieg. Heute treten die beiden erneut in Karlshorst an – als Mitfavorit.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 2.11.2005)

                                              Ein sicherer Tipp

Katharina Merz kämpft heute in Karlshorst um ihren 50. Saisonsieg im Sulky

(H. Lingk)

BERLIN.  Wenn die Konkurrenten sie im Rennen bemerken, ist es meistens schon zu spät. Denn die Amazone Katharina Merz hat eine ganz besondere taktische Fähigkeit entwickelt: Über fast die gesamte Distanz hält sich die 31-jährige Trabrennfahrerin mit ihren Pferden irgendwo im hinteren Feld versteckt. Doch wenn die Sulkygespanne aus der letzten Kurve heraus in hohem Tempo auf den Zielpfosten zurasen, hängt sie plötzlich wie ein Schatten an den Führenden. Während die meisten Fahrer wie von unsichtbaren Fäden gezogene Marionetten zu zappeln beginnen, um die restliche Kraft aus ihren Pferden zu holen, sitzt Katharina Merz fast regungslos im Sulky. Mit einer Leichtigkeit, die man sich nicht erklären kann, steuert sie ihre Pferde an den Gegnern vorbei zum Sieg.

An diese Szenerie hat sich das Publikum auf den Bahnen in Mariendorf und Karlshorst längst gewöhnt. Für die Traberfans ist es ein deutlicher Vorteil, denn eine Wette auf Katharina Merz ist fast immer ein sicherer Tipp. Und ein mathematisches Wunder: „Von drei Rennen gewinnt sie vier“, sagt der Mariendorfer Bahnsprecher Ralf Koscharé. Sein Kollege, Rennkommentator Murat Eryurt, ergänzt: „Was diese Frau anfasst, wird zu Gold.“ Mit 49 Siegen und 48 Platzierungen bei insgesamt 116 Starts war die Berlinerin in dieser Saison vom Schnitt her erfolgreicher als alle anderen deutschen Sulkyfahrer. Heute Abend (Veranstaltungsbeginn 18 Uhr) könnte sie auf der Trabrennbahn in Karlshorst mit den Hengsten Centovalli und Smart den 50. Saisonsieg erzielen.



Wenn Katharina Merz ihre eigene Leistung erklären soll, spricht sie nur von ihren Pferden: „Diese athletische Kraft und zugleich die unglaubliche Wärme und das Vertrauen, das sie dem Menschen entgegenbringen – das fasziniert mich.“

Ihr Vorbild ist die schwedische Sulkylegende Stig H. Johansson. „Stig lässt sogar im Prix d’Amerique, dem wichtigsten Rennen der Welt, die Peitsche stecken – weil er weiß, dass sein Pferd einfach alles gibt und weil er es nie quälen würde“, erzählt Katharina Merz. „Lieber fährt er in diesem Millionenrennen abgeschlagen als Letzter in den Stall zurück, als sein Pferd für eine Niederlage zu bestrafen.“ Das passiert allerdings selten, denn der Schwede hat schon über 6000 Siege erzielt. Diese Zahl wird Katharina Merz wohl nie erreichen. Aber die Fähigkeit, einen Traber einzig mit dem Gespür für die Situation zu motivieren, hat sie sich längst von ihrem Idol abgeschaut.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 9.8.2005)

                                         Internationale Klasse

                    Deutsch-holländischer Sieg beim Traberderby

(H.Lingk)

BERLIN.  Erst wurde Arnold Mollema nach seinem Derbytriumph mit Unforgettable am Sonntag auf der Trabrennbahn Mariendorf geehrt. Im Anschluss daran erläuterte er erst dem Bahnsprecher und dann nacheinander drei Sendern die Taktik, die zum Erfolg geführt hatte. Die 25 000 Zuschauer mussten schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass der Trabrenn-Profi Mollema aus den Niederlanden stammt. Denn Mollema fährt häufig Rennen in Berlin und nur auf dem Schriftzug seines Fahrerdresses und aufgrund des ganz leichten Akzentes bei seinen Siegerinterviews war zu erkennen, dass er kein Deutscher ist.

Dass Unforgettable gewann, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis exzellenter Zucht. Unforgettable stammt von dem Ausnahmetraber Diamond Way ab, der als Deckhengst auf dem Gestüt von Alwin Schockemöhle eingesetzt ist und für den zweimaligen Olympiasieger der Springreiter im Jahr 1985 selber das Derby gewann. Der edle Traber, der mittlerweile schon stolze 23 Jahre alt ist, führt seit über einer Dekade die Liste der erfolgreichsten heimischen Beschäler an. Seine Nachkommen gewannen bisher 195 Gruppe-Rennen und 40 Millionen Euro Prämie.



Das 110. Traber-Derby hat zwar ein niederländischer Fahrer gewonnen, aber es war zugleich ein Erfolg der deutschen Zucht, die international immer größeren Einfluss gewinnt. Eine fast schon aberwitzige Entwicklung. Denn während die deutschen Pferde in den vergangenen zwanzig Jahren immer besser und schneller wurden, ging der Stellenwert des Trabrennsports zusammen mit den Umsätzen an den Wettkassen durch die Passivität der Funktionäre und ihren Unwillen, die Veranstaltungen modern und zeitgemäß zu präsentieren, stetig zurück.

In Berlin konnte die Abwärtsspirale in dieser Saison gestoppt werden: Sowohl zu der Breeders Crown im Juni als auch zur Derbywoche kamen mehr Zuschauer, als im Vorjahr. Es gab keine Einbußen im Umsatz – doch die Vereinsleitung rund um den Präsidenten Ulrich Mommert muss zukünftig beweisen, dass diese Entwicklung weiter geht. Mommert will die Rennen verstärkt über eine Kooperation mit Sendern wie Premiere, der täglich von der Derbywoche berichtet hat, vermarkten und er will die Mariendorfer Bahn wieder attraktiver für das eigene Publikum gestalten.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 8.8.2005)

                                    Das Pferd seines Vertrauens

Arnold Mollema gewinnt mit Unforgettable vor 25 000 Zuschauern das Deutsche Traber-Derby auf der Rennbahn Mariendorf

BERLIN.  Wenn ein Pferd urplötzlich zum Raubtier mutiert… „Unforgettable hat gekämpft wie ein Löwe“, strahlte Arnold Mollema nach dem Rennen. Wer sich derart ins Zeug legt, bekommt seinen verdienten Lohn. Und so gewann der 56-jährige Mollema mit seinem Hengst Unforgettable gestern auf der Mariendorfer Bahn das Deutsche Traber-Derby. Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Schließlich galt Unfortgettable als Favorit. „Ich habe meinem Pferd voll und ganz vertraut. Und als im Rennen kurz vor Schluss die Angriffe kamen, habe ich ihm zugeflüstert: ,Bitte, bitte, lass keinen vorbei’“, scherzte der glückliche Sieger.

Es war ein recht spannender Rennverlauf. Vom günstigen Startplatz drei aus hatte der niederländische Trainer Mollema seinen Hengst sofort an die Spitze dirigiert. Eine Position, die in solch einem Klassiker den stetigen Druck der angreifenden Gegner garantiert, die zugleich aber auch eine gewisse Sicherheit bietet. „An der Spitze läuft man kaum Gefahr, durch mögliche Stürze im Rennen behindert zu werden“, erläuterte Mollema seine Taktik, „und wenn man in diese Position gelangen kann, dann hat man sowieso keine Wahl und muss sie einfach nehmen.“ Unforgettable streckte sich willig, und neben Mollemas Pferd ging der Mitfavorit Ufo Kievitshof mit dem Fahrer Hugo Langeweg, ebenfalls aus den Niederlanden, in die äußere Angriffsspur. Dahinter lag der Hengst Gustav Diamant mit seinem Münchner Trainer Gerhard Biendl auf der Lauer.

Über einen Kilometer lang blieb die Situation ruhig, doch in der letzten Kurve machte Langeweg im Sulky von Ufo Kievitshof entschlossen Druck. Fast schien es, als würde er an Mollemas Hengst vorbeiziehen können, doch mit dem Einbiegen auf die Zielgerade konnte sich Unforgettable wieder für einen Moment lösen. Aber auch der Angreifer bäumte sich noch einmal auf. Doch Unforgettable, der Favorit, gab die halbe Länge Vorsprung, die er sich erkämpft hatte, einfach nicht mehr her. In der Kilometerzeit von 1:14,4 Minuten blieb Unforgettable, dessen Vater Diamond Way ebenfalls schon mal das Derby gewonnen hatte, letztlich sicher vor Ufo Kievitshof. Dahinter kam Gustav Diamant auf den dritten Platz.



Peter Heitmann, der in seiner Karriere zwei Mal das Traber-Derby gewonnen hat und natürlich auch gestern bei der 110. Auflage des wichtigsten deutschen Trabrennens an den Start ging, schwelgte vorher noch in Erinnerungen. „1978 habe ich mit der legendären Stute Ada triumphiert, und damals goss es derart in Strömen, dass ich, an der Spitze liegend, um die Pfützen herumfahren musste, sonst wären wir im Schlamm versunken.“ Die letzten 25 Jahre war der Wettergott stets auf der Seite der Trabrennfahrer. Sonnenschein und Hitze waren beim Derby üblich. Und die Sorge, dass es einmal anders sein könnte, war für die Funktionäre vom Rennverein eine Horrorvorstellung. Nach seinen Erwartungen zu den lebenswichtigen Umsätzen an den Totokassen befragt, sagte der Präsident Ulrich Mommert unmittelbar vor Beginn der Derby-Woche: „Schlechtes Wetter wäre für uns der GAU.“

Seit gestern ist der Präsident um eine Erfahrung reicher: Das Wetter spielte an keinem Tag der Derby-Woche richtig mit. Dennoch feierten 25 000 Zuschauer den Sieger im 110. Deutschen Traber-Derby begeistert. Und sie ließen sich auch vom Wetten nicht abbringen: Mit 2,2 Millionen Euro Gesamtumsatz gab es auch an den anderen Tagen des Meetings keinen Einbruch an den Totokassen.

Beim Derby selbst sorgte allein schon die internationale Klasse der zehn Finalisten, die zu dem mit insgesamt 430 581 Euro dotierten Klassiker antraten, für Schlangen an den Wettschaltern. Genau die Hälfte der Sulkygespanne kämpfte für niederländische Farben, und neben Weltmeister Heinz Wewering, der mit der Stute Playgirl November Vierter wurde und zusammen mit dem zweiten Platz aus dem Vorlauf rund 30 000 Euro Preisgeld einstrich, waren die besten Gestüte des Republik vertreten.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 7.8.2005)

                             Lust und Last der Favoriten

Mancher wird hoch gewettet und fällt umso tiefer – auch im Stuten-Derby gab es gestern eine große Überraschung

(H.Lingk)

BERLIN.  Arnold Mollema ist jetzt 56 Jahre alt, aber seine Angriffslust hat er im Lauf der Jahre nicht verloren. Im Sulky pflegt der Profi aus dem niederländischen Städtchen Wolvega unverändert seinen überaus offensiven Fahrstil. Er setzt sich mit seinem jeweiligen Pferd gerne sofort an die Spitze, um seinen Gegnern Tempo und Taktik aufzuzwingen.

Das geht natürlich nur, wenn sich die Pferde in der entsprechenden Form befinden. Die stimmt aber fast immer, schließlich ist Mollema auch ein erfahrener Trainer. In den entscheidenden Wochen vor dem 110. Deutschen Traber-Derby, das heute (13 Uhr) in Mariendorf stattfindet, haben zwei Pferde aus seinem Rennstall die Generalproben für den Klassiker beherrscht: die Hengste Unforgettable und Uncle Joe's Jet.

Und bei ihren Siegen hätten die Pferde nicht mal komplettes Können demonstriert, sagt Mollema. In Topform sollen die Pferde erst heute sein. „Es ist wie beim Sex“, sagt Mollema und lacht. „Alles, was wir bisher sahen, war nur das Vorspiel: Zum Höhepunkt kommen wir erst jetzt.“ Doch trotz dieses Optimismus’ spürt der Sulkyfahrer auch den Druck, der in den fünf Vorläufen und dem Finale des wichtigsten deutschen Trabrennens, das mit 430 581 Euro dotiert ist, auf ihm und seinen Tieren lastet. „Ich bin froh, wenn alles vorbei ist", sagt der Routinier.



Denn Mollema weiß genau, dass beim Derby nicht immer das beste Pferd gewinnt und dass man auch viel Glück benötigt, um das Derby zu gewinnen. In der 110-jährigen Geschichte des Derbys gab es viele Sensationen, großartige Sieger und tragische Verlierer. Heinz Wewering, der sieben Mal das Derby gewann und heute in drei von fünf Vorläufen startet, kennt das sehr genau. Erst gestern passierte ihm ein Missgeschick. Der Sieg und damit 37 500 Euro Prämie in dem mit insgesamt 145 000 Euro dotierten Stutenderby ging nicht an die hohe Favoritin Primavera und ihren Trainer Wewering, sondern an die krasse Außenseiter-Stute St. Tropez mit Gerhard Biendl. Die wenigen Traberfans, die auf die dreijährige Gewinnerin gesetzt hatten, bekamen den 23-fachen Wetteinsatz zurück.

Heinz Wewering hatte mit Primavera noch überlegen den Vorlauf gewonnen und das zehnköpfige Teilnehmerfeld auch im Finale bis weit in den Einlauf hinein angeführt. Gerhard Biendl hatte St. Tropez bis zur Distanz unauffällig zwischen den Gegnern versteckt. Dann griff das Außenseitergespann an und bewies Stehvermögen. In der eher mäßigen Siegerzeit von 1:16,0 Minuten gewann St. Tropez sicher vor Primavera. Dritte wurde die Stute Uschi Rich mit dem Niederländer Hugo Langeweg im Sulky. Fair sprach Wewering nach dem Rennen von einer „reellen Niederlage“.

Andererseits sind Heinz Wewering in seiner langen Trabrenn-Karriere natürlich auch viele positive Überraschungen gelungen. 1983 zum Beispiel war sein Hengst Ifram der Topfavorit beim Traberderby. „Er war eine Klasse besser als alle anderen“, erzählt der zweimalige Weltmeister. Doch unmittelbar vor dem Start zum Derby lag Wewerings Spitzenpferd krank in seiner Stallbox. Es hatte eine fiebrige Infektion, die Siegträume waren geplatzt. Heinz Wewering behielt die Nerven und gewann das Derby mit seinem zweiten Hengst, Volo Pride, den er eigentlich nur als Reserve mitgenommen hatte.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 6.8.2005)

                            Lieber heute vorn als morgen Dritter

Heinz Wewering meldet Primavera für das Stutenderby am Samstag statt für das Traberderby am Sonntag

(H.Lingk)

BERLIN.  Die Organisatoren waren völlig überrascht. Als am vergangenen Dienstag die Startplätze für das Hauptereignis der Derby-Woche auf der Trabrennbahn Mariendorf ausgelost wurden, fehlte ein prominenter Name im Lostopf, der von Primavera. Heinz Wewering hatte die dreijährige Stute gar nicht für das Deutsche Traberderby am Sonntag (13 Uhr) gemeldet, sondern nur noch für das heute stattfindende Arthur-Knauer-Rennen (Beginn des Renntages ebenfalls um 13 Uhr). Ein Klassiker zwar, der mit einer satten Dotation verbunden ist: Insgesamt 145 000 Euro Preisgeld werden im Knauer-Rennen verteilt, das auch als Stutenderby bezeichnet wird. Nur der sportliche Wert ist eher gering, verglichen mit dem Hauptderby, bei dem am Sonntag auch Hengste und Wallache an den Start gehen.

Wenn Heinz Wewering bisher über die dreijährige Stute Primavera vom renommierten westfälischen Trabergestüt November sprach, dann schwärmte er stets von ihren Qualitäten. „Primavera ist absolut zuverlässig, das ist ihre Trumpfkarte“, sagte der zweimalige Weltmeister aus Castrop-Rauxel, der in seiner phänomenalen Karriere bisher 15 706 Mal als Sieger über die Ziellinie fuhr. Die Bilanz der nobel gezüchteten Stute scheint sein Urteil zu bestätigen: Primavera bestritt bisher zwölf Rennen, von denen die Braune genau die Hälfte gewann. Weitere vier Mal lief sie auf den zweiten Platz. Eine absolute Beständigkeit also, die nur durch einen einzigen, winzigen Ausfall geschmälert wird: Im Oktober letzten Jahres erlaubte sich Primavera ein paar verbotene Galoppsprünge und wurde disqualifiziert. Doch damals saß nicht der siegreichste Trabrennfahrer aller Zeiten, sondern sein Sohn Oliver im Sulky der prominenten Pferdedame.



Auf der Trabrennbahn Mariendorf hat Primavera Anfang Juli das Buddenbrock-Rennen gewonnen, eine der wichtigsten Vorprüfungen für das 110. Derby an diesem Sonntag. Doch bei der Generalprobe für das bedeutendste deutsche Trabrennen konnte sie nicht hundertprozentig überzeugen. Vor 14 Tagen trabte die Stute beim Großen Preis von Nordrhein-Westfalen nur auf den dritten Rang, ihre bisher schlechteste Platzierung. Trotz eines idealen Rennverlaufs konnte sie den vom Start weg führenden Hengst Unforgettable mit seinem holländischen Trainer Arnold Mollema zu keinem Zeitpunkt gefährden. Mit fast vier Längen Rückstand auf den Sieger fiel die Niederlage deutlich aus.

Dennoch wurde Primavera weiter als Mitfavoritin für das Derby am Sonntag gehandelt, das inklusive der Vorläufe mit 430 581 Euro dotiert ist. Nun bringt Wewering im Hauptderby aber Primaveras Boxennachbarin Playgirl November an den Start, ein Pferd, das eher schwächer einzustufen ist. Möglicherweise spürt Wewering, dass sein eigentlicher Star das 110. Derby nicht gewinnen kann. Dann wäre die Taktik auf den ersten Blick richtig, denn der Sieg im vermutlich leichteren Knauer-Rennen ist höher dotiert als ein hypothetischer dritter Platz im Hauptderby.

Nur Primavera selbst könnte Heinz Wewerings Poker noch platzen lassen: Denn für ein Pferd, dessen Formkurve kippt, gibt es eigentlich gar keine leichten Rennen.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 1.8.2005)

          Feldmarschall überrascht zum Auftakt der Derbywoche

(H.Lingk)

BERLIN. Vielleicht hat Thomas Panschow das Unglück mit einem Scherz eingeleitet. Als der Favorit für das Charlie-Mills-Memorial bei der Derbywoche auf der Trabrennbahn Mariendorf befragt wurde, welche Taktik ihm der bayerische Trainer Gerd Biendl empfohlen hat, sagte er: „Ich soll auf keinen Fall aus dem Sulky fallen.“ Das hat er später tatsächlich vermeiden können, dafür ereilte ihn ein anderes Schicksal. Als er mit Ustranas S’Jay in Führung lag, fiel sein Hengst 150 Meter vor dem Ziel verbotenerweise in den Galopp. Durch diesen Ausfall war der Weg für einen Außenseiter frei, den nur wenige Zuschauer auf der Rechnung hatten: den Hengst Feldmarschall.



In der vergangenen Saison hatte der Traber mit neun Siegen bei 13 Starts seine Klasse bewiesen. Doch in diesem Jahr lief für Feldmarschall und seinen holländischen Trainer Reinier Feelders nichts zusammen. Um so erleichterter strahlte der 41-jährige Feelders bei der Siegerehrung: „Ich war schon ernsthaft ins Grübeln gekommen.“ Zweiter wurde der Straubinger Helmut Biendl mit dem Wallach Seppi vor April Perfect mit Michael Schmid im Sulky. Bei der Siegerehrung sagte der aus München angereiste Charles Mills, Enkel des 11-fachen Derbysiegers Charlie Mills: „Ich verstehe nicht so viel vom Rennsport, deswegen hat mich der Triumph des Außenseiters doch sehr überrascht.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 31.7.2005)

                       Die eigenartigen Methoden des Charlie Mills

Die Eröffnung der Derbywoche heute in Mariendorf findet wieder zu Ehren des legendären Trabertrainers statt - mit namhafter Besetzung

(H.Lingk)

BERLIN.  Irgendwann fing der Trabertrainer Charlie Mills, geboren 1888, mal damit an, seine Pferde schon zwei Stunden vor dem eigentlichen Rennen in einem Höllentempo um die Bahn zu jagen. Von den Konkurrenten wurde er dafür ausgelacht. In den Augen seiner Berufskollegen war dieser Kraftakt, den Charlie Mills als Heat-Fahren bezeichnete, dem Erfolg eher hinderlich, galt es doch, alle Reserven der edlen Pferde bis zum entscheidenden Moment in der Zielgeraden aufzusparen.

Dem irischstämmigen Mills, der im Kreis seiner 13 Geschwister unmittelbar am Rande der Hamburger Trabrennbahn aufgewachsen ist und mit 19 Jahren schon deutscher Sulky-Champion war, hatte man eigentlich ein bisschen mehr Fachverstand zugetraut. Doch die anfangs so argwöhnisch betrachteten Methoden wurden zum Erfolgsrezept: Mills’ Pferde begannen, von Sieg zu Sieg zu rennen. Als Charlie Mills 1972 starb, war er längst Legende und hatte drei Mal im Prix d’Amerique sowie neun Mal im Derby triumphiert. Mit seinen eigenwilligen Ideen hatte er den Trabrennsport revolutioniert.

In seinen späten Jahren, als Charlie Mills nicht mehr selber in den Sulky stieg, aber natürlich als Gast alle großen Renntage in Berlin besuchte, wurde ihm von den Fans der Spitzname „Sepp Herberger des Trabrennsports“ verpasst. Dass die Derbywoche auf der Trabrennbahn Mariendorf alljährlich mit dem Charlie-Mills-Memorial beginnt, ist daher kein Zufall. Der mit 20 000 Euro dotierte Klassiker würdigt nicht nur seinen Namensgeber, sondern er besitzt hohen sportlichen Wert. Denn während beim Derbyfinale am 7. August nur die dreijährigen Traber startberechtigt sind, messen im Charlie-Mills-Memorial an diesem Sonntag (Beginn des Renntages um 13 Uhr) die älteren und international erprobten Vierbeiner ihre Schnelligkeit.



Hinter diesen Spitzenpferden nehmen zudem Profis im Sulky Platz, die ob ihrer Klasse vielfach als die Enkel von Charlie Mills angesehen werden. Helmut Biendl etwa, aus dem bayrischen Salching, kommt auf 6600 Erfolge im Sulky und wird den Wallach Seppi steuern, der schon 20 Rennen gewonnen hat. Sein Konkurrent Heinz Wewering fuhr bisher 15 700 Mal als Sieger über die Ziellinie und ist damit der erfolgreichste Trabrennfahrer der Welt. Und Thomas Panschow, der mit dem Favoriten, dem Hengst Ustranas S’Jay, startet, hat sich auf europäischer Ebene viele Achtungserfolge erkämpft. Diese Ausnahmesportler werden - begleitet von der Mariendorfer Amazone Katharina Merz - die Derbywoche an diesem Sonntag (13 Uhr) offiziell mit dem Durchschneiden des Blauen Bandes eröffnen. Katharina Merz selbst tritt dann mit ihrem Wallach Florino Elgin beim zweiten Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung an: In den beiden Vorläufen des Derby-Amateurpokals qualifizieren sich die fünf Besten für das mit 10 000 Euro dotierte Finale, das am kommenden Donnerstag ausgetragen wird.

Insgesamt umfasst die bis zum 7. August dauernde Derbywoche fünf Renntage. Das ausgeschüttete Preisgeld beträgt rund 900 000 Euro. Das Meeting finanziert sich neben der Unterstützung durch Sponsoren hauptsächlich über den Umsatz an den Wettkassen. Ulrich Mommert, der Vorsitzende des Mariendorfer Rennvereins, sagt: „Der Erfolg hängt von vielerlei Faktoren ab, und ich wage keine Prognose darüber, ob wir die 2,2 Millionen Umsatz des Meetings von 2004 diesmal wieder erreichen.“

Der 63-jährige Unternehmer aus der Autozuliefererbranche, der selber rund 100 Pferde besitzt, findet es besonders erfreulich, dass der Sender Premiere Win die Mariendorfer Derbywoche live überträgt: „Sie ist nun mal der absolute Höhepunkt jeder Saison.“

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Tagesspiegel (Auagabe vom 12.7.2005)

                                   Verbeugung vor den Pferden

Beim Ladies Gold Cup der Trabrennfahrerinnen in Mariendorf zeigt sich, was Frauen anders machen als ihre männlichen Konkurrenten

(H.Lingk)

BERLIN.  Als alles entschieden war, sagte Karin Walter-Mommert erleichtert: „Alle Pferde sind gesund in den Stall zurückgekehrt, nur das ist wichtig.“ Beim Ladies Gold Cup in Mariendorf hatte die Europameisterin von 1999 aus Berlin bis zum vierten Wertungslauf Hoffnung auf den Gesamtsieg. Doch im entscheidenden letzten Rennen um die deutsche Meisterschaft der Sulky-Fahrerinnen musste die Berlinerin den formschwachen Wallach Chorus Line steuern. Der Braune mühte sich zwar, aber schon weit vor dem Ziel fiel der Traber entscheidend zurück. Seine Fahrerin belegte schließlich nur Rang drei in der Gesamtwertung, aber sie nahm es gelassen. „Ich denke, die Frauen haben dem Publikum tollen Sport geboten.“

Der Satz steht als Symbol: Wenn Frauen im Sulky siegen, genießen sie natürlich den Erfolg. Aber sie achten zugleich auf Feinheiten, die Männer oft verdrängen – sie respektieren vor allem das eigene Pferd. Rita Drees aus Kaarst ist die erfolgreichste Frau der Welt im Sulky. Beim Ladies Gold Cup landete sie ausnahmsweise nur im Mittelfeld. Doch das schmälert nicht ihre Leistung. 2116 Rennen und 3,6 Millionen Euro Preisgeld hat Rita Drees bisher gewonnen. Aber sie bleibt dabei lieber im Hintergrund. Ihre Motivation? „Die Faszination der Pferde.“

46 Pferde gingen beim Ladies Gold Cup an den Start, und eine Iranerin führte im Sulky die beiden besten. Afsoon Amirfallah (32) lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland und verfügt ebenso wie Rita Drees über eine makellose Bilanz. Mit dem Hengst Koko Lobell und der Stute Medianoche gewann sie zwei der vier Wertungsläufe und holte sich damit den Gesamtsieg in der Meisterschaft. Aber als sie im Mariendorfer Winner-Circle geehrt wurde, lobte sie überraschend nicht zuerst diese beiden exzellenten Traber, sondern ein ganz anderes Pferd: die Stute Royal Fabienne, mit der sie im dritten Wertungslauf nur Fünfte geworden war. Afsoon Amirfallah: „Sie ist und bleibt mein Liebling.“



Dass sie in Berlin gute Auftritte haben würde, wusste die Iranerin: „Das Publikum ist hier viel emotionaler als auf allen anderen Bahnen.“ So etwas kommt ihr entgegen, das steigerte ihre Motivation. Der Applaus der Mariendorfer Zuschauer galt aber ebenso dem Mann, der die Iranerin begleitete. Heinz Wewering, der siebenmalige Derbysieger, war mit seiner Lebensgefährtin gekommen. Am Anfang ihrer Beziehung war die Liebe für die Karriere der Iranerin eher hinderlich. „Die Leute dachten, die kann doch gar nichts. Hinter dem Erfolg steckt doch nur der Wewering“, sagt sie.

Die Antwort gab sie mit ihren Siegen, 331 sind es bis jetzt. Und ihrem Lebensgefährten musste sie sowieso nichts beweisen. Der sagt: „Afsoon hat den gleichen Ehrgeiz wie ich.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 4.7.2005)

                                               Schnelle Stute

                  Primavera gewinnt das Buddenbrock-Rennen

(H.Lingk)

BERLIN.  Im Trabrennsport liegen zwischen Sieg und Niederlage manchmal nur Millimeter. Keiner kennt das besser als Heinz Wewering, der gestern vor 20 000 Zuschauern das 102. Buddenbrock-Rennen um 30 000 Euro mit der dreijährigen Stute Primavera gewann. „Man braucht immer ein wenig Glück, das stand wohl heute auf meiner Seite“, sagte der erfolgreichste Trabrennfahrer der Welt zu seinem achten Sieg in dem seit 1901 ausgetragenen Klassiker.

Doch es war weitaus mehr als nur Glück, was Wewering diesmal den Sieg bescherte. Hinter dem niederländischen Favoriten Arnold Mollema und seinem Hengst Unforgettable hatte Wewering sein Pferd geschickt an der Innenkante der Bahn gehalten. Erst ausgangs des letzten Bogens brachte er die Stute entscheidend auf Trab. Primavera, die zuvor die Hälfte ihrer Rennen gewonnen hatte, reagierte auf das Zeichen ihres Fahrers und streckte sich willig. Zentimeter um Zentimeter kämpfte sie sich an den Führenden heran. Doch erst mit dem allerletzten Schritt vor der Ziellinie hatte Primavera ihn tatsächlich erreicht. Die Rennkommission musste erst noch einen Blick auf das Zielfoto werfen, dann stand Wewering mit seinem Pferd als Sieger fest.



Für Primaveras Besitzer, Michael Schröer aus Meerbusch, war es bereits der dritte Erfolg im Buddenbrock-Rennen hintereinander. Sein Gestüt November scheint auch für das Traber-Derby am 7. August bestens gerüstet zu sein. Das unterstreicht auch die Kilometerzeit von 1:14,1 Minuten, mit der Primavera einen neuen Rekord in Mariendorf aufstellte. Doch der unterlegene Niederländer Arnold Mollema verfügt noch über ein weiteres starkes Pferd: den Hengst Uncle Joe's Jet. Für das Buddenbrock-Rennen besaß dieser Traber keine Nennung, doch beim Derby wird er an den Start gehen. Heinz Wewering sieht dem wichtigsten deutschen Trabrennen dennoch gelassen entgegen: „Auf Primavera werde mich auch dann verlassen können.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 3.7.2005)

                                          Trab aus Tradition

              Das 102. Mariendorfer Buddenbrock-Rennen startet

(H.Lingk)

BERLIN.  Wenn Peter Kwiet über das Buddenbrock-Rennen spricht, dann glänzen seine Augen. Heute wird das Rennen auf der Mariendorfer Trabrennbahn gestartet (Veranstaltungsbeginn 12.45 Uhr), bereits zum 102. Mal. Kwiet hat fast die Hälfte aller Buddenbrock-Rennen miterlebt. „Früher war alles noch ganz anders“, sagt der 65-Jährige. Zwölf Mal gewann er das Berliner Championat und gehört trotz seines Alters auch heute noch zu den absoluten Spitzenprofis im deutschen Trabrennsport. 4252 Rennen hat Kwiet, der außerdem Vizepräsident der Mariendorfer Bahn ist, in seiner fast 50-jährigen Sportlerlaufbahn bisher gewonnen. Der Sieg mit dem Hengst Meru im Buddenbrock-Rennen 1980 sowie der Derbysieg mit dem Stallgefährten Manzanares im Derby 1968 gehören zu seinen schönsten Erinnerungen. „Damals waren die Pferde kaum im Trab zu halten, und die Trainer mussten monatelang am Hufbeschlag tüfteln, bevor sie ihre Pferde um die Bahn bekamen“, sagt Peter Kwiet, „heute jedoch laufen die Pferde wie von selbst!“

Hinter diesen Worten verbirgt sich eine rasante Entwicklung der deutschen Pferdezucht: Noch bis in die Achtzigerjahre hinein hatten die großen Gestüte ausschließlich auf ihre eigenen Zuchthengste gesetzt und damit weltweit den Anschluss verpasst. Erst mit der Anhebung der Rennpreise in den Prüfungen für junge Traber wurde dies anders. Die Frühreife der Pferde wurde über Nacht zum bedeutendsten Faktor – die Eigenbrötlerei der Stallbesitzer wich einer international ausgerichteten Sichtweise. Nun wurden die besten US-amerikanischen Hengste für die eigene Zucht bevorzugt, französische und skandinavische Pferde kamen dazu. Das Niveau stieg enorm. Die beiden jüngsten Sieger im Buddenbrock-Rennen sind dafür der beste Beweis: Nelson November (2003) stammt vom französischen Prix-d’Amerique-Sieger Cocktail Jet ab. Der Stammbaum seines Nachfolgers Orso November (2004) führt auf den erfolgreichen amerikanischen Hengst Valley Victory zurück.



Um 30 000 Euro Preisgeld geht es heute in Mariendorf. Der Klassiker wird seiner Einstufung als Zuchtprüfung gerecht. Das Pferd, das nach 1900 Metern vor den anderen den Zielpfosten passiert, ist – das hat die Erfahrung aus den jüngsten Jahren gezeigt – der große Favorit für das Derby am 7. August. Da die Qualität der zehn antretenden Traber laut Meinung der Experten auf einem ähnlichen Level ist, könnten die Fahrer im Sulky heute der entscheidende Faktor sein. So zum Beispiel der erfahrene Heinz Wewering, der in der Vorwoche mit dem dritten Platz von den Weltmeisterschaften zurückkehrte und bisher in 15 667 Rennen siegte. Er steuert die Stute Primavera. Oder der Niederländer Arnold Mollema, der mit dem Hengst Unforgettable bereits das Adbell-Toddington-Rennen in Mariendorf gewann und damit als einziger die Möglichkeit hat, den Triumph in allen Jahrgangsprüfungen zu gewinnen.

Die Statistik steht auf Seiten des Niederländers Arnold Mollema, denn Hengste sind in der Siegerliste des Buddenbrocks viel häufiger zu finden als Stuten. Doch dagegen sprechen die Erfolge des Fahrers Heinz Wewering: Der Sulky-Profi aus Castrop-Rauxel gewann diesen Klassiker schon sieben Mal. Wewering sagt: „Primavera ist fein in Form – vielleicht können wir den Bock umstoßen.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 25.6.2005)

                                    Große Traber und großes Geld

                    In Karlshorst findet ein besonderer Renntag statt

(H.Lingk)

BERLIN.  Das Geld im Trabrennsport ist knapp geworden. Seit Jahren kämpfen die Veranstalter mit sinkenden Umsätzen, weil die Rennpreise über Wettgewinne finanziert werden müssen. Und die sind rückläufig. So sehr, dass die Gestüte immer weniger Traber züchten. Während sich früher mindestens zehn Sulkygespanne hinter den Startwagen drängelten, sind es heute nur noch sieben oder acht.

In Karlshorst ist das nicht anders. Noch Mitte der neunziger Jahre war das Preisgeld dort üppig, nun kämpfen die Fahrer pro Rennen in der Regel gerade mal um 500 Euro Siegprämie. Um so erstaunlicher ist, dass diese Negativtendenz heute (erster Start 14 Uhr) durchbrochen wird. Mit dem Zirkel der Fünf- und Sechsjährigen wird zum zweiten Mal seit 1997 ein Rennen der Gruppe II in der Wuhlheide entschieden. Es geht für die 21 konkurrierenden Gespanne um insgesamt 40 000 Euro. Es treten Fahrer an, die sonst kaum in Karlshorst starten würden. Wie etwa Thomas Panschow, der im Rahmenprogramm mit einem außergewöhnlichen Traber ins Rennen geht: Mit dem von Alwin Schockemöhle gezüchteten sechsjährigen Hengst Pablo As, der schon 588 951 Euro an Preisgeld verdient hat.



Dass Pablo As in Karlshorst läuft, erfreut Dimitrios Vergos, den Geschäftsführer des Pferdesportparks, natürlich. Er sieht sich nun in der Entscheidung, den hoch dotierten Renntag auszutragen, bestätigt: „Mit der Veranstaltung möchten wir ein Zeichen für Karlshorst setzen.“ Um die ausgeschütteten Prämien zu erwirtschaften, muss der Rennverein rund 135 000 Euro Wettumsatz erzielen – eine schwere Hypothek. Schließlich gibt es fast zeitgleich mit dem Rennen ja auch noch das Fußballspiel Deutschland gegen Brasilien. „Realistisch gesehen bin ich mit 100 000 Euro Wettumsatz zufrieden“, sagt Vergos. „Angst habe ich weniger vor dem Fußballmatch, das zeigen wir auf der Großleinwand. Sorge machen mir eher die angekündigten Gewitter.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 5.6.2005)

                                                Still und leise

                  Im Trabrennsport bleiben Frauen im Hintergrund

(H.Lingk)

BERLIN.  Zwei Jahre war der Traber Metal Firecracker alt, als seine Züchterin ihn Katharina Merz anvertraute. Als es dann ernst wurde und Metal Firecracker seine ersten Aufgaben bestritt, machte das Pferd seinem Namen schnell alle Ehre: Der Hengst glänzte auf allen Rennbahnen. Bisher lief der Traber 34 Mal als Sieger über die Ziellinie.

Mit dieser Bilanz gehört der aktuell beste Berliner Traber zu den außergewöhnlichen Pferden, die heute von 13 Uhr an beim Finale der Breeders Crown in Mariendorf an den Start gehen. Doch wenn das Startsignal für Metal Firecracker fällt, wird seine Betreuerin Katharina Merz ausnahmsweise nicht in seinem Sulky sitzen. Obwohl sie mit 40 Prozent über den besten Erfolgsschnitt aller Berliner Sulkyfahrer verfügt. Und obwohl Merz, die in ihrem Rennstall für 21 Traber die Verantwortung trägt, Metal Firecracker kennt wie kein anderer.



Katharina Merz will nicht erklären, warum sie im entscheidenden Moment die Fahrleine ihrem Kollegen Manfred Zwiener anvertraut. Stattdessen begnügt sie sich heute Nachmittag mit einem anderen Pferd und startet in einem Rennen, das geringer dotiert ist. Die Amazone ist es gewohnt, im entscheidenden Moment in die zweite Reihe zurückzutreten. In den 150 Jahren seiner bisherigen Geschichte war der Trabrennsport ein reiner Männersport. Dass es in Wahrheit hauptsächlich Frauen sind, die den Großteil der Arbeit verrichten, wird oft übersehen. So sind mehr als siebzig Prozent des Stallpersonals Frauen Dabei sind die Frauen im Sulky längst ebenbürtig.Doch nach außen hin schlagen sie ruhigere Töne an. Und sie achten bei ihren Pferden in viel emotionalerer Weise auf Facetten, die den Männern oft verborgen bleiben.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 4.6.2005)

                                    Selbstsicher nach Mariendorf

                         Traben: Wewering kommt mit Primavera

(H.Lingk)

BERLIN.  Nervosität kennt Heinz Wewering nicht. „Man weiß nie, wie sich ein Rennen entwickelt“, sagt der Mann mit dem Goldhelm, „aber wenn ich mit einem hoch eingeschätzten Pferd antrete, dann erzeugt das keinen nervlichen Druck, sondern es flößt mir Vertrauen ein.“ Mit dieser Einstellung hat es Wewering mit 15652 Siegen zum erfolgreichsten Trabrennfahrer der Welt gebracht. Vor dem Adbell-Toddington-Rennen heute Nachmittag sollte der 55-Jährige aus Castrop-Rauxel eine Menge Vertrauen haben. Schließlich tritt der zweimalige Weltmeister mit der Stute Primavera in Mariendorf an, die in der vergangenen Saison eine der Besten in ihrem Jahrgang war.



Das seit 1922 ausgetragene Adbell- Toddington-Rennen ist die erste große Etappe auf dem Weg zum Deutschen Traberderby im August. Wewering konnte dieses Rennen bereits acht Mal gewinnen, im Anschluss fuhr er vier Mal im Derby als Erster über die Ziellinie. Das Adbell-Toddington-Rennen besitzt also eine gewisse Aussagekraft, und der Rekordmeister glaubt: „Primavera verfügt über viel Klasse, und ich erwarte sie weit vorne.“ Doch Heinz Wewering hat starke Gegner – vor allem die Konkurrenz aus den Niederlanden ist mächtig. Arnold Mollema etwa, einer der erfolgreichsten europäischen Trainer, der mit dem Hengst Unforgettable antritt, oder Peter Strooper, der diesmal Unico Limburgia ins Rennen schickt. Dem 38-Jährigen aus dem kleinen holländischen Küstenstädtchen Callantsoog ist in der letzten Saison ein Überraschungscoup gelungen, als er mit dem schwierigen und vom Temperament her kaum zu bändigen Hengst Silver Star das Adbell-Toddington-Rennen sogar beherrschte.

Erschwerend kommt für Heinz Wewering und Primavera hinzu, dass Hengste gewöhnlich ein wenig schneller als die weiblichen Artgenossen sind. Der letzte Erfolg einer Stute im Adbell-Toddington-Rennen liegt elf Jahre zurück. Kein Anlass allerdings für Pessimismus beim Favoriten – im Sulky saß damals Heinz Wewering.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 3.6.2005)

                          Der Traberadel trifft sich in Mariendorf

(H.Lingk)

BERLIN.  Stig H. Johansson gilt als schweigsamer Mann. Die Worte sprudeln nicht gerade aus ihm heraus, als er sagt: „Ich freue mich, nach langer Zeit wieder einmal nach Mariendorf zu kommen. Ich denke, ich bringe ein paar gute Pferde mit.“ Für diese Form des Understatements ist der schwedische Trabertrainer bekannt. Und für seinen Erfolg: Der 59 Jahre alte Profi ist einer der besten Sulkyfahrer überhaupt. In seiner Karriere hat Johansson mit Pferden wie der Stute Queen L den Prix d’Amerique in Paris gewonnen, das wichtigste Trabrennen der Welt. Genau 6103 Rennen und rund 100 Millionen Euro Preisgeld hat Johansson mit seinen Pferden bisher gewonnen. Wenn die schwedischen Fans ihn „Sir Henry“ nennen, so liegt es nicht nur an seinem Mittelnamen, sondern auch an diesen Zahlen.



Bei der Breeders Crown, dem dreitägigen Traberfestival, das heute (18 Uhr) in Mariendorf beginnt, trifft Johansson auf Gegner seines Rangs. Auf Heinz Wewering zum Beispiel, mit 15 652 Siegen der erfolgreichste Trabrennfahrer der Welt. Mit Ornellaia tritt der Schwede in dem mit 62 000 Euro dotierten Hauptlauf der vierjährigen Stuten gegen Wewerings Arthur-Knauer-Siegerin Opera November an. Am Sonntag geht Johansson mit der Stute Divina Sugar an den Start. Im anderen Lauf steuert der viermalige Prix-d’Amerique-Sieger Jos Verbeeck den Favoritenhengst Tschagga. Insgesamt werden an den drei Tagen 550 000 Euro Preisgeld verteilt. Nur am Samstag ist Stig H. Johansson nicht in Mariendorf dabei. Er muss noch ein paar Rennen in Schweden fahren.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 24.3.2005)

                                         Ein Pferd ohne Furcht

             Im Fritz-Brandt-Rennen ist Metal Firecracker Favorit

(H.Lingk)

BERLIN.  Ob es am Namen liegt? Wenn im Frühjahr die Saison für die Sulkyfahrer und ihre Pferde gerade erst so richtig beginnt, ist Katharina Merz immer schon in Höchstform. Vor einem Jahr gewann die Sportlerin zum ersten Mal das renommierte Fritz-Brandt-Rennen auf der Derbybahn in Mariendorf. In dieser Saison verläuft die Formkurve nicht anders. In der letzten Woche gewann die 30-Jährige gleich vier Rennen und war damit die dominierende Fahrerin auf beiden Berliner Bahnen. Wenn sich die Flügel des Mariendorfer Startwagens am Karfreitag (ab 13.30 Uhr) für die Vorläufe und das Finale des Fritz-Brandt-Rennens 2005 ausklappen, darf Katharina Merz also optimistisch in die Prüfung gehen. So gibt sie sich auch: „Wir fürchten keinen Gegner!“



Das Fritz-Brandt-Rennen ist das wichtigste Ereignis im Traber-Amateursport der Hauptstadt und mit insgesamt 23 000 Euro dotiert. 32 Sulkygespanne kämpfen in den fünf Vorläufen um den Einzug in das Finale. Die besten Zwölf treten dann erneut gegeneinander an. Ein Klassiker mit einer ungeheuren Tradition: Seit 1933 wird diese Prüfung immer an Ostern ausgetragen.

Wenn es auch in diesem Jahr mit einem Sieg klappt, hat Katharina Merz das nicht zuletzt ihrem Lebensgefährten zu verdanken. Seit neun Jahren ist Katharina Merz mit Daniel Dähn zusammen. Der Sulkyprofi bereitet die Pferde auf dem Gestüt in Schöneiche am Rand der Hauptstadt auf die Rennen vor und unterstützt Merz mit all seinen Möglichkeiten. „Ich ordne meinen eigenen Erfolg dem ihrigen unter“, sagt er. Deswegen vertraut er ihr für das große Rennen am Karfreitag eines seiner besten Pferde an: den Hengst Metal Firecracker, der in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Wenn Daniel Dähn über den sechsjährigen Hengst spricht, beginnen seine Augen zu glänzen. „Er ist ein Killer“, sagt Dähn – und meint es bewundernd. „Dieses Pferd wird von Tag zu Tag stärker.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 2.3.2005)

                                Der Präsident kauft Mariendorf

                      Traber-Chef Mommert erwirbt die Rennbahn

(H.Lingk)

BERLIN. Es war die schwerste Entscheidung in der Geschichte des Mariendorfer Trabrennvereins – und dennoch hatte sich am Montag nur etwas mehr als die Hälfte aller Mitglieder zu der außerordentlichen Versammlung in der ehemaligen Klubetage im fünften Obergeschoss des Tribünenhauses eingefunden. Abgestimmt wurde über den endgültigen Verkauf des Geländes, auf dem seit dem 9. April 1913 Trabrennen veranstaltet werden. Dieses Votum fiel deutlich aus: Mit 38 zu 19 Stimmen wurde das einzige vorliegende Kaufangebot akzeptiert. Der Vereinsvorsitzende Ulrich Mommert selbst hatte diese Summe über seine neu gegründete Mariendorfer Trabrennen GmbH avisiert. „Damit möchte ich den Rennbetrieb langfristig absichern“, sagte der Unternehmer. Für eine jährliche Pacht von 200 000 Euro plus Mehrwertsteuer erhält der von ihm geleitete Verein zugleich das Recht, das Gelände bis Ende 2015 zu nutzen.



Für das knapp 19 Hektar große Restgelände erhält der Trabrennverein vier Millionen Euro, von denen 1,5 Millionen sofort und 2,5 Millionen in halbjährlichen Raten á 500 000 Euro fällig sind. Zugleich sind kurzfristig aufgelaufene Verbindlichkeiten in Höhe von rund einer Million abzulösen. Ulrich Mommert hatte dieses Geld als Privatkredit zur Zwischenfinanzierung vorgestreckt. Das finanzielle Polster, das sich für den Rennverein aus dem Verkauf ergibt, ist also sehr dünn. Dass der 63-jährige Mommert womöglich andere Interessen verfolgt und das Rennbahngelände eines Tages für eigene Bauvorhaben nutzen könnte, bestreitet er vehement. Auf der Mitgliederversammlung betonte Mommert: „Solange ich lebe, wird dieser Fall nie eintreten!“

Auch der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band, schließt eine Änderung des Flächennutzungsplanes aus, der das Mariendorfer Gelände als Sport- und Grünzone festschreibt. Er betont aber auch, dass die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze zu seinen ehrgeizigsten Zielen gehört. Was geschieht also, wenn eines Tages ein potenzieller Großinvestor die Finger nach dem Filetstück im Berliner Süden ausstreckt? Angesichts der chronisch leeren Kassen des Mariendorfer Rennvereins ist es zweifelhaft, ob die zehnjährige Pachtoption überhaupt vollständig genutzt werden kann.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 28.2.2005)

                                               Letzte Runde

                 Mariendorfer Trab-Rennbahn wird heute verkauft

(H.Lingk)

BERLIN.  Heute Abend werden den Mitgliedern des Berliner Trabrennvereins die Verträge über den Verkauf des Bahngeländes zur Abstimmung vorgelegt. Vier Millionen Euro bietet Ulrich Mommert, der in seiner Eigenschaft als Vereinsvorsitzender zugleich der Anbieter und der potenzielle Käufer des knapp 19 Hektar großen Geländes ist, als Kaufpreis. Geht es nach seinem Willen, dann wird der Rennverein für eine jährliche Pacht von 200 000 Euro nur noch Mieter auf der ehemals eigenen Bahn in Mariendorf. Dieser Pachtvertrag soll bis Ende 2015 laufen. Nach eigener Aussage möchte Ulrich Mommert damit langfristig den Rennbetrieb gewährleisten.

Doch wie dieses Modell finanzierbar ist, das lässt der 63-jährige Unternehmer aus der Autozuliefererbranche komplett offen. Aktuell drücken den Rennverein bereits wieder Verbindlichkeiten in Höhe von einer Million Euro, die sofort vom Verkaufspreis abgezogen würden. Zudem sollen die Mariendorfer laut Pachtvertrag sämtliche Betriebs- und Nebenkosten für die Tribünenanlagen und die Pflege der Sandpiste tragen. Derzeit ergibt sich daraus ein Minus rund 800 000 Euro pro Saison. Zusammen mit der jeweils im Februar fälligen Pacht würde das Geld aus dem Verkauf der Rennbahn gerade einmal für die kommenden drei Jahre reichen. Und dies auch nur, wenn sich die Wett-Umsätze stabilisieren. Doch das Gegenteil ist der Fall – die Wettleidenschaft geht weiter zurück.



Anfang Dezember hatten die Vereinsmitglieder trotzdem mit denkbar knapper Mehrheit ihre grundsätzliche Bereitschaft zum Verkauf der Bahn signalisiert. Wenn sie heute Abend bei ihrem Votum bleiben, ist der Verkauf definitiv. Dass sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, ist nicht zu erwarten: Die härtesten Kritiker des eingeschlagenen Kurses – wie etwa Ulrich Mommerts Amtsvorgänger Klaus-Volker Stolle – sind mittlerweile aus dem Verein ausgetreten. Es gibt zwar weiterhin Opposition. So sagt Heinz Tell, der ehemalige Vorsitzende des deutschen Traber-Hauptverbandes: „Mit dem Gelände geben die Mariendorfer ihre Zukunft für einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes aus der Hand.“ Doch der Rennverein steht mit dem Rücken zur Wand. Wenn die Mitglieder die Unterschrift verweigern, müsste innerhalb weniger Tage sofort ein besseres Angebot gefunden werden.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 15.2.2005)

                                            Hönemann lässt los

Der Sulky-Champion löst seinen Berliner Rennstall auf und geht nach Tschechien

(H.Lingk)

BERLIN.  Michael Hönemann erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen. Wie er als 14-Jähriger während eines Schulausflugs zufällig die Rennbahn in Mariendorf entdeckte. Mit Pferden hatte der Junge bis dahin überhaupt nichts zu tun gehabt, „doch von dem Tag an ließ mich die Sandpiste nicht mehr los“, sagt Hönemann. Nun, mehr als 30 Jahre später, lässt er selbst los.

Heute verlässt der mehrfache Berliner Trabrennchampion Michael Hönemann seine geliebte Bahn und zieht mit allen Pferden in sein neues Trainingszentrum nach Lednice in Tschechien. „Mir blutet das Herz, aber ich hatte keine andere Wahl“, sagt der 45 Jahre alte Sulkyprofi. „Angesichts der sinkenden Dotationen in Deutschland wäre sonst mein gesamter Rennstall gefährdet gewesen.“



3854-mal fuhr der Mann im weißen Renndress bisher als Sieger über die Ziellinie und verdiente dabei 7,1 Millionen Euro Preisgeld. Doch die fetten Zeiten sind vorbei: Während die Rennen noch vor zehn Jahren durchschnittlich mit 5000 Mark dotiert waren, sind es jetzt gerade mal 1 000 Euro. Künftig wird Hönemann von seinem neuen, nur vier Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernten Hauptquartier hauptsächlich in Wien-Krieau und in Ebreichsdorf an den Start gehen. Auch die Bahnen in Österreich stecken in der Krise, aber das Preisgeld ist dort immer noch doppelt so hoch.

Bis zuletzt hat Hönemann versucht, diesen Schritt zu vermeiden. Doch
immer mehr Traberbesitzer verzichten aufgrund des Kostendrucks auf einen
professionellen Trainer und bereiten ihre Pferde für die Rennen selber
vor. Daher hatte der Sulkyfahrer immer weniger Traber in den Boxen. Von seinen Berliner Fans verabschiedete sich Michael Hönemann am Sonntag mit Stil: Bei insgesamt vier Starts in Mariendorf siegte er viermal. Und weil alle Prüfungen der Veranstaltung nach den Championatsträgern benannt waren, hieß auch der Sieger im „Michael-Hönemann-Rennen“ Michael Hönemann.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 28.1.2005)

                                       Eine ganz andere Liga

                Beim Prix d’Amerique trifft sich die Elite der Traber

(H.Lingk)

PARIS.  Am Sonntag schauen viele Pferdesportliebhaber nach Paris. Auf dem Hippodrom in Vincennes, am östlichen Rand der französischen Hauptstadt, wärmen sich die 18 besten Sulkygespanne für den mit einer Million Euro dotierten 84. Prix d’Amerique auf. Favorit bei dem Trabrennen ist der französische Hengst Jag de Bellouet. Insgesamt 87 Mal ging der achtjährige Hengst bisher an den Start und gewann dabei 2,37 Mio. Euro Preisgeld.

Nach zwölf Siegen hintereinander erscheint Jag de Bellouet unbezwingbar. Doch im letzten Jahr musste der Topfavorit einem Konkurrenten den Vortritt lassen, der am Sonntag nicht mit dabei ist: Abano As. Für den besten deutschen Traber kommt der Prix d’Amerique nach einer Verletzung zu früh. Der Hengst von Alwin Schockemöhle wird erst im späteren Saisonverlauf in den USA starten.





So wird nur die Mariendorfer Bruno-Cassirer-Siegerin Global Winner aus dem Rennstall von Marion Jauß als deutsches Pferd im Pariser Rahmenprogramm laufen. Aber das ist ja auch schon was, denn die Begeisterung der 40 000 Zuschauer auf der Tribüne in Vincennes und die hohen Wetteinsätze machen den Gegensatz zu dem wirtschaftlich vor sich hin dümpelnden deutschen Trabersport deutlich. So fließen allein 35 Millionen Euro im Prix d'Amerique durch die Pariser Totokassen.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 2.1.2005)

                                              Aus Angst gut

Berlins bester Trabrennfahrer Michael Hönemann hat eine einfache Motivation: die Furcht vor Niederlagen

(H.Lingk)

BERLIN.  Für den Erfolg motiviert sich jeder Sportler auf seine ganz persönliche Art. Das ist bei den Trabrennfahrern, deren Gewinnbilanzen immer einmal im Jahr am 31. Dezember abgerechnet werden, nicht anders. Heinz Wewering (54) aus Castrop-Rauxel etwa, der das Geschehen auf den bundesdeutschen Sandpisten seit 28 Jahren unangefochten und hochüberlegen beherrscht. Als Symbol trägt er dafür bei seinen Rennen einen goldfarbenen Sturzhelm.

Wewering entwickelt seine Motivation aus dem puren Glücksgefühl. „Ich freue mich bei jeder Siegerehrung riesig“, sagt der erfolgreichste Sulkyprofi der Welt, der in seiner Karriere bisher exakt 15 517-mal als Erster über die Ziellinie fuhr. „Ganz egal, ob es nur ein kleines Alltagsrennen ist oder das Derby. Denn Siege machen mich einfach total süchtig.“

Bei dem Mariendorfer Trainer Michael Hönemann stellt sich die Ausgangslage genau anders herum dar. Natürlich hat auch der 45-Jährige nichts gegen das Triumphgefühl einzuwenden, das ein Fahrer im Sulky empfindet, wenn in seinem Blickwinkel nur noch der Zielpfosten liegt und sich sämtliche Gegner abgeschlagen hinter ihm befinden. Doch das ist nicht der Hauptgrund, warum Hönemann gerne gewinnt. Ihn beherrscht im Gegenteil die pure Angst vor dem Verlieren. „Das habe ich noch nie gekonnt, schon als Kind nicht“, sagt der Pferdeprofi. „Wenn ich verliere, dann werde ich richtig ungenießbar und bin für mein Stallteam unerträglich.“ Um nicht in diese schlimme Situation zu geraten, fährt Hönemann immer dann am besten, wenn er richtig unter Druck steht: „Am stärksten bin ich ganz einfach mit dem Rücken zur Wand.“



Zum Beispiel im Kampf um die Berliner Meisterschaft. In der Saison 2003 hatte ihm sein Dauerkonkurrent Manfred Zwiener den Berliner Titel des erfolgreichsten Trabrennfahrers abgejagt. Hönemann hatte daraus seine Schlüsse gezogen und für 2004 seinem Dauerrivalen den ganz großen Kampf angesagt. Dieser Fight verlief schließlich auch erfolgreich. 2004 beherrschte Hönemann wieder souverän das Geschehen. Da Manfred Zwiener ab dem Spätsommer hauptsächlich auf den österreichischen Rennpisten in Wien und Ebreichsdorf an den Start ging, aber offiziell in der Berliner Statistik geführt wurde, fand der Kampf um die Meisterschaft in zwei Ländern statt. Doch ein echtes Fernduell war es nicht. Denn an seinen privaten Freund und sportlichen Gegner kam Zwiener nie entscheidend heran. Insgesamt vierzig Siege mehr als Zwiener konnte Hönemann feiern. 139 zu 99 Treffer lautet der Endstand der Saison 2004 zu seinen Gunsten.

Damit gewann der gebürtige Lichtenrader bereits sein zehntes Championat in der Hauptstadt. 1993 war seine persönliche Ära eingeleitet worden, als er die inzwischen verstorbene Traberlegende Gottlieb Jauß an der Spitze abgelöst hatte. Insgesamt ging Hönemann bisher exakt 14 500-mal in einem Sulkyrennen an den Start, gewann davon 3844 Prüfungen und war weitere 5922-mal platziert. Die von ihm trainierten Pferde verdienten so 7,1 Millionen Euro an Preisgeld. Dabei hatte Hönemann den Trabrennsport für sich erst relativ spät entdeckt, sonst wäre diese Bilanz noch beeindruckender. „Erst als ich das erste Mal eine Trabrennbahn sah, wusste ich: Hier gehöre ich hin“, sagt er im Rückblick.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 27.12.2004)

                                Fame de Vie siegt ohne Hufeisen

(H.Lingk)

BERLIN.  Die Stute Fame de Vie gehört zu den Trabern, die selten Schlagzeilen machen. Den Namen hat sie von ihrem Vater, dem berühmten Hengst Joie de Vie geerbt, der eine Million Dollar gewann. Als ihre Züchterin Anna de Jong das Fohlen fast gleich lautend taufte, hat sie sich ebenfalls Ruhm erhofft. Doch dann blieb die Stute im Wachstum stecken. Das Preisgeld von Fame de Vie summierte sich seit ihrem ersten Einsatz vor rund zwei Jahren bisher auf 16 000 Euro.

Doch gestern landete Fame de Vie für ihren Berliner Besitzer Gerold Lange gleich einen doppelten Treffer. Zunächst wurde sie von den Mariendorfer Traberfans zum Herbst-Champion gewählt. Fame de Vie gibt stets alles und ist für die wettenden Zuschauer immer eine Bank. Das unterstrich sie dann gleich im Anschluss: Mit Andre Pögel im Sulky stürmte die Sechsjährige in dem mit 8 000 Euro dotierten Mariendorfer Weihnachts-Preis der Amateure zum Sieg. Ein Erfolg, mit dem nicht zu rechnen war. Denn von der Papierform gab es an dem Hamburger Hengst Pikachu kein Vorbeikommen. Doch der Mariendorfer Publikumsliebling setzte den Favoriten auf den letzten 600 Metern unter Druck. Kurz vor dem Zielpfosten war Pikachus Widerstand gebrochen und Fame de Vie steigerte ihren Rekord bei diesem Tempolauf gleich um eine volle Sekunde.



Dabei wollte sie ihr Trainer Roland Anders schon vor vier Wochen in die Winterpause schicken. „Aber die Form war einfach zu gut“, sagt Anders. Und der Siegfahrer Andre Pögel, der zugleich auch der alte und neue Champion der Berliner Sulkyamateure ist, ergänzt: „Wir haben ihr vor dem Finale die Hufeisen abgenommen. So läuft sie noch schneller. Angst vor einem Ausrutscher hatte ich nicht. Wenn es ernst wird, rennt Fame de Vie immer weiter.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 24.12.2004)

                                       Feiertag für Glückauf

Auf der Trabrennbahn Mariendorf wird am Sonntag ein außergewöhnliches Pferd präsentiert

(H.Lingk)

BERLIN.  Die Stimmung auf der Trabrennbahn Mariendorf soll am zweiten Weihnachtstag ab 13.30 Uhr feierlich werden. Im Mittelpunkt steht dann ein Traber, der zwar gar nicht an den Start geht, aber dennoch voller Stolz dem Publikum präsentiert wird: Der vierjährige Wallach Glückauf. Alle seine Rennen in dieser Saison hat der braune Vierbeiner zu Gunsten der Tempelhofer Kinderklinik St. Joseph bestritten. Und das in imposantem Stil: Bei seinen 14 Einsätzen sprangen acht Siege und sechs weitere Plätze unter den ersten Dreien heraus.

Sein Trainer Peter Kwiet, der zwölfmalige Mariendorfer Champion, sagt über Glückauf: „In der täglichen Arbeit ist mein Brauner ein sturer Dickkopf und macht mit mir, was er will. Aber auf der Bahn rennt er immer weiter.“ Kwiet zeichnet auch für zwei weitere Traber verantwortlich, die in den beiden Vorläufen des mit insgesamt 8000 Euro dotierten Hauptrennens um den Weihnachtspreis der Amateure antreten. Dort sind seine Pferde Leeland mit Karin Walter-Mommert im Sulky und Japany (Ulrich Mommert) gegen den Hamburger Top-Favoriten Pikachu mit Hans-Jürgen von Holdt im Sulky aber nur Außenseiter.




Angesichts der vielen weihnachtlichen Programmpunkte tritt eine unglaublich gute Leistung fast ein wenig in den Hintergrund: Matthieu Hegewald ist 22 Jahre alt und gehört zu den stärksten deutschen Nachwuchsfahrern. 37 Rennen konnte der junge Profi schon gewinnen. Bereits vor dem Finale des über die gesamte Saison ausgetragenen Junior-Cups steht der Sulkyfahrer aufgrund seiner hervorragenden Einzelplatzierungen als Gesamtsieger des Wettbewerbs fest. Den letzten Lauf dieser Konkurrenz wird der Nachwuchsmann mit dem zuletzt doch recht formschwachen Hengst Bulgari wohl kaum gewinnen können. Aber Matthieu Hegewald hat schon oft überraschen können, vielleicht gelingt ihm das auch mit Bulgari.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 19.12.2004)

                                  Ein Hengst geht auf die Reise

                          Abano As trabt im Frühjahr in den USA

(H.Lingk)

MÜHLEN.  Wochenlang musste Alwin Schockemöhle um das beste Pferd im Stall bangen. Das war eine quälende Zeit für den zweimaligen Olympiasieger der Springreiter, der heute einer der führenden Züchter im deutschen Trabrennsport ist. Nach einer schweren Verletzung am Fesselgelenk, die sein Hengst Abano As im August erlitten hatte, sah es nicht gut aus für den schnellsten und erfolgreichsten deutschen Traber aller Zeiten. Rund 2,2 Millionen Euro Rennprämie hat der Braune bisher verdient. Doch mit der Verletzung fiel nicht nur die Vorbereitung für den geplanten Start am 30. Januar im Pariser Prix d’Amerique aus – im wichtigsten Rennen der Welt um eine Million Euro sollte Abano As seinen Sieg aus der Saison 2003 wiederholen – nein, die gesamte Rennkarriere des Hengstes schien bedroht.

Doch im gleichen Stil, in dem der Traber seine Konkurrenten auf der Sandpiste für gewöhnlich niederzuringen pflegt, hat Abano As den Herbst hindurch gegen das drohende Karriereende gekämpft. Jürgen Gaßner, der Leiter des Gestüts Schockemöhle, sagte nun: „Wir können Entwarnung geben. Abano As hat seine schwere Verletzung tatsächlich ganz überwunden und ist schon wieder der Alte.“ Natürlich sei das Pferd für den Prix d’Amerique etwas zu spät dran. „Aber dafür wird Abano As nun eine Route einschlagen, die Alwin Schockemöhle schon lange für ihn vorgesehen hatte.“ Der Plan: Der Hengst wird in der zweiten Januarhälfte eine Reise in die USA antreten. Wenn alles wie erwartet läuft, wird Abano As auf den Rennstrecken in Übersee die großen internationalen Klassiker bestreiten.



Als Partner für dieses Vorhaben hat sich Alwin Schockemöhle einen Mann ausgesucht, der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn steht: Trond Smedshammer wird den Spitzentraber trainieren. Der 37-jährige Norweger lebt seit langem in Nordamerika und hat dort eine Saison hinter sich, die erfolgreicher kaum sein könnte. Mit seinem Pferd Windsong’s Legacy triumphierte Smedshammer im Hambletonian, im Yonkers Trot und im Kentucky Futurity, den wichtigsten amerikanischen Rennen. Damit gewann der Norweger als Erster seit 32 Jahren die „Triple Crown“, die dreifache Krone. Als logische Konsequenz dieser unglaublichen Siegesserie schloss sich seine Wahl zum Trainer des Jahres 2004 in den USA an.

Trond Smedshammer wird sein neues Pferd Abano As auf der White Beach Farm im US-Bundesstaat New Jersey für die Aufgaben vorbereiten. Die Rennen wird der Hengst von Alwin Schockemöhle auf der New Yorker Bahn The Meadowlands bestreiten, der wichtigsten amerikanischen Traberpiste. Die Zusammenarbeit des Norwegers und des deutschen Olympiasiegers ist damit eine Zusammenarbeit zweier prominenter Männer wie sie der hiesige Pferderennsport noch nicht erlebt hat. Allerdings gelten selbst für einen Champion wie Abano As in den USA keine Sonderregeln: Auch ein Hengst wie Abono As muss aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zunächst durch die Quarantäne und wird daher auf seinem Weg nach New York eine fünfwöchige Rennpause in Florida einlegen.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 8.12.2004)

                           Trabrennbahn Mariendorf wird verkauft

Industrieller übernimmt das Gelände und verspricht, den Rennbetrieb zehn Jahre lang weiterzuführen

(H.Lingk)

BERLIN.  Genau 91 Jahre ist die Traberpiste in Mariendorf alt und glaubt man dem derzeitigen Vorsitzenden Ulrich Mommert, dann wird der Rennverein mit Sicherheit auch den 100. Geburtstag erleben. „Manche Leute können nicht verstehen, dass ich weiter in den wirtschaftlich schwer angeschlagenen Sport investiere“, sagt der Industrielle mit Berliner Wohnsitz. Im österreichischen Wieselburg ist er zugleich Chef der Zizala GmbH, einem Unternehmen der Automobilzuliefererbranche mit rund 1000 Mitarbeitern. „Doch ich bin ein Verrückter, der die Sulkygespanne auch noch in zehn Jahren um die Bahn fahren sehen will.“

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Mommert den Mitgliedern des Rennvereins ein Angebot unterbreitet, das nicht überall auf Gegenliebe stößt und das manche sogar tatsächlich für verrückt halten: Seine Firma will das knapp 20 Hektar große Bahngelände in Mariendorf für vier Millionen Euro kaufen. Damit wäre der Rennverein, dem aktuell trotz des Verkaufs des ehemaligen Stallgeländes wieder 850 000 Euro in der Kasse fehlen, für einige Zeit abgesichert. Parallel will Mommert die Bahn für zehn Jahre an den Verein zurückverpachten, damit weiter Trabrennen in Mariendorf stattfinden können. Im Gegenzug soll seine Firma pro Jahr 200 000 Euro Pachtmiete vom Rennverein erhalten.



Doch das ist der Punkt, an dem sich die Kritiker stoßen. Da das jährliche Defizit der Trabrennbahn schon seit Jahren pro Saison bei etwa einer Million Euro liegt, könnte das Geld aus dem Rennbahnverkauf schon in drei bis vier Jahren aufgebraucht sein. Zwar will Mommert die Verluste mit einem verbesserten Marketing verringern. Der 63-Jährige: „Wir brauchen zusätzlich Sponsoren und haben für die kommende Saison bereits rund dreißig kleinere und größere Firmen als Partner gewonnen.“ Doch der Opposition im Verein, die insbesondere durch den Ex-Vereinschef Klaus-Volker Stolle verkörpert wird, sind diese Versprechungen und der angebotene Preis zu wenig. Der Hotelier aus Steglitz: „Was uns hier als Konzept vorgelegt wird, geht nach dem Motto: Vogel friss oder stirb.“ Nach heftiger Diskussion fiel das Votum für den Verkauf mit 33 zu 27 Mitgliederstimmen schließlich nur knapp aus. Ulrich Mommert will bereits Ende Januar unterschriftsreife Verträge vorlegen: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Nur durch den Verkauf kann die Bahn überleben.“

Derzeit ist das Mariendorfer Gelände im Flächennutzungsplan fest als Sport- und Grünfläche ausgeschrieben – eine Bebauung ist ausgeschlossen. Der Bezirksbürgermeister Ekkehard Band sagt dazu: „Das soll nach dem Willen aller Parteien auch so bleiben.“ Doch zugleich schränkt er ein: „Ich kann nicht prophezeien, was in zehn Jahren geschieht.“ Sollte das Gelände – das dann nicht mehr dem Verein gehört – eines Tages in Bauland umgewidmet werden, wäre es 40 Millionen Euro wert. Dass er solche Absichten hegt, wehrt Mommert entschieden ab: „Im Gegenteil – mit dem Pachtvertrag will ich die Bahn langfristig vor Immobilienhaien retten.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 7.11.2004)

                                       Das Wohltätigkeitspferd

Der Traber Glückauf startet heute in Mariendorf. Alles, was er gewinnt, geht an eine Kinderklinik

(H.Lingk)

BERLIN.  Die am meisten hoffen, dass Glückauf heute gewinnt, können nicht kommen und gucken, die sind krank. Es sind die kleinen Patienten im St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof.

Glückauf ist ein Trabrennpferd, ein Wallach, braun und viereinhalb Jahre alt. Um 13 Uhr geht der Renntag auf der Trabrennbahn Mariendorf los, Glückauf startet dann zum 14. Mal. Bisher ist er sehr erfolgreich: zwölf Mal kam er als Erster oder Zweiter über die Ziellinie, einmal als Dritter. 5000 Euro hat er bisher gewonnen – und zwar nicht für einen Besitzer, sondern für das St. Joseph-Krankenhaus: Glückauf ist ein Wohltätigkeitspferd.



Die Idee dazu kommt von Peter Kwiet. Der Berliner Profi-Sulkyfahrer, der vergangene Woche exakt zum 4232. Mal Sieger eines Rennens wurde, ist seit einer Saison Besitzer von Glückauf. Bereits Mitte der 90er Jahre haben sich Trabrennfahrer aus Mariendorf einmal zusammengetan, um Geld zu sammeln, damals für den krebskranken Igor aus Russland. Es kam genug zusammen, um den Jungen in der Charité zu behandeln. Für Kwiet ein so bewegendes Erlebnis, dass er mehr für kranke Kinder tun wollte.

Für Glückauf hat er einen eigenen Stall gegründet: „Stall Charity“ heißt der und der hat viele prominente Unterstützer: Kaffeekönig Albert Darboven, Moderator Günther Jauch und Kollege Johannes B. Kerner, Heidi Hetzer (Opel), die Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth und viele andere und seit neuestem ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Schirmherr der ganzen Aktion. Im Sulky sitzt beim heutigen Rennen die Europameisterin Karin Walter-Mommert.

Im St. Joseph-Krankenhaus hoffen heute also viele auf die flotten Hufe von Glückauf. Das 1928 eröffnete Krankenhaus hat sich auf die Behandlung und Betreuung von Kindern spezialisiert. Seit Anfang 2003 gibt es dort neben der Neugeborenenstation und der allgemeinen Chirurgie auch eine offene Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 19.10.2004)

                                           Ganz nah am Pferd

             Trabfahrer sitzen bei den German Masters im Sattel

(H.Lingk)

BERLIN.  Im Galoppsport geht es um jedes Gramm Gewicht. Das Rennen beginnt für die Jockeys schon weit vor dem Start und ist in Wirklichkeit ein Ringen mit dem eigenen Körpergewicht. Wenn dieses nämlich einschließlich Sattel oftmals nur einen Zentner betragen darf, wird die kontrollierte Ernährung im Alltag zur Qual. Damit verglichen dürfen Traberprofis aus dem Vollen schöpfen: Im Sulky spielt es aufgrund der Schubkraft, die sich in den überhöhten Kurven entwickelt, nur eine untergeordnete Rolle, ob ein Fahrer ein paar Pfund Übergewicht in den Sitz stemmt oder nicht.

Doch heute Abend sieht es auf der Trabrennbahn in Karlshorst ein wenig anders aus: Dort werden ab 18 Uhr zum ersten Mal die German Masters im Trabreiten ausgetragen. Anders als üblich sitzen die vornehmlich weiblichen Teilnehmer dabei nicht im Sulky, sondern im Sattel. In Frankreich, dem Mutterland des Trabersports, ist diese Spezialdisziplin überaus populär. Aber auch unter den Fans in Karlshorst erfreut sich diese Disziplin einer wachsenden Beliebtheit.



Den größten Anteil daran hat eine 18-jährige Schülerin aus Lichtenberg. Joana Klein gehört zu den größten Talenten des Rennsports; vor zwei Jahren war sie die jüngste Siegerin in einem deutschen Sulkyrennen überhaupt. Zu den Rennen im Sattel verbindet sie eine besondere Liebe: Mit sieben Siegen errang sie 2003 das bundesweite Championat. „Im Sattel ist man den Pferden auch vom Gefühl her viel näher als im Sulky“, sagt sie.

Dass sie in den vier mit je 1500 Euro dotierten Wertungsläufen heute durchweg mit Außenseitern antreten muss, macht ihr nichts aus: „Da werden einige Überraschungen drin sein – ich bin noch nicht aus der Rechnung.“ Nur eines stört sie: Dass sie ständig auf das Gewicht achten muss, wenn auch nicht im gewohnten Sinn. Denn um den weniger diäterprobten Sulkyfahrern die Teilnahme an den German Masters zu ermöglichen, sind 60 Kilo Mindestgewicht gefordert. Und die bringt Joana nur mit zusätzlichen Bleigewichten auf die Waage.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 2.8.2004)

                                    Innen vorbeigezogen

Roland Hülskath gewinnt mit Ambassador As das 109. Deutsche Traber-Derby

(H.Lingk)

BERLIN.  Schon zwei Stunden vorher hatte es sich angedeutet. Topfavorit Orso November mit Heinz Wewering hatte sich in seinem Vorlauf hinter Ambassador As und Roland Hülskath gerade noch so in das Finale geschleppt. Wewerings Hengst, der von allen Seiten als Sieger erwartet worden war, hatte nur Normalform. Und das reicht eben nicht zum Triumph in Deutschlands wichtigstem Trabrennen. Hinzu kam eine beim Weltmeister kaum erwartete unglückliche taktische Hand: Schon nach 500 Metern fand sich das Favoritengespann in der kräftezehrenden Außenspur wieder, während sein Hauptgegner Ambassador As mit Roland Hülskath geschont unmittelbar hinter ihm lag. Zwar mobilisierte Wewering mit Einbiegen auf die Zielgerade noch einmal die letzten Reserven seines Pferdes, doch Ambassador As zog vorbei und gewann das Deutsche Traber-Derby.

Während Wewering geschlagen auf Platz sechs endete, rückte Threestar Limburgia mit Peter Strooper im Sulky noch einmal auf. Doch Ambassador As blieb mit knappem Vorteil in der Kilometerzeit von 1:14,0 Minuten vor dem Gegner, schon vier Längen zurück belegte Novi King (Jochen Haide) Rang drei.



Obwohl sich am Ende die meisten Wetter an den Schaltern für den unterlegenen Orso November entschieden hatten, war es in der 109-jährigen Geschichte des Traber-Derbys selten so schwierig, vorher einen Favoriten zu finden. Nach den fünf Vorläufen des mit 440 000 Euro dotierten Klassikers waren die 25 000 Besucher der Rennbahn Mariendorf ratlos. Denn Außenseiter, mit denen niemand gerechnet hatte, stürmten dort auf den Plätzen eins und zwei, um sich die Finalfahrkarte zu sichern.

Von dem Hengst Early Maker zum Beispiel, der für Fußballtrainer Mario Basler und die ehemalige Tennisspielerin Anke Huber sowie ihren Freund Roger Wittmann läuft, hatten nur wenige Beobachter eine wichtige Rolle erwartet. Trotzdem gewann er seinen Vorlauf überlegen. Basler war sich seiner Sache sicher: „Mich überrascht diese Leistung überhaupt nicht, denn mein Hengst sah schon seit Wochen bestechend aus. Ich habe ihn in allen Wetten nach vorne gesetzt!“ Außer Basler hatte sein Pferd trotz 16-facher Siegquote an den Totokassen aber nur wenige Anhänger gefunden. Genauso wenig wie Manfred Zwieners Hengst Bodos Blitz, der als krasser Außenseiter den ersten Vorlauf aus Berliner Sicht sensationell beherrschte.

Während Ger Visser, der holländische Besitzer des Siegers Ambassador As, 135 000 Euro Siegprämie kassierte, erhielten Mario Basler und Anke Huber für den vierten Platz ihres Hengstes und den Vorlaufsieg immerhin 35 000 Euro.

Der Berliner Teilnehmer Bodos Blitz landete im Endlauf abgeschlagen auf dem letzten Rang. Der Sieger Ambassador As wurde von dem Holländer Ger Visser als Jährling auf der Auktion von Alwin Schockemöhle für 42 000 Euro gekauft. „Weil er ein so stolzes Exterieur hat und weil er der kleine Bruder von Deutschlands bestem Traber Abano As ist“, sagte Visser nach dem Triumph über den Favoriten Orso November.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 1.8.2004)

                             Die Sorgen des Derby-Favoriten

(H.Lingk)

BERLIN.  Sein Helm ist sein Markenzeichen geworden. Golden glitzert diese Kopfbedeckung, wenn Heinz Wewering an den Start geht. Der 54-Jährige darf als einziger Traberprofi einen solchen Goldhelm bei den Rennen tragen – als Anerkennung für seine Ausnahmestellung. Er hat sich diese Ehre hart erarbeitet: Wewering wurde zweimal Weltmeister, viermal Europameister, seit fast 30 Jahren steht er unangefochten an der Spitze des deutschen Trabrennsports. Seine Erfolgsstatistik will er heute anreichern: mit einem Sieg beim 109. Deutschen Traber-Derby in Mariendorf (Beginn der Veranstaltung: 12.30 Uhr). Die fünf Vorläufe und das Finale sind mit insgesamt 440 000 Euro dotiert.



Heinz Wewering hat dieses Rennen in seiner Laufbahn schon siebenmal gewonnen. Aber er will mehr: Mit dem Hengst Orso November steht ihm ein außergewöhnlich gutes Pferd zur Verfügung, das bisher keine Schwächen gezeigt hat. Beim Saisondebüt im Mariendorfer Adbell-Toddington Rennen war er hinter seinen vierbeinigen Widersachern Silver Star und Ferrari zwar nur Dritter, doch dass er das Jahr gegen diese beiden erstklassigen Traber, die heute ebenfalls antreten, trotz konditioneller Rückstände gleich auf so hohem Niveau begann, beweist seine Klasse. Und Wewering findet ja selbst bei Misslichkeiten die passende Antwort. Im Jahr 1983 zum Beispiel war sein Hengst Ifram der absolute Derbyfavorit. Doch unmittelbar vor dem Rennen lag Ifram plötzlich krank in seiner Stallbox. Heinz Wewering meisterte die Situation auf seine Art: Mit seinem für wenig chancenreich gehaltenen Ersatzpferd holte er dennoch den Derbysieg.

Gestern feierte Heinz Wewering bereits einen weiteren großen Erfolg in seiner Karriere: In Mariendorf gewann der Profi mit der Stute Opera November das mit insgesamt 160 000 Euro dotierte Arthur-Knauer-Rennen überlegen mit sechs Längen Vorsprung vor Easy Way Sl (Thomas Panschow) und Julia de Sade (Michael Schmid).

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 31.7.2004)

                                           Stuten unter sich

(H.Lingk)

BERLIN.  Der schwedische Trabrenntrainer Rolf Hafvenström ist seit langer Zeit in Berlin ansässig und für sein exzellentes Fachwissen im Umgang mit Pferden bekannt. „Ich hatte mal einen Hengst, den musste ich sofort nach dem Start in Front steuern, nur dann hatte er eine Siegchance“, erzählt Hafvenström. „Wenn er nämlich mitten im Pulk hinter einer Stute lag, passierte gar nichts mehr. Dann trabte er den Damen nur noch hinterher.“



Heute (Beginn 12.30 Uhr) wird Rolf Hafvenström dieses Problem auf der Trabrennbahn in Mariendorf allerdings nicht haben. Denn in den Vorläufen und dem Finale zum Arthur-Knauer-Rennen, das mit 160 000 Euro dotiert ist, sind nur Stuten startberechtigt. Für den Berliner Rennstall No Limit wird Hafvenström dann mit der dreijährigen Pferdedame Belle Arnie dabei sein.

Mit den besten Aussichten startet Weltmeister Heinz Wewering, der das Arthur-Knauer-Rennen bisher fünf Mal gewann. Die Stute Opera November, die der 54-jährige Profi aus Castrop-Rauxel heute im dritten Vorlauf fährt und die bisher Titelverteidiger Michael Schmid anvertraut war, scheint auch für den direkten Vergleich mit den Hengsten und Wallachen gewappnet zu sein. Unter den Stuten ist sie die haushohe Favoritin. Ihre härtesten Konkurrentinnen kommen aus dem eigenen Stall: Mit Olympia November und mit Halfpenny hat Wewering weitere starke Pferde zur Hand.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 30.7.2004)

                                       Tag der reifen Traber

(H.Lingk) 

BERLIN.  Wenn es am Wochenende im Arthur-Knauer-Rennen und dem 109. Deutschen Traber-Derby um insgesamt 596 970 Euro Preisgeld geht, darf so manches körperlich ausgereifte Pferd nicht teilnehmen. Die Regeln wollen es so: Die höchsten Preise werden traditionell an die Besitzer dreijähriger Pferde ausgeschüttet, obwohl ein Traber erst im Alter von fünf oder sechs Jahren den Leistungshöhepunkt erreicht. Um die Besitzer der älteren Pferde zu trösten, werden seit einiger Zeit so genannte Zirkelrennen ausgetragen. Eines davon steht heute auf der Trabrennbahn Mariendorf (Beginn 17.30 Uhr) auf dem Programm.



Die 40 000 Euro sind dann ein Trostpflaster für die Stallteams der fünf- und sechsjährigen Traber, die im Derby zuschauen müssen. Der Mariendorfer Champion Manfred Zwiener ist heute Favorit: Sein Hengst Metal Firecracker ist vier Mal hintereinander ungeschlagen. Auch in der zweiten bedeutenden Prüfung des Abends ist Manfred Zwiener dabei: Venessa Way besitzt im Bruno-Cassirer-Rennen um 39 000 Euro Preisgeld, in dem nur Stuten starten dürfen, eine gute Platzierungschance. Gestern entschied bereits der Niederländer Fred Handelaar mit seinem Wallach Nibber S Boko den mit 10 000 Euro dotierten Derby-Pokal der Amateure für sich.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 29.7.2004)

                          „Ein Rennen ist süß wie ein Bonbon“

Afsoon Amirfallah über eigene Traber-Erfolge und ihren Lebensgefährten, den Sulky-Weltmeister Heinz Wewering

(H.Lingk)


Sie sind Iranerin und seit mehr als fünf Jahren mit Heinz Wewering zusammen. Heute treten Sie in Mariendorf beim Derby-Pokal der Amateure um 10 000 Euro als Titelverteidigerin an. Doch bis Mittwoch lagen Sie noch mit Blutergüssen und Muskelkater im Bett…

Der Trabersport ist nicht ganz ungefährlich. Am Sonntag ist mir mein Hengst Portofino im Rennen ein bisschen zu nahe gekommen. Es war nicht seine Schuld, er war zu dicht am Sulky angespannt. Er hat es nicht böse gemeint.

Haben Sie aufgrund dieser Erfahrungen keine Angst?

Nein, Angst habe ich nie, aber manchmal Respekt. Heinz Wewering legt die Traber fest, die ich im Rennen fahre. Und wenn einer dabei ist, den er beim Start davor selber kaum halten konnte, grüble ich schon mal. Dann lacht er und bietet mir als Alternative an, zu Fuß zu laufen. Aber im Ernst: Ich brauche doch nur den leichtesten Teil der Aufgabe zu absolvieren, der Trainer hat es viel schwerer. Er muss das Pferd über Wochen und Monate so vorbereiten, dass es am Tag X eine hundertprozentige Leistung bringt. Damit verglichen ist Rennen fahren wie ein süßes Bonbon.

Untertreiben Sie nicht? Sie haben bisher 262 Rennen gewonnen, landen bei 75 Prozent Ihrer Starts auf Sieg oder Platz und liegen im Amateurbereich hinter Rita Drees auf Rang zwei. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Erfolg?

Natürlich, das war auf der Hamburger Piste mit dem Traber Scanlon. Ich will den Wallach nicht beleidigen, aber er war viel eher ein Kamel als ein Rennpferd. Scanlon konnte zwar rasant starten, aber zur Hälfte der Strecke ging ihm stets die Puste aus. Wir hatten also null Chance. Als das Rennen begann, stieß er in Front. Das war normal, aber in der letzten Kurve lagen wir tatsächlich immer noch vorne. Ich habe dann gebrüllt wie ein Löwe, und vielleicht hat Scanlon deswegen einfach einen Riesenschreck bekommen. Er zog plötzlich ab wie eine Rakete und deklassierte die Gegner.



Dieses Siegesgefühl konnte Ihr Lebensgefährte Heinz Wewering bisher unglaubliche 15 348 Mal genießen. Er gewann dabei weit über 50 Millionen Euro Rennprämie. Was macht ihn so stark?

Er liebt seine Pferde, nur so geht es. Mit Härte und mit Kraft erreicht man nichts. Ein Trainer muss spüren, wo die Leistungsgrenze eines Trabers liegt. An die darf er sich nur herantasten. Wenn er sie überschreitet, bricht er seinem Schützling für immer den Willen. Heinz fährt seine Pferde mit zwei Fingern, sie stemmen sich nie gegen ihn.

Und das reicht aus für die vielen Siege?

Es kommt sein persönliches Geheimnis hinzu: Er hat sehr starke Nerven. Während manche seiner Konkurrenten vor den großen Rennen blass sind wie die Wand, holt sich Heinz 15 Minuten vor dem Derby noch ein Stück Kuchen. Mein Verstand sagt mir, es wird nicht leicht – aber mein Gefühl sagt, er schafft den Derbysieg auch in diesem Jahr.

Für Sie selber wird es heute Abend in dem Amateurklassiker sehr schwer.

Mein Wallach Kempinski ist nur Außenseiter, aber in dem Rennen ist noch keiner zu Hause. Und wenn ich nur Sechster werde, ist das auch nicht schlimm. Das Publikum hier ist sehr herzlich.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 26.7.2004)

                                Die Rennbahn ist der Sieger

Zum Auftakt der Derbywoche in Mariendorf kommen 18000 Zuschauer

(H.Lingk)

Berlin - Es war gestern ein ebenso kräftezehrendes wie spannendes Rennen für die zehn Starter auf der Trabrennbahn Mariendorf. Noch Minuten, nachdem sie über die Zielllinie gesprintet waren, stand allen zehn Fahrern im Charlie-Mills-Memorial um 27 000 Euro Dotation die Anstrengung im Gesicht geschrieben. Auch die Pferde wirkten erschöpft, und das gleich aus zwei verschiedenen Gründen: Zum einen hatten sie einem vierbeinigen Konkurrenten, der beim Anblick des Startautos sehr ungebärdig war und seine sensiblen Vollblüternerven nicht im Griff halten konnte, eine quälende zeitliche Verzögerung zugebilligt. Zum anderen, weil die Pferde unmittelbar danach im Rennen geschlossen eine unglaublich gute Leistung auf die Sandpiste legten, die ihren Ausdruck in dem sensationellen Kilometerschnitt von 1:13,9 Minuten.



Auch der Mariendorfer Traber-Chef Ulrich Mommert wirkte nach dem Rennen erschöpft. Obwohl er es natürlich nur als Zuschauer verfolgt hatte. Bei Ulrich Mommert hatte die Anspannung einen anderen Hintergrund: Der Amateurfahrer, dem selbst rund 100 Traber gehören, erlebte den Auftakt einer Derbywoche erstmals in seiner neuen Eigenschaft als Vorsitzender des Rennvereins. Die kleine Mannschaft um ihn herum hatte in den Tagen zuvor zwar fieberhaft an dem wichtigsten deutschen Traber-Event gearbeitet. Doch welches Ergebnis sie wirklich zu erwarten hatten, das wusste auch der pferdeverrückte Großindustrielle nicht.

Nach dem Hauptrennen war Mommert sichtlich erleichtert: „Es könnte noch mehr Umsatz durch die Totokassen fließen, denn den brauchen wir zur Finanzierung des Sports“, sagte er. „Aber es geht uns nicht nur ums Geld. Wir wollen die Herzen der Fans zurückgewinnen, und da sind wir auf dem richtigen Weg.“

Das kann man nach dem gestrigen Renntag von Mariendorf wohl so sehen. Mommert hatte mit keinem großen Besucherandrang gerechnet, wie er zugab. Am Ende übertraf die Zahl der Zuschauer selbst optimistischste Schätzungen: 18000 Zuschauer strömten am großen Schultheiss-Renntag auf die Mariendorfer Tribünen. Eine erstaunliche Marke für die Berliner Rennbahn, die noch vor einem Jahr von hoffnungslos überforderten Funktionären verkauft werden sollte und seitdem um neue Anerkennung ringt.

Dass auch der Hauptakteur des Charlie-Mills-Memorials für eine angenehme Überraschung sorgte, war angesichts dieses tollen Zuschauerzuspruchs fast schon eine Nebensächlichkeit. Mit dem achtjährigen Wallach Saraccino und seinem Hamburger Trainer Hans-Joachim Tipke hatten auf der Bahn nur die wenigsten gerechnet. Schon gar nicht seine Gegner im Rennen.

Während der Weltmeister Heinz Wewering mit dem Hengst Höwings Henry an der Spitze schon Ausgangs des letzten Bogens durch den hohen Tempodruck zermürbt war, saß der Mariendorfer Favorit Chinas As mit seinem belgischen Fahrer Dominik Locqueneux an der Innenkante rettungslos fest. Saraccino und Trainer Hans-Joachim Tipke dagegen hatten mit viel Schwung freie Bahn und waren quasi schon im Ziel, als Berlins bester Traber Chinas As endlich die Lücke fand und noch bis auf eine halbe Pferdelänge Abstand an den Außenseiter heranflog – zu mehr reichte es allerdings dann nicht. Saraccino siegte sensationell mit einer Quote von 1:20. Und der Überraschungssieger des gelungenen Nachmittags von Mariendorf strahlte. „Es verlief alles wie am Schnürchen. Ich hatte selber nicht mit diesem Erfolg gerechnet“, sagte er. „Aber mit seinem höllischen Speed ist Saraccino auf den letzten Metern eine Macht!“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 25.7.2004)

                                    Traber zu verschenken

Was die Derbywoche in Mariendorf tut, um Aufmerksamkeit zu erlangen

(H.Lingk)

BERLIN.  Besitzer eines Trabrennpferdes zu sein, ist nicht unbedingt ein Zustand ewiger Freude. Zumindest was die Finanzierung betrifft. Die Prämien, die an die schnellsten Sulkygespanne ausgeschüttet werden, sind auf den deutschen Bahnen in den letzten Jahren geschrumpft, und die Kosten für die Anschaffung und das Training eines edlen Pferdes sind enorm. Auf den Jährlingsauktionen werden fünf- bis sechsstellige Beträge für Traberhoffnungen gezahlt, von denen sich manche nie für den Rennbetrieb qualifizieren. Schon viele Erwartungen der Besitzer sind mit den ersten Schritten des Pferdes auf der harten Sandpiste zerplatzt.

Der Besitzer des Hengstes Pat, der am Sonntag (Beginn 12.30 Uhr) beim Auftakt der großen Mariendorfer Derbywoche im zehnten Rennen an den Start geht, wird diese Sorgen nicht haben. Auch wenn er das Gefühl hundertprozentiger Zufriedenheit nur für zweieinhalb Minuten genießen darf. Denn er trägt überhaupt kein Risiko, sondern er kommt aus dem Kreis der mindestens 10 000 Zuschauer, die am Schultheiss-Renntag erwartet werden. Mariendorfs Traber-Boss Ulrich Mommert persönlich stellt seinen zuverlässigen Dauerläufer Pat für die publicityträchtige Aktion „Besitzer für einen Tag“ zur Verfügung: Nach dem zweiten Rennen findet eine Auslosung statt, der Gewinner erhält dann den Geldpreis, den Pat drei Stunden später auf der Piste erzielt. Im Falle eines Sieges sind das immerhin 1250 Euro. Pferdestreicheln vor dem Start und Besprechung der richtigen Taktik inbegriffen. Uli Mommert sagt: „Für mich ist Pat der klare Favorit!“



Es gibt aber noch andere Besitzer, die unter der schwierigen finanziellen Situation im Trabrennsport nicht zu leiden haben. Und dies nicht nur für einen Tag. Seit über zehn Jahren gehört das Stallteam von Andreas Hahn zu den erfolgreichsten in Berlin. Seine zwanzig Traber bestreiten ihre Einsätze europaweit und bringen die Rechnung durch spektakuläre Erfolge ins Plus. Der Wallach Chinas As ist der Beste von ihnen. Nach seinem beeindruckenden Sieg auf der französischen Bahn Le-Croisé-Laroche soll der sechsjährige Fuchs nun auch das Mariendorfer Charlie-Mills-Memorial um die Dotation von 27 000 Euro gewinnen.

Vor Gegnern wie dem Weltmeister Heinz Wewering und den Brüdern Gerd und Helmut Biendl hat Andreas Hahn zwar Respekt, aber er fürchtet sie nicht. Denn in dem belgischen Catchfahrer Dominik Locqueneux, der gestern den mit 140 000 Euro dotierten Prix Lagardere auf der Rennpiste in Paris-Vincennes gewann, hat er einen Sulkystar für sein Pferd verpflichtet. Andreas Hahn sagt : „Im Vorlauf wird Chinas As keine Probleme haben, im Finale hängt dann alles vom Startplatz ab.“ Das Tempo der anderen Pferde fürchtet er nicht. „Die Konkurrenten sollen ruhig Gas geben, das kommt meinem Traber nur entgegen.“

Das Charlie-Mills-Memorial am Sonntag eröffnet eine ereignisreiche Rennwoche. Zirka 800 000 Euro Prämie werden in den rund 65 Rennen der fünf Mariendorfer Veranstaltungstage ausgeschüttet. Den Höhepunkt bildet dabei das 109. Deutsche Traber-Derby am 1. August. Auch in der Sonderverlosung für die Zuschauer werden neue Maßstäbe gesetzt. Reisen und Autos gibt es zu gewinnen. Man muss eben nicht gleich ein Besitzer sein, um beim Trabrennen Glück zu haben. Manchmal genügt auch das Zuschauen.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 5.7.2004)

                               Wewering jubelt in Mariendorf

(H.Lingk)

BERLIN.  Es lohnt sich, im Buddenbrock-Rennen als Erster durchs Ziel zu fahren. Bei dem seit 1901 ausgetragenen Trabrennen gibt es insgesamt 30000 Euro zu verdienen. Kein Wunder also, dass der Mann besonders strahlte, der gestern hinter dem überlegenen Hengst Orso November im Sulky saß. Sein Pferd ist zwar erst drei Jahre alt, aber die Qualität der gestrigen Leistung ist zukunftsweisend. Zwei Minuten nach dem Triumph in der starken Kilometerzeit von 1:14,8 Minuten zog der zweimalige Weltmeister Heinz Wewering vor 20 000 Zuschauern auf der Trabrennbahn in Mariendorf ein äußerst zufriedenes Fazit. „Orso November hat im Rennen sehr viel Druck bekommen, aber er war jederzeit souverän und völlig Herr der Lage“, sagte Wewering.



Für den 54-jährigen Sulkyprofi aus Castrop-Rauxel war es bereits der siebente Erfolg in der Geschichte dieser Traditionsprüfung. Eine entscheidende Situation ergab sich schon auf den ersten 150 Metern des Rennens: Während Wewering mit Orso November einen fliegenden Start erwischte und sich das Gespann energisch auf den Weg an die Spitze begab, geriet der hoch gewettete Mitfavorit Silver Star aus dem Trab und wurde disqualifiziert. Damit stand Wewerings Sieg aber noch längst nicht fest. Denn ausgangs der Gegenseite erfolgte der Angriff des ebenfalls als chancenreich eingestuften Konkurrenten Ambassador As mit seinem Fahrer Roland Hülskath. Kopf an Kopf bogen Orso November und Ambassador As um die letzte Ecke, und für einen Moment schien das Pferd von Roland Hülskath auch im Vorteil zu sein. Doch gerade in dieser Phase bewies Wewerings Orso November zähe Widerstandskraft.

Mitte der Zielgerade musste sein Herausforderer den Preis für den Kraftakt zahlen. Genauso wie zuvor Silver Star verfiel auch Ambassador As in den verbotenen Galopp und wurde von den Stewards gemaßregelt. So ging der zweite Platz an den Hengst Ferrari mit dem Holländer Jos Oorthuijsen im Sulky, eine Länge dahinter belegte die ebenfalls von Heinz Wewering trainierte Stute Opera November mit Michael Schmid den dritten Platz. Für das Derby am 1. August hat der siegreichste Fahrer der Welt damit gleich mehrere exquisite Pferde zur Hand.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 4.7.2004)

                                     Heißblüter müssen kalt sein

                    Silver Star ist Favorit im Buddenbrock-Rennen

(H.Lingk)

BERLIN.  Erstklassige Rennpferde verfügen über viel Temperament. Wichtig im Training von Trabern und Galoppern ist darum, diese Kraft in geordnete Bahnen zu lenken. Sonst verschwenden die nervösen Vierbeiner die Energie, indem sie sich gegen ihre Fahrer und Reiter stemmen, statt den Gegnern davonzulaufen. Pferde, denen die Charakterfestigkeit fehlt, verdienen auf der Piste trotz ihrer Schnelligkeit oftmals keinen Euro.

Am Sonntagnachmittag ab 13 Uhr tritt im Mariendorfer Buddenbrock-Rennen um 30 000 Euro ein Hengst als Favorit an, der ein klares Urteil schwer macht. Wie gut ist der dreijährige Traber Silver Star wirklich, fragen die Fachleute. Bei seinem Fahrer Peter Strooper ist die Sache einfacher; der Holländer gehört spätestens seit seinem Derbysieg 2000 zur Elite der europäischen Sulkyprofis. Doch ist sein Rappe in seiner Entwicklung schon weit genug? Die erste Etappe auf dem Weg zur Krone des deutschen Trabrennsports meisterten Silver Star und Peter Strooper vor vier Wochen an gleicher Stelle mit Bravour. Im Adbell-Toddington-Rennen schaute sich das Gespann die übertriebene Tempohatz der Konkurrenten beim Kampf um die Spitze ruhig an und schlug 200 Meter vor dem Ziel zu.



Das war kaltblütig, doch unmittelbar nach dem Rennen wurde Silver Star mächtig heißblütig: Die Siegerehrung ertrug der Hengst zwar noch gelassen, aber dann schoss er plötzlich in die Höhe und katapultierte seinen Fahrer beinahe aus dem Sulky. Der Triumph im Rennen war für Strooper leichter als der Weg mit seinem Pferd zurück zur Stallbox. Der Holländer nahm es mit Humor: „Silver Star ist ein wenig heftig, wir müssen noch die richtige Balance finden. Das ist bei jungen Trabern normal.“

Die richtige Balance: Obwohl Strooper damit das korrekte Ausbalancieren der Pferdebeine mittels Hufeisen und Gummiboots meint, gelten seine Worte ebenfalls im erweiterten Sinn. Nur wenn Silver Star diesmal das Temperament im Gleichgewicht hält, wird er sich erneut gegen die 13 hochklassigen Gegner im Buddenbrock-Rennen behaupten können. Besonders der zweimalige Sulky-Weltmeister Heinz Wewering mit dem frischen Sieger Orso November und Roland Hülskath mit Ambassador As – einem Bruder des besten deutschen Rennpferdes Abano As – warten nur auf den Ausfall des Favoriten.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 5.6.2004)

                                  Nur Jack Daniels fehlt in Berlin

                  Mariendorf erwartet den nächsten Rennklassiker

(H.Lingk)

BERLIN.  Vor drei Wochen hat Uli Schnieder sein erstes Derby gewonnen. Der Sulky-Fahrer triumphierte im Gran Premi Nacional, einem Trabrennen auf der Insel Mallorca im Hipodrom Son Pardo. Sein dreijähriger Hengst Jack Daniels siegte überlegen. In Palma sind Pferderennen beliebt, und der Saisonhöhepunkt mit dem Sieg von Jack Daniels war immerhin mit 75 000 Euro dotiert. Eine kleine Summe, verglichen mit dem, was es in Berlin zum Saisonhöhepunkt zu verdienen gibt: Um eine halbe Million Euro geht es beim Mariendorfer Derby am 1. August. Zur Vorbereitung auf dieses Rennen geht Uli Schnieder am Sonntag, diesmal mit dem Hengst Godolphin, in Berlin beim Adbell-Toddington-Rennen an den Start.

13 dreijährige Traber treten dabei um 30 000 Euro (Beginn 13.30 Uhr) an. Godolphin besitzt in diesem Klassiker gute Chancen. Auch Schnieder will in Berlin seine Klasse beweisen, der 41-Jährige gehörte dort jahrelang zur Spitzengruppe der Profis. In Mariendorf gelang ihm mit dem Hengst Freiherr As der Sieg im Adbell-Toddington-Rennen 2000.



Als Schnieder später nach Italien wechselte, folgte der Karriereknick. Im Rennstall Biasuzzi war er nur der zweite Mann. Nun bestreitet der Profi sein erstes Engagement in Berlin seit zwei Jahren und trifft auf alte Widersacher: Mit dem Hengst Bodos Blitz hat der Mariendorfer Champion Manfred Zwiener ebenfalls ein ungeschlagenes Pferd zur Hand. Die Konkurrenz ist hochkarätig: Orso November gewann als Youngster bereits einen Breeders-Crown-Lauf und wird vom zweimaligen Weltmeister Heinz Wewering gesteuert. Ferrari (Roland Hülskath) und Silver Star (Peter Strooper) erzielten ebenso schnelle Zeiten.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 17.5.2004)

                                  Mit den Champions am Tisch

                  Traber-Elite traf sich zum Skydinner im Radisson

(H.Lingk)

BERLIN.  Radisson-Hotel-Chef Werner Knechtli war schon immer ein Freund der Pferdestärken unter der Motorhaube. Seit diesem Wochenende gilt seine Aufmerksamkeit auch den echten PS. Anlässlich der mit 480 000 Euro dotierten Wettkämpfe um die „Breeders Crown“ ehrte der Schweizer zunächst Sieger auf der Trabrennbahn in Mariendorf und begrüßte dann am Samstagabend die internationale Sulkyelite zum Skydinner mit Blick auf den Berliner Dom in den Räumlichkeiten seines Hauses in der Karl-Liebknecht-Straße. Rund 30 000 personifizierte Rennsiege saßen dort am Tisch. Und selbst der Berliner Traberchampion Manfred Zwiener, der im Radisson offiziell für seinen kürzlich erzielten 3000. Erfolg geehrt wurde, gab sich angesichts dieser beeindruckenden Zahl bescheiden.



Denn mit dem Weltrekordler Heinz Wewering (über 15 000 Siege) und Willi Rode (6850) waren die beiden erfolgreichsten deutschen Sulkyfahrer aller Zeiten zu Gast. Dem siebenmaligen Derbysieger Wewering gefiel nicht nur das Ambiente dieses Abends besonders. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Afsoon Amirfallah, die als Amazone ebenfalls oft in den Sulky steigt, hatte der 54-Jährige schon den rennfreien Nachmittag ausgiebig genossen. „Mein Heinz ist nicht nur der Weltmeister auf der Sandpiste“, sagte die 31-jährige Iranerin. „In einer wunderschönen Stadt wie Berlin ist er auch der Weltmeister im Bummeln!"

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 17.5.2004)

                   Abano As siegt im Duell der Ausnahmepferde

(H.Lingk)

BERLIN.  Mit einer Leistung der Extraklasse hat der siebenjährige Hengst Abano As das Finale um die Breeders Crown auf der Trabrennbahn in Mariendorf gewonnen. Bei seinem Start-Ziel-Erfolg in der Hand von Jos Verbeeck blieb Abano As, der über den Kilometer gemessen die Zeit von 1:12,8 Minute trabte, zwar über dem Bahnrekord von 1:12,1 Minute. Fahrer Jos Verbeeck aber sagte: „Ich hatte noch eine Menge in der Hand.“



Bereits in den Vorläufen des mit 100 000 Euro dotierten Rennens deutete sich das erwartete Duell mit dem ebenfalls von Alwin Schockemöhle gezüchteten Hengst Freiherr As an. Beide Ausnahmepferde deklassierten ihre Gegner in getrennten Abteilungen jeweils mit fünf Längen Vorsprung. Im Finale verschärfte Thomas Panschow im Sulky von Freiherr As das Tempo, doch Verbeeck wies ihn beim Kampf um die Spitze ab. Über die ersten 1300 Meter lagen beide Gespanne Kopf an Kopf, beim Einbiegen in die Zielgerade aber erwies sich der Prix-d'Amerique-Sieger Abano As als stärker. Er löste sich mühelos. Der zweite Platz für Freiherr As geriet durch den attackierenden Oak General (Matthias Schambeck) beinahe noch in Gefahr.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 15.5.2004)

                               Zwei Favoriten, eine Geschichte

In Mariendorf kommt es am Sonntag zum spannenden Traber-Duell zwischen Abano As und Freiherr As

(H.Lingk)

BERLIN.  Jede Disziplin hat ihre eigenen Weisheiten. Bei den Trabern ist das nicht anders. Einer der Grundsätze, den die wettenden Zuschauer an den Totokassen gerne beachten, lautet: Form schlägt Klasse. Ein Pferd, das mehrmals hintereinander seine gute Verfassung unter Beweis stellen konnte, zieht man schon mal einem an sich besseren Gegner vor, wenn der zuletzt etwa eine Ruhepause hatte. Das Duell auf der Trabrennbahn Mariendorf am Sonntag (Beginn 13 Uhr) bietet diese interessante Konstellation: Freiherr As hat zuletzt überzeugt, das in seiner Karriere erfolgreichere Pferd Abano As hat zuletzt pausiert.

An den Wettschaltern von Mariendorf dürfte es besonders voll werden: Schließlich steht am Sonntag eines der spannendsten und hochklassigsten Rennen des Jahres an, ein Duell zweier Pferde mit gemeinsamer Geschichte. Beide wurden im Mai 1997 innerhalb von nur sieben Tagen auf dem Gestüt des zweimaligen Olympiasiegers Alwin Schockemöhle geboren. Abano As und Freiherr As zeigten bereits zwei- und dreijährig, was in ihnen steckt, und standen deutlich über allen Altersgefährten. Doch obwohl der Hengst Freiherr As von seiner Schnelligkeit her kaum einen Wunsch offen ließ, scheiterte er meistens doch. Kurz vor der Ziellinie war ein anderer immer noch schneller – Abano As.

Doch von der Form her lief es zuletzt bei Freiherr As besser: Noch vor 14 Tagen in Neapel im Premio Lotteria zeigt er eine herausragende Leistung, die allerdings nicht belohnt wurde: Der Hengst und sein Fahrer Thomas Panschow verloren den zweiten Platz, weil ein Gegner auf der Zielgeraden mit ihnen kollidierte. Abano As jedoch, der am Sonntag erneut vom viermaligen Prix-d’Amerique-Sieger Jos Verbeeck gesteuert wird, kommt aus einer neunwöchigen Ruhepause. Die entscheidende Kondition könnte ihm im Duell mit Freiherr As fehlen.



Zuletzt trafen beide Traber vor rund einem Jahr im Elitloppet, der wichtigsten europäischen Sprinterprüfung, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm aufeinander. Doch das war kein echter Vergleich. Während sie in getrennten Vorläufen über die Distanz von einem Kilometer mit 1:10,2 Minuten die gleiche Zeit hatten und einen deutschen Rekord aufstellten, wurde Freiherr As im Finale schon nach wenigen Metern disqualifiziert. In Mariendorf spricht die Form für ihn und die Klasse für seinen Gegner.

Wenn man aber den Züchter der beiden Spitzentraber fragt, scheint es für Alwin Schockemöhle trotz aller beliebten Weisheiten an den Wettschaltern im Grunde nur ein einziges gültiges Gesetz zu geben: „Wenn es ernst wird, ist Abano As das bessere Pferd!“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 13.5.2004)

                                    Wo Millionen Euro traben

              In Mariendorf starten die besten Pferde und Fahrer

(H.Lingk)

BERLIN.  „So ein großes Rennen wird es in Mariendorf vielleicht nie wieder geben.“ Das sagt Ulrich Mommert, der Vereinsvorsitzende der Trabrennbahn Mariendorf. Am Wochenende geht dort bei der „Breeders Crown“ (Krone der Züchter) von dem zweimaligen Weltmeister Heinz Wewering bis zum viermaligen Prix-d’Amerique-Sieger Jos Verbeeck die gesamte Fahrerelite an den Start. Am Sonntag (ab 13 Uhr) kommt es zum Duell der Spitzenpferde: Dann tritt das beste deutsche Rennpferd aller Zeiten – der Hengst Abano As – gegen seinen Herausforderer Freiherr As an. Beide Pferde wurden von Alwin Schockemöhle, dem zweimaligen Olympiasieger der Springreiter, gezüchtet. Die Pferde haben zusammen schon über drei Millionen Euro verdient.



Auch am Freitag (ab 18 Uhr) stehen wichtige Rennen in Mariendorf auf dem Programm. Insgesamt 180 000 Euro Preisgeld werden an diesem Abend ausgeschüttet. In der „Breeders Crown“ für vierjährige Hengste und Wallache um knapp 60 000 Euro hat ein Berliner Pferd sehr gute Chancen: Der Hengst Very Valentino sorgte in der letzten Saison für eine kleine Sensation, als er mit dem deutschen Vizemeister Heiner Christiansen einen der Derby-Vorläufe gewann. 2004 siegte er bisher bei allen vier Starts. Sein Besitzer Hartmut Dillges, der schon in den Sechzigerjahren eigene Traber hatte, wohnt direkt neben der Mariendorfer Bahn. Den Hengst Very Valentino hält er für einen der Besten: „Er hat sich prächtig entwickelt und ist unheimlich kompakt.“

Insgesamt geht es an den Renntagen um 480 000 Euro Preisgeld. Im deutschen Trabersport gibt es die „Breeders Crown“ erst seit 1998, im europäischen Ausland und in den USA ist sie seit Jahrzehnten ein Begriff. Das Prinzip ist einfach: Sowohl die Traberzüchter als auch die Besitzer jedes einzelnen Pferdes zahlen eine geringe Summe in einen Topf ein. Durch die Vielzahl der Beiträge kommt schnell eine große Summe zusammen. Einmal pro Jahr wird das Geld dann komplett ausgeschüttet. Neben dem Derby am 1. August stellt die „Breeders Crown“ den Höhepunkt der Saison in Mariendorf dar.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 10.4.2004)

                                     Alles goldrichtig gemacht

            Katharina Merz siegt souverän im Fritz-Brandt-Rennen

(H.Lingk)

BERLIN. Als Frau hat man es im Trabrennsport nicht immer einfach. Vor allem dann, wenn der Lebensgefährte selber Profi im Sulky ist. Der Amazone Katharina Merz zum Beispiel werden von ihrem Freund Daniel Dähn ab und zu mal taktische Fehler auf der Sandpiste schonungslos vorgehalten. Nach dem Fritz-Brandt-Rennen gestern auf der Trabrennbahn Mariendorf, mit 23 000 Euro dotiert, hatte Dähn indes keinen Grund zur Kritik. „Ich dachte erst, sie gibt mit unserem Hengst viel zu viel Gas - aber Kati hat alles goldrichtig gemacht“, sagte er.



Die Pace stimmte exakt. Mit einer meisterlichen Tempoteilung liess Katharina Merz ihren Konkurrenten im renommierten Amateur-Klassiker nicht den Hauch einer Chance. Bereits 700 Meter vor dem Ziel entfachte sie mit dem sechsjährigen Hengst Candle in the Wind aus dem Besitz des Berliner Unternehmers Andreas Hahn einen gewaltigen Speedwirbel. Das Gepann bog mit sicherem Vorsprung auf die Zielgerade, und weder der Hamburger Favorit Kenneth Sun (Hans-Jürgen von Holdt), noch Außenseiter Yve Silvio (Andreas Kraft) kamen entscheidend heran.



Candle in the Wind wäre übrigens nach einer schweren Lungenkrankheit beinahe ausgemustert worden. Katharina Merz freute sich hinterher: „Es lief alles so optimal, dass ich unterwegs fast vergessen habe, was für ein wichtiges Rennen das war.“

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 8.4.2004)

                                         Turnschuhe verboten

     Über das Wesen der Amateurprüfung – am Beispiel Mariendorf

(H.Lingk)

BERLIN. Die Bezeichnung Amateur ist im Pferdesport ein zwiespältiger Begriff. Zum einen suggeriert er Spaß als Hauptzweck des sportlichen Tuns, zum anderen deutet er ein Leistungsdefizit zu den Profis an. Bei den Sulkyfahrern stimmt das längst nicht mehr. Der Trabrennsport lebt nicht von Profis, sondern vorrangig von passionierten Pferdebesitzern. Der Anteil der Rennen, die als Amateurprüfungen gefahren werden, wächst stetig.

Das Fritz-Brandt-Rennen am Karfreitag in Mariendorf ist ein solches Rennen, wenngleich in dem Klassiker, der 1933 das erste Mal ausgetragen wurde, nur die routiniertesten Amateure antreten. Die Anfängerphase haben sie längst hinter sich gelassen. Dies beginnt zunächst mit einer Prüfung. Jeder Neuling muss unter den argwöhnischen Augen der Rennleitung fünf Testfahrten absolvieren und beweisen, dass er seinen Traber über den Kurs steuern kann. Außerdem gibt es ein theoretisches Examen. Dabei geht es weniger um die Vorfahrt auf der Bahn, die hat sowieso der Schnellste. Es geht um das Regelwerk: Welche Maßnahmen muss ein Fahrer ergreifen, wenn sein Pferd plötzlich galoppiert? Wie oft darf er Gebrauch von der Peitsche machen? In der Rennordnung ist alles bis ins Detail geregelt. Sogar die Farbe des Schuhwerks ist festgelegt – braune Lederstiefeletten müssen es sein. Wer mit Turnschuhen in den Sulky steigt, wird disziplinarisch bestraft.

Die Teilnehmer des Fritz-Brandt-Rennens können über solche Dinge nur schmunzeln. Ab 13.30 Uhr kämpfen Weltrekordler wie die 24-jährige Marie Lindinger aus Bayern, die 2002 mit 139 Siegen eine einsame Bestmarke für Amazonen erzielte, gegen Berliner Newcomer wie Katharina Merz. Nicht weniger als 52 Gespanne streiten um den Sieg. Sollte übrigens Merz gewinnen, wird wohl noch ein Unterschied zwischen den Profis und den Amateuren deutlich: Während sich die Berufsfahrer nach ihren Erfolgen gern ausgiebig in der Öffentlichkeit feiern lassen, hält sich die schüchterne Amazone nur kurz im Kreis der Sieger auf. Sie kehrt lieber rasch in den Stall zurück, um sich um ihr Pferd zu kümmern.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 27.2.2004)

                                   Wetten, dass es weitergeht

                               Neustart der Traber in Karlshorst

(H.Lingk)

BERLIN. Auf der Trabrennbahn Karlshorst soll es demnächst doch wieder Rennen geben. Nachdem die 1894 gegründete Rennpiste Ende vergangenen Jahres im Abwärtsstrudel fallender Wetteinnahmen und abnehmender Zuschauerzahlen zu versinken drohte, wird nun der Neuanfang gewagt. Vor rund 300 Gästen – darunter auch fast alle 40 Wuhlheider Fahrerprofis – erläuterte der Vorstand des neu gegründeten Fördervereins PSP Pferdesportpark sein Konzept für eine bessere Zukunft.

Am 6. April sollen sich die Pferde wieder hinter den ausgeklappten Flügeln des Karlshorster Startwagens versammeln. Das ist ein Dienstag. Dabei fordert der Großteil der Trabrennen-Anhänger, dass die Veranstaltungen auf das Wochenende gelegt werden. Doch von dem neuen Karlshorster Verein ist in dieser Richtung nur sehr wenig Bewegung zu erwarten. Der Hintergrund: In der Terminplanung haben sich die Rennvereine bundesweit von den großen Buchmacherketten abhängig gemacht. Denen ist es völlig egal, wie viele Zuschauer die Rennen direkt auf der Bahn verfolgen, solange das Geld in den Kassen der eigenen Wettbüros klingelt.




Angesichts der Misere bemüht sich der Vorstandschef Derek Kröger mit seinem Stellvertreter Wolfram Friedersdorff, auf anderen Gebieten neue Wege aufzuzeigen. Sieben Jahre lang war Friedersdorff Bezirksbürgermeister in Lichtenberg und kennt daher die Probleme der Bahn. Seit Ende 2002 ist er jedoch als Staatssekretär in der Abteilung Jugend und Sport im Sozialministerium von Mecklenburg-Vorpommern tätig. „Jetzt geht es mir nicht mehr um die Wuhlheide allein, sondern um den Trabrennsport an sich“, sagt Friedersdorff deshalb. Kröger will sämtliche Aktivitäten seines Vereins auf eine breitere Basis stellen, weit über die geplanten 30 bis 35 Renntage der Saison 2004 hinaus. „Die gesamte Wuhlheide wird sich langfristig zu einem absoluten Sport- und Freizeitzentrum in Berlin entwickeln“, hofft Kröger. „Wir holen nicht nur die Traber zurück auf die Bahn, wir holen auch die Reiter, Golfer und Beachvolleyballer nach Karlshorst.“ An Visionen mangelt es nicht. Für einen Neuanfang kann das nicht schaden.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 26.1.2004)

                                          Fit durch Phlegma

Der deutsche Hengst Abano As belegt beim Prix d’Amerique den zweiten Platz hinter Favorit Késaco Phédo

(H.Lingk)

PARIS. Es waren noch 20 Minuten bis zum Start des Prix d’Amerique. Auf der Tribüne mit den 35 000 Zuschauern im noblen Pariser Vorort Vincennes knisterte die Spannung. Für das Team um den deutschen Spitzentraber Abano As begannen die letzten Minuten vor der Entscheidung im wichtigsten Trabrennen der Welt. Und was tat der Hauptakteur in der mit einer Million Euro dotierten Prüfung? Abano As stand ganz ruhig in seiner Box und schloss entspannt die Pferdeaugen. Als ginge ihn das Ganze nichts an.

Große Pferde haben ein großes Phlegma. Das ist ein altes Gesetz, so alt wie der Trabrennsport selbst. Gestern in Paris hat der Hengst Abano As mit seinem zweiten Platz im Prix d’Amerique endgültig bewiesen, dass er wirklich ein ganz Großer ist. Sofort nach dem Start zeigte sich der Hengst von einer völlig anderen Seite: Abano As startete wie ein Blitz und hätte umgehend die Spitze übernehmen können. Doch nach der Taktik seines Sulkyfahrers Jos Verbeeck sollten zunächst die anderen Gespanne die Pace vorlegen.

Mit meisterlichem Timing fand Verbeeck mit dem Traber aus dem Rennstall von Alwin Schockemöhle schon nach wenigen Metern genau in die Position, die er einnehmen wollte: Die Lage im Windschatten des großen französischen Favoriten Késaco Phédo. Erst zu Beginn der Endgeraden steuerte der Belgier Verbeeck sein Pferd auf Angriffskurs. Abano As reagierte sofort auf das Zeichen seines Fahrers und flog an den Gegnern vorbei. Nur den Widerstand eines einzigen Konkurrenten konnte der deutsche Hengst nicht brechen: So sehr sich Verbeeck auch mühte, an Késaco Phédo kam sein Abano As einfach nicht vorbei. Mit dem französischen Champion Jean-Michel Bazire im Sulky ging Késaco Phédo mit eineinhalb Längen Vorsprung über die Ziellinie.

So war es dann am Ende Jean-Michel Bazire, der die Amerique-Trophäe aus den Händen des französischen Filmschauspielers Jean Réno entgegennehmen durfte. Doch auch für die Niederlage wurde Verbeeck ausreichend belohnt: Für den zweiten Platz wanderten 250 000 Euro auf die Habenseite des Teams Alwin Schockemöhle.



Abano As hat nun insgesamt über 2,1 Millionen Euro gewonnen. „Vor dem Rennen war ich mir nicht sicher, aber dann hat mich Abano As eines besseren belehrt“, sagte Verbeeck. „Der Hengst ist momentan so gut wie nie zuvor. Késaco Phédo war heute nicht zu schlagen. Aber in zwei Wochen kann das völlig anders aussehen.“ Dann werden die beiden Toppferde beim Prix de France erneut aufeinander treffen. Über die dann 600 Meter kürzere Distanz hofft Verbeeck auf die Startschnelligkeit seines Hengstes. „Über diese Streckenlänge Ist Abano As eine Macht.“ Im Vorjahr gewann der Hengst erst den Prix d’Amerique und wurde dann im Prix de France Zweiter. Dieses Mal kann es genau anders herum ausgehen.

Abano As wird das relativ egal sein. Zehn Minuten nach seiner Klasseleistung im renommiertesten Trabrennen der Welt stand der braune Hengst wieder ganz entspannt in seiner Box.

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Tagesspiegel (Ausgabe vom 23.1.2004)

                               Provokation auf vier Beinen

Frankreich hat Respekt vor Abano As – wiederholt der deutsche Traber seinen Vorjahressieg beim Prix d’Amérique?

(H. Lingk)

Alwin Schockemöhle muss doch keiner mehr etwas erzählen. Von wegen, man könne Erfolge planen und voraussagen. Das geht nirgendwo, auch nicht bei Pferderennen. Jahrzehntelang war Schockemöhle ein erfolgreicher Springreiter, 1960 Olympiasieger mit der Mannschaft und 1976 Einzel-Olympiasieger. Später dann stieg er zum erfolgreichsten Züchter von Trabrennpferden auf. „Ich kenne das alles nur zu gut“, sagt der 66-Jährige. „Das ganze Auf und Ab: Mal bist du an der Spitze und nur Sekunden später tief unten."

Gerade mal zwölf Monate ist es her, da war Schockemöhle ganz weit oben. Denn da hatte sein Hengst Abano As in Paris den Prix d'Amérique gewonnen und damit das wichtigste Trabrennen der Welt. Als Außenseiter war er den Gegnern sensationell davongestürmt. Schon beim Traber-Derby in Mariendorf hatte Abano As seine Fähigkeiten bewiesen. Die Kilometerzeit, die er dort im Jahr 2000 erreicht hatte, ist bislang nicht unterboten worden. 46-Mal ging Abano As an den Start, er gewann 22 Rennen und war weitere 20-Mal platziert. Der schnellste deutsche Traber aller Zeiten gewann dabei 1,86 Millionen Euro Preisgeld.

So viel zum Umstand, ganz oben zu stehen. Aber am Sonntag findet der Prix d’Amérique 2004 statt, und der so erfolgreiche Traber Abano As wird nur als Außenseiter gehandelt. 18 Pferde treten in dem mit einer Million Euro dotierten Rennen an, darunter der legendäre französische Hengst Général du Pommeau, der fast doppelt so viel Geld wie Abano As gewonnen hat. Ihn werden die rund 40 000 Zuschauer frenetisch anfeuern. Nur die einheimischen Gespanne stehen für die Fans im Mittelpunkt, etwa Landesmeister Jean-Michel Bazire mit Késaco Phédo. Denn für die Franzosen ist eine Niederlage ihrer Pferde im Prix d'Amérique gegen die ausländischen Konkurrenten eine persönliche Schmach. Seit dem ersten Rennen im Jahr 1920 waren sie über Jahrzehnte hinweg nur Erfolge französischer Pferde gewohnt.

Doch seit ein paar Jahren dominieren ausländische Traber. Verantwortlich dafür ist der Mann, der im Sulky von Abano As sitzt: der Belgier Jos Verbeeck. 1994 begann sein Triumphzug beim Prix d'Amérique. Mit dem kanadischen Hengst Sea Cove aus dem Besitz des Hamburger Kaufmanns Harald Grendel verblüffte er alle Gegner mit einer unglaublichen Taktik. Mit seinem Pferd setzte er sich in scheinbar völlig überhöhtem Tempo an die Spitze des Feldes. Auf der Zielgeraden wurde sein Pferd dann erwartungsgemäß immer langsamer. Aber die Taktik ging auf. Im Ziel hatte der bis dahin unbekannte Verbeeck zwar nur einen hauchdünnen Vorsprung – aber er hatte ihn. Und das reichte zum Sieg. Drei weitere Siege, 1997, 1998 und dann 2003, mit Abano As, folgten.



„Wenn es ernst wird, hat keiner mehr Nervenstärke als Jos“, sagt Alwin Schockemöhle. Deshalb ist auch sein Vertrauen in den Belgier für das Rennen am Sonntag groß. „Abano As ist jetzt wieder in Topform. Im Sommer war er nach einem Trainingsunfall durch eine Schwellung des rechten Vorderbeins gehandicapt. Aber das ist ausgestanden.“ Verbeeck ist zurückhaltender: „Ich weiß noch nicht, wo Abano As derzeit steht. Aber ich vertraue auf seine Schnelligkeit in der Startphase.“

Aber genügt schon eine gute Ausgangsposition? Der Prix d'Amérique führt über 2700 Meter und gilt als das härteste Trabrennen der Welt. Einen Tipp jedenfalls will der vorsichtig gewordene Schockemöhle nicht abgeben. „Eines habe ich in 40 Jahren Pferdesport gelernt: Am Ziel ist man erst nach dem Rennen.“

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